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Ökologie

29.06.2017

Ein Landkreis ohne Plastiktüten

Die Grünen stoßen mit ihrem Antrag im Umweltausschuss auf einhellige Zustimmung. Wie die Vorbildrolle ausgefüllt werden soll

Das Wittelsbacher Land soll frei von Plastiktüten werden. Diesen Antrag stellten die Grünen im Kreistag von Aichach-Friedberg und rannten damit offene Türen ein. Wie Michaela Stadelmeyer gestern im Umweltausschuss berichtete, gibt es bereits eine Reihe von Aktivitäten, die jetzt ausgeweitet werden sollen.

Gegenwärtig bestehen die meisten Plastiktüten aus fossilen Rohstoffen, begründen die Grünen ihren Vorstoß. Für die Herstellung eines Beutels werden 50 Milliliter Erdöl benötigt, was bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 71 Plastiktüten im Jahr allein für den Landkreis Aichach-Friedberg 465000 Liter Erdöl bedeutet. „Dieses Öl kann ohne Verluste an Lebensqualität eingespart werden“, so die Fraktionsvorsitzende Katrin Müllegger-Steiger. Hinzu kommt eine wachsende Verschmutzung der Weltmeere mit Kunststoffabfällen. So wurden im Magen eines Wals, der im Februar vor Norwegens Küste gestrandet war, 30 Plastiktüten gefunden. Mikroplastik wird inzwischen sogar in Flüssen und Seen nachgewiesen. Wer ökologisch und nachhaltig handeln wolle, solle anstelle der Plastiktüte eine Stofftasche oder einen Einkaufskorb verwenden. Die Grünen sehen den Landkreis gefordert, dies durch Informationen, Werbeaktionen und eigenes gutes Beispiel zu unterstützen.

Der Gesetzgeber hat dazu bereits rechtliche Vorgaben geschaffen. Bis 2025 soll der jährliche Verbrauch auf maximal 40 Plastiktüten pro Kopf und Jahr reduziert werden. Vorerst soll das auf freiwilliger Basis geschehen, Handel und Bundesumweltministerium haben sich darauf geeinigt, die Beutel nicht mehr kostenlos auszugeben. Doch Umweltorganisationen kritisieren, dass diese unverbindliche Selbstverpflichtung die Anzahl nicht ausreichend verringere. In Ländern wie Irland, wo eine verpflichtende Abgabe von 22 Cent pro Tüte eingeführt wurde, ist der Pro-Kopf-Verbrauch inzwischen auf 16 Tüten pro Jahr gesunken. Michaela Stadelmeyer von der Kommunalen Abfallwirtschaft berichtete nun im Umweltausschuss, dass der Landkreis bereits jetzt im Rahmen seiner Aktionen darauf achte, das Ziel der Plastiktütenvermeidung in die Öffentlichkeit zu befördern. Dafür werden zum Beispiel bei den Wertstoffsammelstellenfesten Mehrwegtaschen aus Stoff und Polyester mit Landkreislogo ausgegeben. Künftig soll jeder Neubürger diese Taschen zusammen mit einer Infomappe der Abfallwirtschaft erhalten. Auch die Schüler bekommen sie bei Führungen auf den Wertstoffsammelstellen.

Ebenfalls an die Kinder wendet sich der Landkreis mit der Ausgabe von Dosen für das Pausenbrot. Bereits seit Jahren erhält jeder Erstklässler im Landkreis sein eigenes Exemplar. Ganz neu: Künftig gibt es Dosen aus Recyclingmaterial. Das prämierte Produkt einer Firma aus Baden-Württemberg besteht aus Pflanzenresten, Carnaubawachs, Mineralien und Kalk. Die Anschaffung lässt sich der Landkreis einiges kosten. Jede Dose schlägt mit mehr als zehn Euro zu Buche.

„Es ist nicht so, dass der Landkreis nicht schon etwas getan hätte“, resümierte Landrat Klaus Metzger (CSU). Dennoch nehme man die Anregung der Grünen sehr ernst. Ihrem Antrag zufolge verstärkt nun der Kreis die Information der Bevölkerung und die Ausgabe der Mehrwegtaschen. Der Landkreis selbst will weiterhin darauf achten, seinen Geschäftsbetrieb möglichst ökologisch und frei von Einwegprodukten aus Plastik zu betreiben. So wird zum Beispiel Kaffeemilch bereits jetzt in großen Tetrapacks beschafft. Und schließlich sollen Gewerbetreibende, Gewerbeverbände und Handel besser informiert werden. Die Unternehmen können auch die Mehrwegtaschen mit dem Landkreis-Logo beziehen, die pro Stück samt Aufdruck 63 Cent (Stoff) oder 1,83 Euro (Polyester) kosten. Metzger erinnerte aber daran, dass der Landkreis weder Handel noch Gewerbe dazu zwingen könne, auf Plastiktaschen zu verzichten.

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