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Mering

15.04.2019

Ein Meringer baut eine Schule in Namibia

Robert Ringenberger mit Kindern aus dem namibischen Dorf Ovinjuru, für die ein Kindergarten mit Vorschule gebaut wird.
Bild: Robert Ringenberger

Zimmerermeister Robert Ringenberger arbeitet zusammen mit Handwerkern aus ganz Deutschland an dem Projekt. Davon profitieren nicht nur die Dorfbewohner.

Eselskarre und Landrover ersetzen weitgehend den Lastwagen, als Brotzeit gibt es Maisbrei statt Leberkässemmel und gearbeitet wird auch bei 40 Grad in der prallen Sonne. Diese neue Erfahrung machte Robert Ringenberger zusammen mit fünf weiteren Handwerkern aus ganz Deutschland bei einem freiwilligen Arbeitseinsatz in Namibia. Über Geschäftsfreunde kam der Zimmerermeister aus Mering, der in Merching ein Holzbauunternehmen führt, in Kontakt mit dem Verein „Zukunft Afrika“ und seinem Hilfsprojekt, dem Bau eines Kindergartens und einer Vorschule.

Eine Woche Bedenkzeit und der 54-Jährige war dabei. Und so saß er Anfang Januar mit einem Akkuschrauber im Gepäck und dem Vorsatz, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, im Flieger. Die mitgeführten Ersatzakkus wurden ihm schon am Flughafen in Frankfurt aus Sicherheitsgründen abgenommen. Regen bei der Ankunft in der Hauptstadt Windhoek war die zweite Überraschung des knapp einmonatigen Aufenthalts. Alles in allem waren es aber durchweg positive Erlebnisse und Erkenntnisse, die der Handwerksmeister bei seinem ehrenamtlichen Einsatz in der ehemals deutschen Kolonie gewinnen konnte.

Die harte körperliche Arbeit gefiel Ringenberger

„Bisher habe ich ausschließlich örtliche Institutionen unterstützt, denn ich will sehen, wo meine Gelder hingehen. Hier hatte ich die Möglichkeit, ein sinnvolles Projekt finanziell zu unterstützen und mit eigenen Händen mitzuwirken“, erklärt er. Dafür opferte der Unternehmer nicht nur knapp vier Wochen seiner Arbeitszeit. „Selbstverständlich trugen wir auch alle Unkosten wie Flug, Mietwagen, Unterkunft und Verpflegung selbst“, betont Ringenberger.

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Im kleinen Dorf Ovinjuru, einem abgelegenen Ort in der Kalahari Namibias, etwa 400 Kilometer von Windhoek entfernt, war der Einsatz geplant. Zur Begrüßung sangen Kinder die Nationalhymne, der Pfarrer sprach Gebete. Seit 2015 macht sich der Wittenberger Unternehmer Ralph Guttenberger für das Projekt „Ewe Retu“, übersetzt „Der Fels, auf den wir bauen“ stark. Und während zuhause Ehefrau Barbara und die Mitarbeiter die Firma am Laufen hielten, leistete Robert Ringenberger mit seinen Handwerkskollegen tatkräftige Anschubhilfe für das Bauprojekt.

Kleine Püppchen in der Tracht der stolzen Hererofrauen waren die Gastgeschenke der Einheimischen für die Helfer aus Deutschland.
Bild: Robert Ringenberger

Als ersten Einsatz auf der Baustelle galt es, von Hand 11,5 Tonnen Fliesen abzuladen und von Mann zu Mann zur Baustelle zu transferieren. Die harte körperliche Arbeit machte dem Unternehmer, der als Firmenchef naturgemäß einen Großteil seiner Zeit im Büro verbringt, richtig Spaß. „Es war so eine Art positiver Muskelkater“, sagt Ringenberger und lacht. „Alles was bei uns im Bau so einfach läuft, ist dort eine Riesenplackerei.“ Kies wurde in der Wüste ausgegraben und kilometerweit zur Baustelle gekarrt, die Schubkarren versanken im Sand der Kalahari Trockensavanne und deshalb bewährte sich als Transportmittel am besten die „Kalahari-Ferraris“, sprich die Eselskarren. Das Arbeiten ist ganz anders als in Deutschland, stellten die Handwerker fest. Und sie lernten flexibel zu sein. Wenn das Benzin alle war und der Betonmischer stillstand, griff man zum Quirl, falls gerade mal Strom da war. Auch das Wasser aus dem Gemeindebrunnen war manchmal knapp. Dann galt die Devise: Erst kommt das Vieh, dann der Mensch.

Frauen in ihrer Hererotracht kochten am offenen Feuer das Mittagessen

Im Laufe ihrer gemeinsamen Arbeit gewannen die Deutschen höchsten Respekt vor dem Einsatz der Bevölkerung vor Ort. „Von morgens um 7 Uhr bis um 17 Uhr waren die Helfer mit uns auf der Baustelle und wenn wir am Wochenende auf Safari waren, um die artenreiche Tierwelt Namibias kennenzulernen, arbeiteten sie weiter“, erzählt Ringenberger. Es gilt, dem Dorf eine Zukunft zu geben. Dafür kam der Initiator des Projekts nach seinem Studium aus Deutschland zurück, um in seinem Heimatort Aufbauarbeit zu leisten. Auch wenn es vereinzelt eine gewisse Skepsis gegenüber den Deutschen, ehemals Kolonialherren in Namibia, gab, half das ganze Dorf mit. Die Frauen in ihrer Hererotracht kochten am offenen Feuer das Mittagessen. Püppchen in dieser historischen Tracht erhielten die Helfer aus Deutschland als Souvenir vor ihrer Rückkehr. Das Ziel, in Ovinjuru zukunftsfähige Strukturen zu schaffen, wird Ringenberger weiter unterstützen. Die Flyer des Vereins „Zukunft Afrika“ liegen in seinem Büro aus und er plant Spendenaktionen.

Im Rahmen der Monatsversammlung der Kolpingsfamilie hält Robert Ringenberger am Mittwoch, 24. April, um 19.30 Uhr im Filmsaal des Papst-Johannes-Hauses einen Bildvortrag über dieses Projekt.

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