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Fußball

25.06.2018

Ein Oberbernbacher erlebt die WM hautnah

Der Oberbernbacher Alexander Beck war beim Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft im Luschniki-Stadion in Moskau. Dieses Foto hat er kurz vor dem Anpfiff gemacht.
Bild: Alexander Beck

Alexander Beck saß beim Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft auf der Tribüne im Luschniki Stadion. Er selbst ist in der ehemaligen Sowjetunion geboren.

Wohin er auch blickt, überall liegen sich wildfremde Menschen in den Armen. Rechts von ihm grölt ein Mann oberkörperfrei etwas auf Russisch, links von ihm feuert eine Frau mit Kopftuch einen Wortschwall auf Arabisch in Richtung Rasen. Und mittendrin steht er, Alexander Beck. Der 30-Jährige aus dem Aichacher Stadtteil Oberbernbach war hautnah dabei, als die Fußball-Weltmeisterschaft vergangene Woche im Luschniki-Stadion in der russischen Hauptstadt Moskau eröffnet wurde.

„Die Stimmung war Wahnsinn“, erzählt Beck. Er ist von den Eindrücken vor Ort begeistert: „Das Schönste war, dass so viele Menschen aus verschiedensten Nationen gemeinsam gefeiert haben.“ Keine Selbstverständlichkeit, wie Beck weiß. Er wurde in der ehemaligen Sowjetunion, im heutigen Kasachstan, geboren. Im Alter von acht Jahren kam er zusammen mit seiner Familie nach Deutschland. Verwandte in der alten Heimat hat er keine mehr. Warum es ihn dennoch nach Russland verschlagen hatte? Seine Freundin kommt ursprünglich aus Moskau und hat noch Familie dort. Ihre Eltern hatten Karten für das Eröffnungsspiel besorgt, da mussten die beiden nicht lange überlegen und so fanden sie sich einen Tag vor dem Spiel in einem Flieger Richtung Osten wieder.

Bedenken wegen seiner Sicherheit hatte er zu keiner Zeit

Bedenken wegen seiner Sicherheit hatte Beck zu keinem Zeitpunkt. „In den Medien wurde im Vorfeld viel über die Hooligans und dergleichen berichtet. Diese Geschichten haben sich aber nicht bestätigt. Ich habe zu keinem Moment empfunden, dass es gefährlich werden könnte.“ Die Menschen, ob Russen oder auch aus anderen Nationen, seien bei den zahlreichen Gesprächen mit dem 30-Jährigen durchweg alle freundlich gewesen.

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„Schon die Anreise war sehr lustig“, erinnert sich der 30-Jährige. „Im Flugzeug waren hauptsächlich Fußball-Fans – auffallend viele Mexikaner und Peruaner, die haben ordentlich Stimmung gemacht.“ Während die Maschine in München abhob und Beck seine WM-müde Heimat, Aichach, hinter sich ließ, wurde Tausende Kilometer weiter östlich schon ekstatisch gefeiert. In Moskau herrscht WM-Fieber.

„Die Stimmung dort ist bombastisch. Auch im Stadtzentrum herrscht eine tolle Fußball-Atmosphäre. Alle Menschen sind total herzlich und sehr offen“, erzählt Beck. Der 30-Jährige war von Mittwoch bis Sonntag in der russischen Hauptstadt. Deutlich länger als der Großteil der anderen Fans. „Jeden Tag trifft man neue Leute“, denn Moskau ist für viele Fans nur eine Zwischenstation. Die meisten reisen für die Spiele ihres Landes von Stadt zu Stadt und verweilen nur kurze Zeit in der russischen Hauptstadt. „Es ist eine kunterbunte Mischung aus allen Nationen, die da gemeinsam feiert. Als wir mit der U-Bahn zum Stadion fuhren, waren die Abteile gerammelt voll mit Fußball-Fans aus allen möglichen Ländern“, erzählt Beck. Wer keines der begehrten Tickets ergattern konnte, verfolgte das Spektakel eben – wie hierzulande auch – auf einer großen Leinwand an einer der Fanmeilen in der Stadt. Denn Moskau präsentiert sich von seiner besten Seite.

Dieser Meinung ist auch Beck. „Ich denke, dass die WM und der Sport allgemein sehr wichtig sind für Russland, so wie für die meisten anderen Länder eben auch – uns eingeschlossen.“ Der Oberbernbacher war schon 2014 für sechs Wochen zur WM nach Brasilien geflogen. Seine Eindrücke von dort, erklärt er, ließen sich durchaus mit denen von Moskau vergleichen. Lediglich die Erwartungshaltung der Fans sei von Grund auf verschieden. „Aus sportlicher Sicht erwarten die Russen von ihrem Team nicht viel. Die Unterstützung für ihre Mannschaft ist aber unabhängig von den Ergebnissen enorm.“ Schon die Siege gegen Saudi-Arabien und Ägypten seien mehr, als die meisten seiner russischen Gesprächspartner in Moskau für möglich hielten. „Klar, es waren nicht die härtesten Gegner, aber die Russen empfinden das trotzdem als sehr starke Leistung. Ich denke, das Achtelfinale ist schon ein Riesenerfolg. Wenn es gegen Spanien geht, wird da wohl auch Endstation sein. Gegen Portugal könnten sie sogar den Viertelfinaleinzug schaffen, aber spätestens dann ist vermutlich Schluss. Ich denke, für die Russen ist das aber auch völlig in Ordnung.“

An erster Stelle steht für ihn die deutsche Nationalmannschaft

Beck selbst bezeichnet sich zwar als Sympathisanten, an erster Stelle steht für ihn allerdings die deutsche Nationalmannschaft: „Schließlich fühle ich mich als Deutscher. Den Russen drücke ich zwar die Daumen – aber nur, solange es nicht gegen uns geht.“ Denn auch wenn er seine Wurzeln nahe dem heutigen Russland hat, fühlt er sich in Deutschland bestens integriert – und das sogar ganz ohne Fußball.

„Für mich selbst war der Fußball ehrlich gesagt nicht ausschlaggebend bei der Integration. Ich habe erst sehr spät mit dem Kicken angefangen.“ Andere Faktoren seien in seinem Fall entscheidender als der Sport gewesen. „Ich habe sehr schnell Freunde gefunden – sowohl Deutsche als auch Russen. Natürlich kann Sport aber für viele eine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme in dem neuen Land bieten“, sagt Beck. Das sei nicht zu unterschätzen und enorm wichtig. Auch weil so schnell Vorurteile abgebaut werden können. Gerade Letzteres hat der Oberbernbacher auch in Moskau erlebt.

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