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Friedberg

10.11.2019

Ein Ort der Begegnung mitten in Friedberg

Hier entsteht der Divan, der dem „Divano“, der neuen Begegnungsstätte im Pfarrzentrum St. Jakob, den Namen gibt. Fabian Keller von der Derchinger Schreinerei Sedlmeyr montiert die Bauteile, während sich Stadtpfarrer Steffen Brühl und Christine Schmitz über den raschen Fortgang der Arbeiten freuen.
Foto: Thomas Goßner

Plus Der Umbau des Pfarrzentrums St. Jakob ist fast abgeschlossen, in zwei Wochen wird Einweihung gefeiert. Die Diözese unterstützt die innovative Idee des Divano, mit dem sich die Kirche öffnen will.

Ein neuer Boden ist bereits verlegt, die Küchenzeile zum Teil aufgebaut, und an der Stirnwand schrauben die Schreiner ein hölzernes Gestell zusammen – den Divan, der der neuen Begegnungsstätte der Pfarrei St. Jakob in Friedberg seinen Namen gibt. Denn unter dem Motto „Divano – Kaffee, Kunst und Spirit“ sollen künftig im Pfarrzentrum Menschen unterschiedlichster Prägung und Herkunft zusammenkommen. Am Donnerstag, 21. November, wird die Einweihung gefeiert.

Stadtpfarrer Steffen Brühl ist selbst immer wieder auf der Baustelle und hat die die Entstehungsgeschichte des Divano aus nächster Nähe erlebt. Sie reicht auf eine Klausur des Pfarrgemeinderats im Jahr 2014 zurück, als Brühl noch Kaplan von St. Jakob war. „Es ging um die Frage, wie bekommen wir die Pfarrei so weit geöffnet, dass Menschen, die am Rande stehen oder gar nichts mit der Kirche zu tun haben, einen Anknüpfungspunkt finden“, berichtet er.

Zunächst drehte sich die Idee um ein Café, doch der Gedanke wurde im Gespräch mit dem Sozialdienst Katholischer Männer und der Caritas rasch weiterentwickelt. Integration und Inklusion rückten in den Mittelpunkt der Überlegungen, als 2015 die Flüchtlinge in großer Zahl nach Friedberg kamen und etwa zeitgleich eine Fachberatung für Menschen mit Behinderung aufgebaut wurde. Wer Hilfe braucht, soll sie hier im Pfarrzentrum bekommen – auch ohne die Notwendigkeit, gleich eine Beratungsstelle aufsuchen zu müssen.

Als weitere Bausteine kam die Sorge um einsame Menschen und um solche hinzu, die sich einen normalen Cafébesuch nicht einfach so leisten können. Sie alle sollen ganz ohne Konsumzwang und andere Barrieren kommen und Gesprächspartner finden können. Feste Preise gibt es im Divano nicht, jeder gibt, was er kann, und finanziert so auch diejenigen mit, die gar kein Geld haben.

Verschiedene Gruppen der Pfarrei sollen den neuen Bereich nutzen

Um das Konzept zu verwirklichen, war ein größerer Umbau nötig, denn der versteckte und wenig einladende Eingang wirkt sich nach Brühls Wahrnehmung fast abschreckend aus. „Nicht mal unsere eigenen Leute kommen hier rein“, berichtet er von seinen Beobachtungen nach dem Sonntagsgottesdienst. Darum wurde die Fassade nach Süden hin geöffnet und großzügig verglast. Durch eine neue Tür gelangen die Besucher direkt ins Divano, für das auch die feste Trennwand zwischen den Klubräumen herausgerissen wurde. Je nach Platzbedarf können jetzt verschieden große Flächen abgeteilt oder zusammenfasst werden – einschließlich sogar des Pfarrsaals mit seiner Bühne. Schließlich sollen auch die verschiedenen Gruppen der Pfarrei den neu gestalteten Bereich nutzen.

Gleich mehrere Planer waren nötig, bis die Pfarrgemeinde mit dem Raumkonzept zufrieden war. Am Ende war es Sevket Dalyanoglu, der die zündende Idee lieferte. Der Architekt hat türkischen Wurzeln und brachte aus der Tradition seiner Heimat heraus die Idee des Divans ins Gespräch – ein Platz, an dem sich Menschen niederlassen und miteinander ins Gespräch kommen. Die Innenarchitektin Sabine Pfister unterstützte ihn bei der Umsetzung der Idee. „Sie weiß, wie Architektur gestaltet sein muss, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen“, lobt Steffen Brühl. Und in diesem Fall lautet das Ziel, die Hemmschwelle zu senken und Leute ins Divano zu bekommen.

Die Friedberger Bücherei soll in das Konzept einbezogen werden

Brühl gelang es, die Diözese vom Konzept der Pfarrei zu überzeugen und fand in Generalvikar Harald Heinrich einen Mitstreiter, der am 21. November auch zur Einweihung kommt. 200000 Euro stellt die Diözese für den Umbau bereit und finanziert auch die Betriebskosten. Geld soll für einen weiteren Bauabschnitt folgen, wenn sich die Idee zwei Jahre lang trägt. Dann soll auch die Bücherei im Westflügel in das Konzept einbezogen und der Eingang zum Jakobsplatz hin verlegt werden.

Ende August haben die Arbeiten begonnen, in Kürze wird Einweihung gefeiert. Möglich wurde dies dank der ehrenamtlichen Helfer, die in ihrer Freizeit mitangepackt haben. „Firmen haben wir nur beauftragt, wenn wir unbedingt Fachleute brauchten“, sagt Steffen Brühl stolz. Auch beim Betrieb des Divano kann er sich auf ehrenamtliches Engagement stützen. Mit Christine Schmitz gibt es zwar eine fest angestellte Leiterin, doch bei sechs Öffnungstagen pro Woche – nur am Montag bleibt geschlossen – werden noch viele Hände gebraucht.

„Das Divano ist genau das, was Friedberg braucht“, betont Brühl: „Wir bekommen eine Einrichtung, die kommunale Aufgaben erfüllt.“ Er hofft darum, dass sich die Stadt neben dem Investitionskostenzuschuss in Höhe von 35000 Euro auch mit einem jährlichen Betrag von 12000 Euro an den Betriebskosten beteiligt. „Das würde es uns ermöglichen, diese Einrichtung ohne Sorgen zu führen“, wirbter um Unterstützung.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar Kirche von ihrer besten Seite

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