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Soziales

23.03.2018

Ein Pflegeplan für den Landkreis

Im Landkreis gibt es zu wenige Kurzzeitpflegeplätze.

Weil sich die Kurzzeitpflege für die Träger nicht lohnt, fehlen zahlreiche Plätze. So will die Politik im Wittelsbacher Land auf den Mangel reagieren

Wer daheim einen Angehörigen pflegt und in den Osterferien von dieser anstrengenden Arbeit ein paar Tage ausspannen will, der steht vor einem großen Problem: Im Landkreis Aichach-Friedberg gibt es zu wenige Kurzzeitpflegeplätze. Eine schwierige Situation bedeutet das für alle Pflegenden auch, wenn sie selbst einmal ins Krankenhaus oder zur Kur müssen.

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In Aichach gibt es zwar im Caritas-Zentrum Sankt Hildegard und in der privaten Einrichtung Sonnengarten eingestreute Kurzzeitplätze, die aber nur dann zur Verfügung stehen, wenn gerade mal ein Bett frei ist. In Friedberg machte die Kurzzeitpflege im Sommer 2014 dicht. Caritas-Heimleiterin Andrea Neukäufer sagt: „Der ganze Aufwand, der hinter der Kurzzeitpflege steckt, wird nicht refinanziert.“ Sie spricht von einer „Riesenschwachstelle im Gesetz.“

Seit die gesetzlichen Anforderungen verschärft wurden, entsprach die Größe vieler Zimmer nicht mehr den Mindestanforderungen, so Herbert Ederer vom Pflegezentrum Mering: „So sind aus Doppelzimmern jetzt Einzelzimmer geworden und das verschärft die Lage zusätzlich; uns rufen Leute oft verzweifelt an, weil sie keinen Platz finden, wenn Oma oder Opa aus dem Krankenhaus kommen.“ Landrat Klaus Metzger bewertet das aktuelle Angebot an Kurzzeitplätzen im Landkreis als schlecht und stellt fest: „Es ist eines der Probleme, an deren Lösung wir mit Hochdruck arbeiten.“ Beim Seniorentag in Dasing kündigte er für den Landkreis einen „Pflegeplan 2030“ an, der sich für die nächsten Jahre mit der Ausbildung, Tages- und Kurzzeitpflege sowie anderen wichtigen Themen befassen soll.

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Dieser Plan wird vor allem die Aufgabe von Alfred Neumeiers Nachfolger sein; der Sachgebietsleiter im Landratsamt geht dieses Jahr in Pension und kennt die Probleme vieler Pflegender aus erster Hand. „Die Familienstrukturen ändern sich; oft müssen beide Ehepartner arbeiten gehen und können sich nicht ausreichend um ihre gebrechlichen Eltern kümmern.“

Rund ein Dutzend verschiedene Dienste im Landkreis bieten ihre Unterstützung bei der häuslichen Pflege an. Die enorme Nachfrage sei mit deutschen Kräften oft nicht mehr zu bedienen, sagt Pia Chambré vom Ambulanten Pflegedienst Dasing: „Wir sind mit einem multikulturellen Team unterwegs.“ Einige Dienste bieten medizinische oder hauswirtschaftliche Versorgung an, andere beides. Fünf Pflegegrade dienen zur Einstufung pflegebedürftiger Menschen hinsichtlich ihres Bedarfs an Unterstützung. Entscheidend für die Zuweisung eines Pflegegrads sind nicht nur körperliche Einschränkungen, sondern auch kognitive und psychische Beeinträchtigungen.

Das Pflegestärkungsgesetz hat Änderungen bei den Leistungen gebracht: Es gibt nun eine deutliche Stärkung der ambulanten Pflege, abgebaut wurde dagegen bei der stationären. Ina Albes von der Seniorenberatung des Kreises ist der Ansicht, das Ganze sei schlecht geplant. Man habe eine Nachfrage geschaffen, der kein ausreichendes Angebot gegenübersteht. „Denn es gibt zu wenig Personal. Die von der Politik zugesagten neuen 8000 Pflegekräfte sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.“ Zudem müssten diese erst noch ausgebildet werden.

Die Auswirkungen des neuen Gesetzes bekommt auch Geschäftsführerin Gudrun Jansen von der Sozialstation Friedberg zu spüren. „Die Messlatte liegt sehr hoch“, stellt sie fest, „allein für Schulungen unserer Mitarbeiter haben wir rund 10000 Euro aufgewendet.“ Joachim Bauch vom Kreisverband des Roten Kreuzes Aichach-Friedberg berichtet, in den vergangenen fünf Jahren sei die Zahl der ambulanten Pflegen enorm gestiegen. „Ein Problem für unsere Mitarbeiter ist, dass sie um acht Uhr früh möglichst bei allen Kunden gleichzeitig sein sollen“, sagt er. Nicht nur die Zahl der dementen Patienten nehme zu, sondern auch der Bedarf bei der hauswirtschaftlichen Versorgung.

Die Sozialstation Mering betreut laut Isabella Zimmermann zur Zeit ungefähr 800 Patienten. „Wir arbeiten zu 95 Prozent mit examinierten Pflegekräften“, sagt sie. Jeden Mittwoch findet in der Sozialstation eine Betreuungsgruppe statt, die in erster Linie für Senioren mit leichter Demenz gedacht ist. Das Bürgernetz Mering, als Kuratorium der Ambulanten Kranken- und Altenpflege angegliedert, übernimmt den Hol- und Bringdienst für Besucher dieser Gruppe. „Insgesamt kann man sagen, dass die Kundenorientierung bei der ambulanten Pflege höher ist als im Heim“, so Alfred Neumeier. Er weist darauf hin, dass viele unterstützende Hilfen im Kreis zur Lebensqualität der Senioren sowie zur Entlastung der Angehörigen beitragen, sei es Essen auf Rädern in jedem Dorf, Medikamenten-Lieferungen der Apotheken ins Haus oder Fahrdienste.

Eine Besonderheit ist der Betreuungs- und Pflegedienst Home Instead, der mit rund 60 Mitarbeitern von Augsburg aus im Umkreis von 30 Kilometern tätig ist. „Wir bieten keine medizinische Versorgung“, sagt Personalfachkraft Peter Görlach, „aber eine 1:1-Betreuung, bei der immer dieselbe Person ins Haus kommt.“ Das Angebot reicht von wenigen Einsätzen pro Woche bis zur Wochenend- oder Übernacht-Betreuung oder sogar rund um die Uhr. In Kissing hat das Seniorendomizil im Haus Gabriel kürzlich sein Angebot erweitert und deckt mit einer ambulanten Versorgung ebenfalls einen Umkreis von 30 Kilometern ab. Seit Februar gibt es außerdem drei Tagespflegeplätze.

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