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Kultur in Mering

30.09.2018

Ein Platz zum Träumen in Mering

Tief in die technische Trickkiste greifen Benno Mitschka und Christine Schenk für die neue Produktion des Meringer Papiertheaters.
Bild: Christine Hornischer

In Deutschlands kleinstem Opernhaus wird am 2. November die Premiere von Hänsel und Gretel zu sehen sein.

Kindern und Erwachsenen ein unvergessliches Erlebnis schenken, das ist es, was die Opernhaus-Intendanten Christine Schenk und ihr Mann Benno Mitschka mit ihrem Papiertheater Multum in Parvo in Mering bewirken wollen. „Unsere Papierbühne, auf der ja die Protagonisten unbeweglich sind, lassen Platz zum Träumen“, sagt der studierte Germanist und Theaterwissenschaftler Mitschka. In seinem Opernhaus verbindet er die Liebe zu klassischer Musik und seine Ausbildung zum Filmemacher an der weltweit renommierten London Film School. „Wenn auch diese Art von Theater schon sehr alt ist, so mische ich sie mit neuester Technik“, erklärt Mitschka. Die digitalisierten Hintergründe werden mit einem Beamer auf die Leinwand projiziert. Musik und die von Hand gespielten Papierfiguren sind genauestens auf einander abgestimmt. Und der Clou: Seit April dieses Jahres weicht die eher kleine Papierbühne ihrer „großen“ Schwester. Nach und nach sollen sämtliche Inszenierungen des Multum in Parvo auf das große Format umgestellt werden.

Am 2. November um 19 Uhr findet die Premiere der Humperdinck-Oper „Hänsel und Gretel“ statt. Um die Spannung zu erhalten, verrät der 53-jährige Theaterdirektor nur den Anfang. Nahe bei einem Wald wohnt ein Besenbinder mit seiner Frau und seinen zwei Kindern Hänsel und Gretel. Die Eltern arbeiten den ganzen Tag, und so sind die Kinder oft allein und helfen im Haushalt. „Das Lied ’Suse, liebe Suse’ in dieser Szene ist ein bekannter Ohrwurm, auch ’Brüderchen, komm, tanz mit mir’ kennt jedes Kind“, sagt Mitschka. Die Musikstücke „Ein Männlein steht im Walde“ und „Knusper, knusper“ erzeugen eine gespenstische Atmosphäre, die durch Mitschkas große Bühne noch verstärkt wird. „Natürlich setze ich hier auch mehr Technik ein“, sagt der Theatermann.

Rückprojektionen machen es möglich, dass Figuren wie aus dem Nichts erscheinen. Lichttechnisch kann er natürlich noch mehr machen, um die Raumtiefe zu verstärken, die ja das zentrale Element beim Papiertheater für die Schaffung der Illusion ist.

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Die Verzahnung der Computer-Animationen und des Figurenspiels ist das A und O einer gelungenen Papiertheater-Oper. Wochenlang hat Mitschka an der neuen Rückprojektion gearbeitet, bis er endlich den perfekten dreidimensionalen Effekt hinbekam. Wenn in „Hänsel und Gretel“ das Hexenhaus brennt, schaut das täuschend echt aus. So echt, dass eine Frau vom Ammersee zweimal ins Multum in Parvo kam, weil sie dachte, das Haus werde wirklich abgefackelt.

Bei dieser Illusion lässt sich Benno Mitschka in die Karten blicken: Es gibt zwei Hexenhäuser. Eins besteht aus Acrylglas und wird mit Frostspray behandelt. Hier züngeln die Flammen hoch, die per Beamer auf das Haus projiziert werden. Den Trick hat der 53-Jährige vom Bühnenbildner Günther Schneider-Siemssen abgeschaut und perfektioniert. Auch beim Lied „Abends, will ich schlafen gehn, Vierzehn Engel um mich stehn“, wenn die Engel erscheinen, leistet die neue Technik Großartiges. Mitschka sieht das Papiertheater als Gegenpol zu den modernen Medien, bei denen es um Effekthascherei und Sensationen gehe. Im Multum in Parvo werden noch Emotionen ausgespielt. „Emotionen gehören auf die Bühne, nicht auf die Straße“, insistiert der Theatermann.

Im Wittelsbacher Land ist er bereits auf Resonanz gestoßen: Das Multum in Parvo ist aus Mering nicht mehr wegzudenken. „Wir haben den Eindruck, dass das Papiertheater derzeit eine Renaissance erlebt“, sagt Christine Schenk, „denn bei all der digitalen Überfrachtung ist das Kleine und Einfache auf einmal etwas ganz Großes und Besonderes.“ Und ihre Gäste geben den Theaterleuten recht. „Von dem Theaterstück haben wir noch Wochen gezehrt“ oder „Ihre Figuren haben meine eigene Fantasie beflügelt“ zitiert Schenk Briefe ihrer begeisterten Besucher.

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