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Mering

08.05.2018

Ein Schritt in Richtung Städtepartnerschaft

Professor Guy Katz referierte in Mering über die Chancen in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Israel.
Bild: Eva Weizenegger

Professor Guy Katz schildert, wie die deutsch-isralische Beziehung sich auf geschäftliche Verhandlungen auswirken kann. Gemeinsame Begegnungen bauen Vorurteile ab.

Einen nächsten Schritt gehen will die Arbeitsgemeinschaft Städtefreundschaft Mering-Karmiel. Das Ziel ist eine Partnerschaft zwischen der Marktgemeinde und der Stadt Karmiel in Israel. Hierfür gilt es, noch einige Hürden zu überwinden. Dass die Ehrenamtlichen um Initiatoren Günter und Annemarie Wurm damit nicht alleine sind, zeigte sich bei dem wirtschaftswissenschaftlichen Fachvortrag „Deutschland-Israel 2.0 - the next Step“ mit Professor Guy Katz aus München.

Der 32-jährige Volks- und Betriebswirt, geboren in Haifa, lebte als Achtjähriger mit seinen Eltern vier Jahre in München, bevor er wieder nach Israel zurückkehrte. Mit 22 Jahren studierte er an der Ludwig Maximilian Universität in München Volks- und Betriebswirtschaft. Er promovierte und war später für einen großen Versicherungskonzern tätig. Seit 2013 ist er Professor an der Fachhochschule für Ökonomie und Management (FOM) in München und Augsburg tätig. Katz kennt beide Kulturen, die deutsche und die israelische. „Und ich kann Ihnen versichern, auf beiden Seiten gibt es Vorbehalte, aber auch viele positive Einstellungen gegenüber dem anderen.“ In seiner Disserationsarbeit erforschte er unter anderem, wie groß der Einfluss der vorbelasteten Beziehung zwischen Deutschland und Israel auf geschäftliche Verhandlungen ist und welche Herausforderungen in einer deutsch-israelischen Verhandlung für beide Seiten entstehen.

Katz stellte zunächst klar, dass es auf beiden Seiten ein „diffuses, nicht messbares Gefühl gebe“. Dieses sei meist vor dem Erstkontakt mit dem Geschäftspartner vorhanden. „Es ist schwer in Worte zu fassen“, sagte Katz und schilderte von seinen Interviews, die er mit 28 Managern führender Unternehmen in Israel und Deutschland führte. Zum einen schwebe die deutsch-jüdische Geschichte „wie ein Damoklesschwert“ auch über den Wirtschaftsbeziehungen. Meistens werde dieses Kapitel der Geschichte von beiden Seiten aber ausgeklammert und gar nicht angesprochen. Ein weiterer Aspekt seien die unterschiedlichen Mentalitäten. Israelis erlebten deutsche Manager eher als geradlinig, verantwortungsbewusst aber auch unentschlossen. Deutsche Unternehmer ihre israelischen Geschäftspartner dagegen als direkt, emotional, aufgeschlossen aber auch etwas chaotisch.

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Israel verfüge, so Katz, über eine hohe „Gründerkultur“. Nur in Nordamerika werden mehr neue Unternehmen gegründet als in Israel. 3856 Start-ups jährlich gebe es in Israel. Er begründet dies damit, dass in dem kleinen Land mit etwa 7,9 Millionen Menschen nur wenig Bodenschätze vorhanden seien. „Deshalb ist Bildung unser wichtigstes Handelsgut“, so Katz. Erfindungen wie die erste Handytechnologie von Motorola in Haifa, die Technik via Internet zu Telefonieren (Voice over IP) oder auch der USB-Stick stammen aus Israel. Auch Mering könne von dieser Gründermentalität profitieren. „Zum einen gibt es in Israel viele Firmen, die Kontakte nach Deutschland suchen“, erklärte Katz. Andererseits sei gerade diese Gründerkultur aus Israel in Europa immer mehr notwendig. Und zwar nicht erst im Studium.

Für die Entwicklung der Städtefreundschaft zwischen Mering und Karmiel gab er einen Tipp mit auf den Weg: „Dort, wo Menschen sich begegnen, fallen schnell die Vorbehalte weg.“ Deshalb seien Schüleraustausche, gegenseitige Treffen von Vertretern der Gemeinde und unterschiedlicher Gruppen seien ein erster Schritt aufeinander zu.

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