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Friedberger Schloss

16.06.2019

Ein Wochenende im Zeichen der Gitarre

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Das Weimar Guitar Quartet nildete den Höhepunkt der Abendkonzerte (von links): Stephanie Jones, Karmen Stendler, Hannah Link und Jakob Schmidt.
Bild: Manuela Rieger

Nachwuchstalente und hochrangige Interpreten bespielen drei Tage lang das Wittelsbacher Schloss in Friedberg.

Die Stadt hat vier Tage ein bedeutendes Event rund um die akustische Gitarre erlebt, das sich über einen enormen Publikumszuspruch freute. Stefan Schmidt, Leiter des ersten Friedbergers Festivals „Focus Gitarre“, freute sich schon am Eröffnungsabend über das zahlreiche Publikum. Die einzigartige Programmkonzeption aus Konzerten, Workshopangeboten, sowie einer fast durchgehend bespielten Bühne, lockte viele junge Besucher und Lehrer in den Kultursaal des Schlosses. Und was geboten, wurde war toll.

Insgesamt zählte das Programm zehn Künstler aus verschiedenen Ländern. Dazu kamen noch die einzelnen Schüler, die im Vorprogramm der Abendkonzerte ihr Können zeigten und ein gut besuchtes Kinderkonzert. In diesem spukte der Schlossgeist und fand einen Freund mit Gitarre. Initiiert von den Brüdern Julian (Erzähler) und Jakob (Gitarre) Schmidt, das Molina Guitar Duo spielte und Erkan Ersin rockte die Bühne mit seiner E-Gitarre. Danach durften die Kinder Gitarren ausprobieren.

Ein begeistertes Publikum applaudierte beim Eröffnungskonzert dem Molina Guitar Duo, das sich an Fragmente von Alexandre Tansman wagte, Claude Debussy interpretierte, musikalisch nach Italien und Spanien reiste. Dazwischen noch Bekanntes von den Beatles zu Gehör brachte.

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Der Höhepunkt des Festivals waren zwei Junge Interpretinnen, die als Newcomer angekündigt waren. Hochrangige Gitarristen und Juroren gaben sich am Freitagnachmittag ein Stelldichein um Leonora Spangenberger (16) und Nadja Jankovic (18) zu hören. Spangenberger spielt J. S. Bach mit einer Leidenschaft und hervorragender Technik, die staunen lässt. Und japanische Bilder, ein abstraktes Musikstück der Komponistin Jana Obrovská forderte selbst den Zuhörer.

Nadja Jankovic, aus Montenegro angereist, spielte Niccolò Paganini, leider nach jedem Satz durch Applaus vom Publikum unterbrochen. Augustin Barrios Mangoré und Joaquin Rodrigo folgten mit einer Intensität handwerklicher Sicherheit die Bravorufe hören ließ. Und als Spangenberger und Jankovic zusammen eine Zugabe spielten, zollte das Publikum lange lautstarken Applaus.

Das Duo Karuna reiste um die halbe Welt: Jessica Kaiser mit ihrer Gitarre und Johanna Ruppert mit der Violine. Kaiser und Ruppert verstanden es immer wieder, den musikalischen Funken mit viel Temperament und engagiertem Spiel die Zuhörer überspringen zu lassen. Egal ob „Vocalise en forme de Habanera“ von Maurice Ravel oder „Romanian Folk Dances“ von Béla Bartók. Große Virtuosität zeigte sich bei Astor Piazolla mit Auszügen aus L’Histoire du Tango.

Mit Elisabethanischen Tänzen begann das Abschlusskonzert. Das Weimar Guitar Quartet zog das Publikum sofort in Bann. Fanni Hensel und Clara Schumann standen auf dem Programm, aber auch Zeitgenössisches. Das vielleicht denkwürdigste Werk war die Six Fish-Suite von Nigel Westlake, Bilder der Fische wurden gezeigt unter schimmernden blauem Licht, die Bilder spiegelten sich in der Musik wider. Glänzende Arpeggios wurden zu musikalischen Metaphern für die Bewegung von Fischen durch den Ozean, die sich in der Strömung treiben ließen, bevor sie mit einem Schwanzschlag die Richtung ändern.

Spangled Emperor wurde von sanften Blasen getragen, Leafy Sea Dragon wurde zu einem klagenden Walruf. Und der fliegende Fisch im letzten Stück sprang mit prahlerischer Tapferkeit aus dem Wasser und glitt über die Wellen, während die Musik zu einem Crescendo wurde. Langer Applaus.

Als Abschluss eine wunderbare Mischung aus rhythmischem Einfallsreichtum und überzeugender Virtuosität in Sergio Assads Uarekena. Bei der erfolgreichen Entwicklung von Fokus Gitarre und der großen Publikumsresonanz bleibt zu wünschen, dass eine Fortführung in zwei Jahren keine Utopie bleibt.

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