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Wirtschaft

27.11.2017

Ein bestrickendes Geschäftsmodell

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3 Bilder
Thomas Kerscher an seinem Lieblingsstück: einer alten Stickmaschine aus dem Jahr 1950.
Bild: Sabine Roth

Thomas Kerscher verziert Kleidung und Vereinsartikel. Mit dem Schauspieler Hansi Kraus hat der Meringer sogar eine eigene Kollektion entwickelt.

Das kleine Geschäft von Thomas Kerscher in der Meringer Rosengasse ist schwer zu finden – und eine echte Entdeckung. Textildesign Waldrian bedruckt Textilien oder veredelt sie mit Stickereien. Vereine, Schulen, Musikkapellen, Firmen, aber auch Privatleute decken sich hier ein. Inzwischen gibt es sogar drei Modemarken: Waldrian (maßgeschneiderte Mode made in Bavaria), Wildrian (veredelte Fairwear- oder Biomode für die junge Generation) und Fantishirt (Ökotex-100-Bekleidung für Babys und Kinder). Der Schwerpunkt liegt auf naturnahen Materialien. „Aus feiner Hand“, lautet das Firmenmotto. Hinter all dem steckt Thomas Kerscher.

Seit 28 Jahren lebt der gebürtige Pfälzer nun schon in seinem Lieblingsort Mering. Seine Lebensgefährtin ist waschechte Berlinerin, der 54-Jährige hat zwei erwachsene Söhne. „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal im Textilbereich landen werde“, sagt der gelernte Bankkaufmann. Eigentlich hatte er nur einen Ausgleich zu seiner Tätigkeit als selbstständiger Honorarberater gesucht. Seit über 15 Jahren berät er Privat- und Geschäftskunden, die Probleme mit ihrer Bank haben.

Weil er aber auch gerne im Wald spazieren geht, wollte er seine Eindrücke den Menschen in Blogbeiträgen weitergeben. Dazu rief er ein Online-Magazin namens „Waldliebhaber.de“ (heute Waldfit.de) ins Leben. Daraus entstand der Name für die Marke „Waldrian“.

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Vor einigen Jahren fing Kerscher an, Filz und Loden zu besticken. Dazu kaufte er sich eine professionelle Stickmaschine. Dann fügte sich das eine zum anderen. „Die Kindermodemarke Fantishirt aus Berlin wurde mir plötzlich zum Kauf angeboten“, so Kerscher. „Dann hatten wir Kisten mit Kleidung, Zubehör und Maschinen, aber keinen Laden und kein Lager dazu.“ Also sah sich der Meringer um und entdeckte die jetzigen Firmenräume neben Optik Spengler. Das war vor zwei Jahren. Seither findet man hier unter anderem T-Shirts, Vereinskleidung, Kleidung für Teamsport, Jacken für das Firmenoutfit, Arbeitskleidung sowie Vereinsartikel wie Tassen und Bierkrüge. Zudem stehen hier Maschinen zum Besticken und Drucken der Motive, unter anderem ein moderner Stickautomat und ein altes Schmuckstück einer Adler-Stickmaschine aus dem Jahr 1950, die Kerscher aus dem Nachlass einer Schneiderin erworben hat.

Unterstützt wird Kerscher er von seiner Mitarbeiterin Nina. Sie zeichnet die Motive selbst und stickt bzw. druckt sie dann auf die Stoffe. Selbst die hohen Anforderungen an das Sticken von Familienwappen schreckten den Textileinsteiger nicht ab. Besonders stolz ist Kerscher auf das von ihm exklusiv für den Shop des Textilmuseums Augsburg gestickte Fuggerwappen.

Großaufträge wickelt der Tausendsassa jedoch nicht ab, denn: „Wir möchten keine Massenprodukte, Qualität und Individualität stehen bei uns im Vordergrund.“, Er ist zufrieden: „Die Nachfrage von Firmen und Vereine nach individueller Bestickung bzw. Bedruckung steigt immer mehr. Deshalb weiten wir dieses Angebot aus.“

Es gibt aber noch andere Ansätze. Besonders innig ist Kerschers Kontakt zu Promis wie dem Schauspieler Hansi Kraus, der dieses Jahr der Publikumsmagnet auf der Kissinger Gewerbeschau war. Die beiden Männer unterstützen den Gnadenhof Chiemgau und haben sich dort kennengelernt. Denn Kerscher chauffiert regelmäßig Promis aus München zu Veranstaltungen des Gnadenhofs. Seit einer solchen Fahrt sind er und Kraus Freunde. Dann kam die Idee auf, gemeinsam eine Kollektion zu entwerfen. Inzwischen ist Hansi Kraus auf T-Shirts, Laptoptaschen, Caps, Bierkrügen, Tassen und Bierdeckeln zu finden.

Kerscher arbeitet zudem eng mit dem Förderverein des Textilmuseums Augsburg zusammen und lässt dort den Jeansstoff für die Laptoptaschen der Hansi-Kraus-Kollektion an einem alten Webstuhl fertigen. Die Bierkrüge sind im Stil von 1870, der Zeit von Ludwig Thoma, gehalten. Sie werden in Behinderten-Werkstätte Ursberg hergestellt.

Kerschers Erlebnisse mit Promis haben aber noch ein anderes Ergebnis: Unter WaldrianTV findet man im Internet seine zahlreichen Interviews mit interessanten Persönlichkeiten.

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