Newsticker

Corona-Neuinfektionen in Deutschland auf höchstem Stand seit April
  1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Ein grauer Riese soll Temposünder in Friedberg stoppen

Friedberg/Königsbrunn

18.06.2020

Ein grauer Riese soll Temposünder in Friedberg stoppen

Eine Woche lang stand das neue Messgerät in Königsbrunn. Jetzt zieht es nach Friedberg um.
Bild: Adrian Bauer

Plus Die Verkehrsüberwachung Schwaben-Mitte testet ein neues Gerät zur Tempokontrolle. Nach Königsbrunn kommt es auch in Friedberg zum Einsatz.

Am Rand von Königsbrunner Straßen steht ein graues Ungetüm, das teure Fotos für Temposünder schießt: Die Verkehrsüberwachung Schwaben-Mitte testet dort eine teil-stationäre Blitzeranlage. Erster Einsatzort ist Königsbrunn, danach kommt die 1,3 Tonnen schwere Anlage auch noch in Friedberg, Leipheim, Günzburg und Krumbach zum Testeinsatz. Wie der Apparat arbeitet.

Neue Messanlage ist in Friedberg eine Woche lang im Einsatz

„Die Messanlage wird in diesen Tagen aufgebaut und ist etwa eine Woche in Friedberg im Einsatz“, kündigt der städtische Pressesprecher Frank Büschel an. Der Standort, den die Stadt in Absprache mit der Polizei festgelegt hat, wird vorab nicht bekannt gegeben. Auch wenn es sich um einen Testbetrieb für dieses Modell im Vorfeld der Anschaffung durch das Kommunalunternehmen handelt, weist die Stadt darauf hin, dass die Geschwindigkeitsmessung „scharf gestellt“ ist und Verstöße geahndet werden.

Temposünder aufgepasst: Die Verkehrsüberwachung Schwaben Mitte testet ein neues Gerät zur Geschwindigkeitsüberwachung.
Bild: Ralf Lienert (Symbol)

Der Effekt der deutlich sichtbaren Anlage zeigt sich beim Test am Rand der Bürgermeister-Wohlfarth-Straße im Königsbrunner Zentrum: Die meisten Autofahrer treten frühzeitig auf die Bremse und bleiben klar unter dem erlaubten Tempo von 30 Stundenkilometern. Erwischt wird in der halben Stunde Ortstermin nur ein einziger Autofahrer.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Neue Radarfalle in Friedberg: An erster Stelle steht die Verkehrssicherheit

Die Einnahmen interessieren die Verantwortlichen der Stadt und des Kommunalunternehmens, dem in Schwaben 34 Kommunen angehören, aber nur an zweiter Stelle, hinter der Verkehrssicherheit: „Als gemeinsames Kommunalunternehmen sind wir nicht profitorientiert, sondern wollen nur kostendeckend arbeiten“, sagt Petra Haupeltshofer, die kaufmännische und organisatorische Leiterin des Unternehmens. Daher stellen die Mitarbeiter den Blitzer auch immer gut sichtbar und ohne Tarnversuche auf.

Die gemietete Anlage bietet der Verkehrsüberwachung einige Vorteile. Der Akku hält bis zu sieben Tage im 24-Stunden-Betrieb durch, sodass der Anhänger einfach stehen bleiben kann. Die Messtechniker müssen das Gerät nur zu seinem Standort bringen, einschalten und können dann anderweitig eingesetzt werden. Die Räder des Anhängers verschwinden unter der Abdeckung, die Deichsel wird eingeklappt. So kann das 1,3 Tonnen schwere Kontrollwerkzeug kaum bewegt werden. Und falls es doch jemand versucht, ist das Gerät mit verschiedenen Alarmsystemen ausgerüstet. Nach der Testphase entscheiden die Vertreter der Mitgliedskommunen, ob sie ein eigenes Gerät anschaffen. Der Preis dafür liegt bei 200.000 Euro.

In Bayern hat sich in den vergangenen Jahren einiges an der Gesetzgebung geändert. Teilstationäre Anlagen sind erst seit 2018 zugelassen. Und seit diesem Jahr erlaubt eine Gesetzesänderung auch stationäre Messgeräte, wie zum Beispiel die sogenannten „Starenkästen“. Für diese Anlagen gelten allerdings hohe Hürden, sagt Josef Marko: „Beispielsweise müssten bei vorherigen Messungen zehn Prozent der Autofahrer zu schnell unterwegs gewesen sein.“ Die Entscheidung liege auch hier bei der Politik.

Durch die Verschärfung der Strafen für Verkehrssünder fallen mehr Fahrverbote an.
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Die Auswirkungen einer solchen Entscheidung spürt derzeit auch die Verkehrsüberwachung Schwaben-Mitte: Durch die Verschärfung der Strafen für Verkehrssünder fallen derzeit viel mehr Fahrverbote an, sagt Petra Haupeltshofer: „Im Mai ist die Zahl der Fahrverbote in unserem Gebiet um das Zehnfache angestiegen.“ Ob dies ein nachhaltiger Trend sei oder nur eine kurzfristige Erscheinung durch die Umstellung lasse sich jetzt noch nicht beantworten. Seit Anfang Mai droht bei einer Überschreitung des Tempolimits um 21 Stundenkilometer innerorts ein Monat Fahrverbot.

Eine durchaus überraschende Auswirkung hatte die Corona-Pandemie auf die Messergebnisse: Obwohl im April deutlich weniger Autos unterwegs waren, blieb die Zahl der Verstöße so hoch wie vorher. „Woran das liegt, ist Spekulation: Vielleicht haben die leeren Straßen manche zum schnellen Fahren verleitet“, sagt Petra Haupeltshofer. 1662 Verstöße wurden im April gezählt, 1648 waren es im Mai. Allerdings wurde im April nur 200 Stunden kontrolliert, im Mai 291. Ab dem 23. März hatte die Verkehrsüberwachung die Arbeit kurzfristig eingestellt und erst ab dem 4. April langsam wieder hochgefahren. Parksünder werden erst seit dem 27. April wieder kontrolliert.

Verkehr in Friedberg: 2019 wurden 51.000 Fahrzeuge kontrolliert

2019 wurden im Stadtgebiet Friedberg einschließlich der Ortsteile rund 51.000 Fahrzeuge kontrolliert. In 3100 Fällen gab es eine Verwarnung, etwa zwei Drittel davon mit Geschwindigkeitsüberschreitung zw. sechs und zehn Stundenkilometer. Drei Autofahrer hatten zwischen 31 und 40 km/h zu viel auf dem Tacho.

Lesen Sie auch:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.


Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren