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ReligionSerie (Teil 11)

10.02.2020

Eine Kapelle als Protest gegen eine Deponie

Die Kreuzbergkapelle bei Haslangkreit (Markt Kühbach) wurde aus Protest gegen einen möglichen Mülldeponiestandort erbaut. Archivfoto: Wolfgang Sellmeier

In 2000 Arbeitsstunden entstand Anfang der 1990er Jahre die Kreuzbergkapelle bei Haslangkreit /

„Rettet die Bienen“ oder „Fridays for Future“ – in Volksbegehren und globalen Bewegungen setzen sich Menschen für Heimat und Natur ein. Aus den gleichen Beweggründen machten im Landkreis Aichach-Friedberg vor 40 Jahren wache und engagierte Bürger von sich reden.

Es waren die wilden 80er- und 90er-Müll-Jahre“, als die Politiker in einem Mülltauschvertrag für die Müllverbrennungsanlage in Augsburg die Restedeponien im Landkreis Aichach-Friedberg planten. Schließlich kamen vier Standorte in die engere Wahl: Hofhegnenberg Nord (Gemeinde Steindorf), Stockensau West (Markt Kühbach), das Roßmoos bei Inchenhofen und Mandlach in der Gemeinde Pöttmes. Überall formierte sich massiver Widerstand. Bei Inchenhofen bauten Bürger in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai 1992 eine Protestkapelle. Beim Mandlachsee wurde ein Hüttendorf errichtet, das am 21. Juli 1993 von Männern vom Kreisbauhof mit Bagger und Kettensägen geschleift wurde.

200 Polizisten waren gegen neun Widerständler im Einsatz. Ein Gedenkstein erinnert daran. In der Gemeinde Kühbach wurde die Aktionsgemeinschaft „Trinkwasserschutz Kühbach“ gegründet. Auch die Kinder der Kühbacher Volksschule wurden aktiv. Sie stellten mit Lehrer Gerold Sedlatschek 21 Kreuze mit Fürbitten auf dem geplanten Deponiegelände auf. So haben die „Kreizl-Kinder“ der späteren Kreuzbergkapelle ihren Namen gegeben. Bewohner aus der näheren Umgebung Kühbachs setzten ein Zeichen zur Abwehr der Gefahren einer Schlackendeponie und zum Schutz ihrer Heimat und errichteten einen Bildstock mit der Schmerzhaften Muttergottes. Schon am 10. Juli 1992 wurde er geweiht.

Eine Kapelle als Protest gegen eine Deponie

Am 12. September wurde mit dem Bau einer offiziell genehmigten Kapelle begonnen, in welcher der Bildstock zur Apsis wurde. Bewohner von Haslangkreit, Stockensau, Paar, Winden und auch einige Kühbacher leisteten 1920 Arbeitsstunden und halfen auch mit Spenden. Der damalige Pfarrherr Adolf Nießner weihte während eines Gottesdienstes am 30. Januar 1994 die Glocke und die Kapelle. Die Glocke hatten die Feuerwehren und die Jagdgenossenschaften von Haslangkreit und Stockensau und die Stockschützen Haslangkreit gestiftet. Das Altarbild mit den heiligen Georg und Magnus in dem ehemaligen Bildstock malte Rosemarie Rössig. Die Skulptur der Schmerzhaften Muttergottes befindet sich nun an der Seitenwand. Fünf Linden wurden gepflanzt.

Zum 20-jährigen Bestehen der Kapelle machten sich am 14. Mai 2014 die Bewohner aus Haslangkreit, Paar, Stockensau, Radersdorf und Kühbach auf den Weg zur Kreuzbergkapelle. Pfarrer Paul Mahl und sechs Ministranten gingen dem Bittgang voraus. Der Himmel war regenverhangen. Das Wetter war genauso stürmisch wie die Müll-Proteste damals in den 90er Jahren. So wie sich beim Gottesdienst beim Eintreffen der Gläubigen an der Kreuzbergkapelle das Wetter aufhellte und sich ein Regenbogen zeigte, konnte der Bau der Reststoffdeponie verhindert werden. Seit dieser Zeit werden in der Kapelle auch Maiandachten mit Bläsern und Ministranten begangen. Gabriele und Hubert Raab

Über die Kapellen der Region berichten wir in einer Serie in loser Folge.

„Kapellen im Wittelsbacher Land“, Wißner-Verlag, 190 Seiten, viele Fotografien. Das Buch ist im Verlag vergriffen. Es sind jedoch Exemplare im Landratsamt vorrätig (Kontakt: katharina.martin@lra-aic-fdb.de) sowie teilweise auch im örtlichen Buchhandel.

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