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LebensLäufe

09.11.2012

Eine musikalische Reise in die Geschichte Chinas

Chong Liao trug am Flügel eines der berühmtesten Werke ihres Großvaters Qing Zhu vor.
Bild: Schuberth

Die Enkelin von Qing Zhu berichtet aus dem bewegten Leben ihres Großvaters. „Zwischen vier Frauen und zwei Kulturen“

Friedberg Es ist das Schicksal vieler Künstler, erst nach ihrem Tod anerkannt zu werden. So erging es auch dem 1893 geborenen Shang Guo Liao. Zu Lebzeiten wollte niemand in China seine westlich geprägte Musik hören, mittlerweile werden seine Werke dort als nationales Kulturgut angesehen. Seine in Derching lebende Enkelin Chong Liao und ihr Ehemann Adolf Mayer erzählten am Dienstagabend in der Remise des Friedberger Schlosses eineinhalb Stunden aus seinem Leben.

Vor drei Jahren veröffentlichte die gebürtige Chinesin Chong Liao ein Buch über den 1959 verstorbenen Musiker mit dem Titel „Der deutsche Chinese“. In China ist er besser bekannt unter seinem Künstlernamen Qing Zhu, den er sich im Zuge der Kommunistenverfolgung 1927 zulegen musste. Shang Guo kam im Alter von 18 Jahren nach Deutschland, um Militärwesen zu studieren. Da ihm das die deutschen Behörden aber verweigerten, entschied er sich stattdessen für ein Jura-Studium. Schnell bemerkte er, dass das Studium in Europa um einiges lockerer angegangen wurde als in seiner Heimat. Folglich war er statt in den Rechtsvorlesungen lieber bei Philosophie, Geschichte, Kunst und Musik anwesend.

Bei einem Besuch der Berliner Philharmonie entdeckte Shang Guo das Geigenspiel für sich. Er nahm Unterricht bei der Studentin Irmi, die er später heiratete. Als die 1922 schwanger wurde, ging ihr chinesischer Mann zurück nach China. Die Gründe dafür sind nicht genau bekannt.

Zurück in der Heimat hatte der junge Mann Probleme, sich wieder in die chinesische Kultur einzufinden. Auf Drängen seines Vaters heiratete er seine Cousine, denn er traute sich nicht, von seiner Heirat mit Irmi zu erzählen. Als seine chinesische Frau während der Geburt des ersten Kindes starb, musste Shang Guo ein drittes Mal heiraten –er brauchte einen Stammhalter.

1926 kamen Irmi und die mittlerweile vierjährige Tochter Yüki Leonore nach China und lebten bei Shang Guos Eltern, die nichts von der in Deutschland geschlossenen Ehe wussten. Ein Jahr später ging Shang Guo mit Irmi und Yüki nach Shanghai. Dort musste er untertauchen und konnte sich dadurch ganz der Musik widmen. Unter dem Name Qing Zhu veröffentlichte er westliche Klaviermusik, die im damaligen China aber nicht viel Anklang fand.

1931 lernte er Shang Gui, seine vierte Frau kennen, die Großmutter der vortragenden Chong Liao. Seinen Lebensabend verbrachte er mit dem Besuch von Gärten, in denen er den Fischen Gedichte vorsang oder unter den Pagoden Geige spielte. Er verstarb im Alter von 66 Jahren. „Mein Großvater ist nicht besonders alt geworden. Doch immerhin musste er die Kulturrevolution nicht mehr miterleben“, berichtete Chong Liao.

Mittlerweile ist Qing Zhu in China berühmt. 2008 wurde in seiner Heimat Huizhuo ein Denkmal für ihn errichtet. Seine Musik ist weltbekannt. „Überall, wo Chinesen leben, werden die Lieder meines Opas gespielt“, so Chong Liao. Auch das Wittelsbacher Schloss zählt jetzt dazu. Denn zum Abschluss trug Liao noch eines der bekanntesten Werke des deutschen Chinesen, „Der große Strom fließt gegen Osten“, auf dem Klavier vor.

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