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Kissing/Friedberg

19.01.2021

Eisunfall am Weitmannsee: So ist die Lage der Seen in Aichach-Friedberg

Auf dem Kissinger Weitmannsee sind zwei Personen durch das Eis gebrochen. Zwei Tage später traut sich niemand mehr auf das Eis. Es sind zusätzliche Verbotsschilder angebracht.
Foto: Sebastian Richly

Plus Warum begeben sich Leute auf dem Eis in Gefahr? Menschen, die Weitmannsee und Friedberger See kennen, berichten nach dem Drama vom Samstag von den Tücken.

Der Wind pfeift über den schneebedeckten Weitmannsee bei Kissing. Wasservögel landen auf der Südseite, wo der See nicht zugefroren ist. Keine Fußabdrücke auf dem Neuschnee über dem See - nur ein paar Spaziergänger, die ihre Runden um das Gewässer drehen. Vor wenigen Tagen sah das noch anders aus - dutzende Menschen tummelten sich am Samstag auf dem Weitmannsee. Auch zwei Tage später lädt der eisige Wind, der die Temperaturen gefühlt unter den Gefrierpunkt treibt, zu einem Spaziergang über den See ein. Auf diese Idee kommt aber niemand. Zu präsent sind die Bilder vom Wochenende, als ein Ehepaar durch die Eisdecke brach.

Am Samstag brachen auf dem Kissinger Weitmansee zwei Personen durchs Eis.
Video: Sebastian Richly

Die Menschen halten Abstand zum See, zeigen immer wieder auf die freien Stellen in der Schneedecke. "Ich glaube, hier sind sie eingebrochen", heißt es öfter. Auch wenn die meisten Spaziergänger am Samstag nicht vor Ort waren, haben sie mitbekommen, was am Weitmannsee los war.

Der Rettungshubschrauber war im Einsatz, um ein Ehepaar, das ins Eis am Weitmannsee bei Kissing eingebrochen war, zu versorgen.
Foto: Peter Holthaus

Unverständnis nach Eisunfall am Kissinger Weitmannsee

Das eingebrochene Paar konnte gerettet werden. Darüber freuen sich auch die Passanten zwei Tage später. Dennoch machen die Geschehnisse viele nachdenklich. "Da läuft es mir kalt den Rücken runter. Das ist einfach unverantwortlich. Immer wieder wird gewarnt und trotzdem gehen so viele Leute auf's Eis", meint ein Derchinger, der mit seiner Frau zum Spazieren gekommen ist. Dabei stehen am Weitmannsee Schilder, die das Betreten der Eisfläche verbieten.

Am Samstag störte sich daran kaum jemand. Als der Rettungseinsatz längst in vollem Gang war, musste die Feuerwehr Kissing immer noch Personen vom Eis schicken. Die Einsatzkräfte wurden laut eigener Aussage auch noch beschimpft.

Das und die Tatsache, dass derart viele Menschen auf dem Weitmannsee unterwegs waren, löst nicht nur bei den Spaziergängern Unverständnis aus, sondern auch im Internet. "Kein Verständnis. Jeder normaler Mensch weiß, dass der See noch nicht durchgefroren ist. Ich würde meine Kinder nicht rauf lassen", schreibt ein Facebook-Nutzer. Ein anderer meint: "Es ist einfach noch viel zu warm. Noch dazu war der See gesperrt."

Im Kissinger Weitmannsee sind zwei Personen durch das Eis gebrochen. Zwei Tage später traut sich niemand mehr auf das Eis. Das ist auch am Friedberger See der Fall. Im Kissinger Weitmannsee sind zwei Personen durch das Eis gebrochen. Zwei Tage später traut sich niemand mehr auf das Eis. Das ist auch am Friedberger See der Fall.
29 Bilder
Bildergalerie: Nach dem Eisunfall - so sieht es an den heimischen Seen aus.
Foto: Sebastian Richly

Weitmannsee: Gemeinde stellt zusätzliche Warnschilder auf

Dass es dennoch zu dem Unfall kam, ärgert Elisabeth Burkhard vom Erholungsgebieteverein Augsburg, dem der Weitmannsee gehört. "Ich weiß gar nicht, was schlimmer ist. Der Unfall oder das Verhalten der Menschen danach. Es ist eine Entwicklung, die immer schlimmer wird." Burkhard ist zwei Tage später an den See gekommen, um sich ein Bild zu machen. "Ich habe natürlich von dem Unfall gehört, aber ich verstehe es nicht. Überall stehen Warnschilder. Was sollen wir denn noch alles machen?"

Im Kissinger Weitmannsee sind zwei Personen durch das Eis gebrochen. Zwei Tage später traut sich niemand mehr auf das Eis.
Foto: Sebastian Richly

Damit nicht genug, Burkhard berichtet, dass auch am Sonntag bereits wieder Spaziergänger auf dem See unterwegs waren: "Ohne Worte. An der Nordseite geht es flach rein. Da würde man im Zweifelsfall nur bis zu den Knien im Wasser stehen, aber wer geht denn mitten auf einen See? Zumal bekannt ist, dass der Weitmannse durch die vielen Quellen besonders gefährlich ist. Wir stellen die Warnschilder ja nicht umsonst auf."

Apropos Warnschilder: Um einen derartigen Unfall künftig zu vermeiden, hat die Gemeinde Kissing zusätzliche Hinweis-Schilder aufgestellt.

Eingefroren: Rund 100 Personen auf Friedberger See unterwegs

Der Wind pfeift am Montagnachmittag auch über den Friedberger See. Das rot-weiße Absperrband flattert im Wind und der Warnhinweis, den See aufgrund von Lebensgefahr nicht zu betreten, tanzt hin und her. Auch der Friedberger See liegt ruhig - auf die Eisdecke wagt sich niemand.

Das war am Wochenende ebenfalls anders. Rund 100 Menschen betraten die Eisfläche laut Jürgen Koppold, der den Kiosk auf der Nordseite des Sees betreibt: "Die waren allerdings vernünftig und haben sich am Ufer aufgehalten, wo das Wasser nicht sehr tief ist. Über den See spazieren habe ich niemanden gesehen."

Auch am Friedberger See gibt es Warnschilder.
Foto: Sebastian Richly

Auch Koppold hat mitbekommen, was in Kissing passiert ist: "Ein paar kalte Tage reichen in der Regel nicht. Es muss wirklich kalt sein. Ein gutes Zeichen ist, wenn der See vereist ist und kein Schnee zu sehen ist. Wer sich nicht sicher ist, kann auch bei uns am Kiosk nachfragen, wir kennen uns ganz gut mit dem Eis hier aus." Wer genauer hinsieht, erkennt, dass sich am Friedberger See an vielen Stellen in Ufernähe bereits Löcher in der Eisdecke gebildet haben. In den kommenden Tagen wird das Eis weiter zurückgehen.

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