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Mering

15.02.2020

Eklat: Eltern vom Trägerwechsel am Meringer Hort überrumpelt

Momentan sind die Kinder im Hort noch in Containern am Schulgebäude untergebracht.

Plus Mering kündigt der AWO für den Hort an der Ambérieu-Schule, weil sie im Neubau mit einem kirchlichen Träger starten will. Das hat Folgen für Eltern.

Der Markt Mering baut an der Ambérieustraße ein neues Gebäude für Hort und verlängerte Mittagsbetreuung. Dieses Projekt stellte Bürgermeister Hans-Dieter Kandler stolz bei der Bürgerversammlung vor. Doch bei den Eltern der momentan noch in Containern am Schulgebäude untergebrachten Einrichtung gehen die Wogen hoch. Denn mit dem Neubau ist ein Trägerwechsel verbunden, der alles andere als reibungslos über die Bühne geht.

Hintergrund ist, dass die Kommune für den Hortneubau ein Grundstück von der katholischen Kirche erworben hat. Wie Kandler nun erläuterte, war es eine Bedingung für das Grundstücksgeschäft, dass die Kommune von der SPD-nahen AWO zu einem kirchlichen Träger wechselt. Die katholische Jugendfürsorge (KJF) ist auch bereits in die Konzeption des Neubaus eingebunden.

Im Zuge dessen hat der Markt Mering nun der AWO zum Juli 2021 die Verträge für Hort sowie die verlängerte Mittagsbetreuung gekündigt. Im Gegenzug hat nun die AWO beschlossen mit der Mittagsbetreuung, bei der sie vertraglich nur bis Schuljahresende gebunden ist, schon zum 31. Juli dieses Jahres aufzuhören. Die entsprechenden Kündigungen der Betreuungsverträge gingen an die Eltern heraus. Wie sich in der Bürgerversammlung offenbarte, ist in der Kommunikation einiges schief gelaufen.

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Meringer Eltern kritisieren Informationspolitik der Gemeinde

Als erstes meldete sich dazu Anja Brosche zu Wort, deren Sohn die Einrichtung besucht und die auch Mitglied im Elternbeirat ist. „Sie haben schon vor eineinhalb Jahren erfahren, dass Sie den Träger wechseln. Wann hätten Sie gedacht, uns Eltern davon zu informieren?“, kritisierte sie den Bürgermeister.

Sie wies darauf hin, dass die Eltern der verlängerten Mittagsbetreuung – 40 Kinder sind hier betroffen – damit derzeit ohne Ferienbetreuung für den Sommer da stehen. Die Verunsicherung auch bei den Eltern der Hortkinder sei groß. „Wir ärgern uns sehr über die Informationspolitik der Gemeinde!“, sagte sie.

Bürgermeister Hans-Dieter Kandler zeigte Verständnis für den Unmut der Eltern. Die Kommune habe wegen der Kündigungsfrist jetzt handeln müssen. Danach hätte er sich vorgestellt, mit der AWO über eine Übergangslösung zu sprechen. „Dass die AWO die Mittagsbetreuung zum 31.7. beendet, damit haben wir nicht gerechnet, das hat uns überrascht“, gab er zu. Er sprach auch davon, dass die AWO nun der Kommune den schwarzen Peter zuschiebe.

Kandler: AWO schiebt der Gemeinde den schwarzen Peter zu

Außerdem bestritt er, dass diese nichts von dem anstehenden Trägerwechsel gewusst habe. Er sei sich sicher, dass er es im Gespräch mit Vertretern der AWO einmal erwähnt habe. „Ich habe nur den Fehler gemacht, dass ich das nicht schriftlich dokumentiert habe“, sagte er. Es sei nun eine schwierige Situation. Er sei aber bereits in Gesprächen mit der KJF als neuem Träger und hoffe, dass diese nahtlos bei der Mittagsbetreuung einspringt. Anja Brosche nahm dem Bürgermeister das Versprechen ab, dass die Eltern künftig in den Informationsfluss mit eingebunden werden.

Auch der Vater eines betroffenen Kindes meldete sich zu Wort und sprach ein weiteres Ärgernis der Eltern an. „Müssen sich die Eltern bei dem neuen Träger neu bewerben? Wir haben ja eigentlich einen Betreuungsplatz“. Genau so sei es, bestätigte Kandler, der auf die Anmeldeplattform Littlebird verwies. Einer der anwesende Mütter platzte daraufhin erst richtig der Kragen: „Das ist ja wohl der Oberhammer“, rief sie. „Wir als arbeitende Eltern sind wieder die gelackmeierten“. Sie wies den Bürgermeister daraufhin, dass der Kommune die Einnahmen aus der Einkommenssteuer, die er zuvor erwähnt hatte, ja auch höchst willkommen seien. Dafür seien die Eltern aber auf ihre Betreuungsplätze angewiesen. Sie nahm außerdem den bisherigen Träger in Schutz: „Freilich reagiert die AWO so, weil Sie nicht mit offenen Karten gespielt haben!“.

AWO: keinerlei Gespräche vor der schriftlichen Kündigung

Auf Nachfrage unserer Zeitung erläutert die AWO ihre Vorgehensweise. Silke Scherer, Vorstand für Kinder- und Jugendhilfe der AWO Schwaben, erklärte, dass es darum geht, das Personal an den Träger zu binden. Dieses werde nun in anderen Einrichtungen untergebracht.

Das Kündigungsschreiben der Marktgemeinde sei am 2. Januar bei ihr im Briefkasten gelandet. Im Vorfeld habe es keinerlei Gespräche gegeben. Hat das auf Seiten der AWO zu Groll geführt? „Das haben wir im direkten Gespräch persönlich besprochen und mehr möchte ich nicht dazu sagen“, erklärt Silke Scherer. Vergangene Woche habe sie gemeinsam mit der Hortleitung den Bürgermeister aufgesucht und ihn vom weiteren Vorgehen der AWO informiert.

Die Entscheidung des Marktes Mering müsse man akzeptieren. Die Kündigung sei korrekt und fristgerecht erfolgt. Nun hoffe sie zum einen, dass für die Eltern eine gute Lösung gefunden werde und zum anderen, dass weiterhin eine gute Zusammenarbeit von AWO und Kommune am zweiten Hortstandort, der „alten Burg“, stattfindet.

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