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Mering

20.01.2020

Else Börngen ist die Letzte der Meringer Lechner-Dynastie

Else Börngen ist eine echte Meringerin und hat in den fast 100 Jahren ihres Lebens viel erlebt.
Foto: Heike John

Plus Else Börngen stammt aus der bekannten Familie, die in Mering ein Textilhaus betrieb. Die 99-Jährige hatte damit nie viel am Hut – aber ein bewegtes Leben.

Mering Eigensinnig sei sie gewesen, geprägt von einem enormen Freiheitsdrang, so beschreibt sich Elisabeth Börngen, wenn sie sich an ihre Jugendjahre erinnert. Wenn sie von ihren Vorlieben erzählt oder alte Geschichten zum Besten gibt, zum Beispiel wie sie mit ihrer ungestümen Art die Klosterschwestern im Institut der englischen Fräulein in Augsburg zur Verzweiflung brachte, leuchten ihre rehbraunen Augen auf. Die fast Hundertjährige kann sich bis heute auf ihren wachen Geist verlassen, nimmt Anteil an Welt- und Lokalgeschehen und bewältigt ihren täglichen Einkaufsweg ohne Gehhilfe.

Die zierliche Dame ist eine geborene Lechner und stammt aus dem Textilhaus in der Herzog-Wilhelm-Straße, das über 150 Jahre lang das Meringer Geschäftsleben mit prägte. In dem Laden, den ihr Großvater Johann Lechner, ein Handelsmann aus Hofhegnenberg, 1847 als Krämerei erwarb, zog es sie nie. Ihre zwei Jahre ältere Schwester Brunhilde trat stattdessen nach der Schulzeit in das Traditionsgeschäft ein, übernahm es später von der Mutter und führte es bis 2003 weiter. Elisabeth selbst war es in Mering schnell zu eng. Froh war sie, als sie nach sechs Jahren im Internat bei den Maria-Ward-Schwestern mit 17 endlich die Schule beenden konnte. „Die Klosterschwestern haben stets versucht, mich zu einem braven und sittsamen Mädel zu machen, wie es sich zu dieser Zeit gebührte, aber ich schlitterte lieber die langen Gänge hinunter“, erinnert sie sich. „Sie ist ein Mädel wie ein Rädel und ein schlimmer Wedel“, dichteten die Schwestern einmal über sie. Darüber kann die betagte Dame noch heute schmunzeln.

Elisabeth Börngen aus Mering: Telefondienst im Krieg

1937 meldete sie sich zum Arbeitsdienst und kam daraufhin nach Thüringen. „Die schwere körperliche Arbeit bei den Bauern auf den Feldern war meine schönste Zeit, denn ich habe immer die Gemeinschaft geliebt“, schwärmt sie. Hausarbeit war ihr jedoch zeitlebens verhasst. Dank ihrer guten Englischkenntnisse wurde Elisabeth Börngen im Krieg für den Telefondienst eingeteilt und es verschlug sie zu den Funkhelferinnen nach Brüssel. Dort stürzte sie beim Sonnenbaden durch ein Glasdach und musste einige Monate gelähmt im Gips verbringen. Die Zeit im Lazarett war kein Zuckerschlecken für die agile junge Frau. Als wäre es erst gestern gewesen, erzählt sie aber auch mit einem Augenzwinkern davon, denn den Soldaten war der Anblick der attraktiven Frau nicht unangenehm.

Zu dieser Zeit hatte die Meringerin aber das Herz eines schmucken Jagdfliegers aus Thüringen erobert. Ernst Börngen war auf der Kriegsakademie Fürstenfeldbruck – und auf dem dortigen Volksfest hatte es zwischen den beiden gefunkt. Auch nach so vielen Jahrzehnten kann die 99-Jährige detailliert von der ersten Begegnung berichten und gerät dabei ins Schwärmen.

Bei allem, was sie erzählt, hat sie exakte Jahreszahlen parat, auch wenn sie manchmal kurz überlegt. Im Mai 1939 verlor ihr Ehemann seinen rechten Arm bei einem Flugzeugabsturz. 1941 starb der Vater. Schlechte Nachrichten kamen auch von der Ostfront, da dort der Verlobte ihrer Schwester Brunhilde fiel. Zuletzt wurde Augsburg völlig ausgebombt. In diesem Chaos kam Sissi, Elisabeths Tochter, zur Welt und Ernst Börngen kehrte nach Mering zurück. Im Januar 1943 wurde geheiratet und die beiden wohnten zunächst einmal im Elternhaus in der Herzog-Wilhelm-Straße.

Ernst Börngen war Direktor der Meringer Schlossbrauerei

Bei der Suche nach einem eigenen Grundstück war Bürgermeister Wagner behilflich. Er war überzeugt, einen Ritterkreuzträger wie Ernst Börngen müsse man unbedingt im Ort halten. Und so erhielt das Paar in Erbpacht einen Baugrund auf dem ehemaligen Lehmgrubengelände der Töpferei Lipp in der Meringerzeller Straße. Hier wohnt Elisabeth Börngen noch heute. Unterstützung bekam der kriegsversehrte Ehemann auch bei seiner weiteren Berufswahl. Als Major hätte er eigentlich nicht studieren dürfen, aber Pfarrer Rupert Dischl setzte sich beim Bischof für ihn ein und Börngen erwarb das Kaufmannsdiplom. Später arbeitet er viele Jahre als Direktor der Meringer Schlossbrauerei. Das Ehepaar hatte ein gutes Auskommen.

„Meine Tante und mein Onkel, das war für mich immer die reiche Verwandtschaft, von der ich auch eine goldene Uhr zur Erstkommunion bekam“, erinnert sich der Neffe Hans-Georg Wiesmayer. Er kümmert sich auch heute noch um seine Tante, die seit mehr als 30 Jahren Witwe ist. Seine Mutter, Brunhilde Wiesmayer starb 2009. „Tante Else ist die letzte Lechner und was sie aus ihrem Leben erzählt, notiere ich mir umgehend. Es ist ein reicher Erfahrungsschatz, der sonst irgendwann unwiederbringlich verloren wäre“, sagt Wiesmayer.

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