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Bildungspolitik

09.10.2011

Eltern kämpfen für neuen Schultyp

Initiative setzt sich für Gemeinschaftsschule in Odelzhausen ein. Bürgermeister Konrad Brandmair hält davon gar nichts. Keine Nachahmer im Landkreis Aichach-Friedberg

Odelzhausen/Aichach-Friedberg Odelzhausens Bürgermeister Konrad Brandmair ist strikt dagegen, eine Gruppe von Eltern dagegen ist hellauf begeistert. Die Rede ist von einer Gemeinschaftsschule für Odelzhausen (Landkreis Dachau). Die Eltern machen seit Anfang des Jahres für ihre Vision mobil. Derzeit läuft eine Machbarkeitsstudie, die klären soll, ob die Grund- und Mittelschule Odelzhausen die Voraussetzungen für eine Gemeinschaftsschule erfüllt. Im Landkreis Aichach-Friedberg ist dieser Schultyp offenbar weit weniger begehrt.

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Wie Schulrat Manfred Zwerenz vom Staatlichen Schulamt in Aichach mitteilte, gibt es im Wittelsbacher Land bisher keine Bestrebungen von Eltern für eine Gemeinschaftsschule (siehe Info). Die Aussichten auf Erfolg wären momentan auch alles andere als gut. Erst diese Woche hat Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) abermals betont, dass seine Partei am dreigliedrigen Schulsystem festhält (wir berichteten). Und das Schulamt sei laut Zwerenz schließlich eine Behörde, die die Vorgaben der Politik umzusetzen habe.

Das weiß zwar auch die Initiative der etwa 40 Eltern in Odelzhausen, sie setzt aber darauf, dass die Politik nicht auf Dauer am Bürger vorbeiregiert. Die Eltern stört vor allem, dass die Kinder im Schulverband Odelzhausen, Sulzemoos und Pfaffenhofen an der Glonn bis zu einer Stunde fahren müssen, um eine weiterführende Schule in Dachau oder Markt Indersdorf zu besuchen. Zudem seien die Kinder bei den Fahrten oft eingepfercht wie bei einem Viehtransport, bemängelt Bärbel Riedel, eine der Sprecherinnen der Initiative. Überdies ist den Eltern der enorme Übertrittsstress der vierten Klassen ein Dorn im Auge.

Eltern kämpfen für neuen Schultyp

Die Gemeinschaftsschule bildet nach Ansicht der Eltern ein gelungenes Gegenmodell. Die Kinder können von der ersten bis zur zehnten Klasse an der Schule bleiben und müssen frühestens in die Oberstufe eines Gymnasiums wechseln, wenn sie Abitur machen wollen. Die bayerische SPD macht sich bei Bildungsdialogen im ganzen Freistaat für diese Schulform stark. Der Vorsitzende des Bildungsausschusses im Bayerischen Landtag, Martin Güll, kommt aus Markt Indersdorf. Der SPD-Politiker hat die Eltern für die Gemeinschaftsschule begeistert.

Bürgermeister Brandmair befürchtet, dass sich Güll auf Kosten Odelzhausens profilieren will. „Unsere Gemeinde ist das Versuchskaninchen“, wettert Brandmair (CSU). Er sagt, die weiterführenden Schulen seien schon „1000 Jahre“ so weit weg von Odelzhausen. Der Druck auf die Schüler komme ganz allein von den Eltern, die alle wollten, dass ihre Kinder auf höhere Schulen gehen. Die Gemeinschaftsschulen würden für ein noch viel größeres Schulsterben sorgen, weil sie die Kinder von anderen Schulen abzögen, so Brandmair.

Güll schießt seinerseits gegen Brandmair: „Ich wundere mich, dass der Bürgermeister nicht alles tut, um den Standort seiner Schule aufzuwerten.“ Güll gesteht aber auch ein, dass die Elterninitiative einen langen Atem braucht. Nur ein Regierungswechsel oder extremer Druck der Kommunen könnten die Schulpolitik in Bayern verändern. Trotzdem: Die Gemeinden des Schulverbands haben der Machbarkeitsstudie mit überwältigender Mehrheit zugestimmt. Sie soll Mitte November vorliegen.

Erst im Sommer hatten Vertreter des Kultusministeriums in Odelzhausen vergeblich versucht, die Eltern von den Vorzügen der neuen Mittelschule zu überzeugen. Diese ermöglicht im Verbund mit anderen Schulen – Odelzhausen kooperiert mit Dachau und Bergkirchen – die mittlere Reife. „Dieses Modell muss sich jetzt erst einmal bewähren. Wir können nicht jedes Jahr eine Umgliederung des Schulsystems vornehmen“, findet Manfred Zwerenz. Und fügt hinzu: Im Kreis Aichach-Friedberg sind die Fahrtwege kürzer als im Kreis Dachau.

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