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Mering

08.07.2020

Er ist der neue Hüter des alten Wissens aus Mering

Dieter Bordon ist der neue Archivar der Marktgemeinde Mering.
Bild: Edigna Menhard

Plus Dieter Bordon leitet nun das Archiv der Marktgemeinde. Wissbegierig verbringt er viel Zeit zwischen Akten und findet dort immer wieder verborgene Schätze.

Meringer, die einen Blick in die Vergangenheit werfen möchten, müssen zunächst mal eine steile, schmale Betontreppe hinaufsteigen: Das Gemeindearchiv, das etwas versteckt im ersten Stock der Bauhoffahrzeughalle liegt, gibt einen Einblick in teils vergessenes Wissen. Wie zum Beispiel über den letzten Fährmann von Mering, der zu einer Zeit, als es in der Gegend noch keine Brücken gab, Menschen über den Lech brachte. Dieter Bordon weiß, wo der alte Zeitungsartikel abgelegt ist, der über diesen vergangenen Beruf berichtet. Der 78-Jährige hat Anfang des Jahres die ehrenamtliche Leitung des Archivs übernommen. Unterstützt wird er von Heidemarie Ziegler.

Über Vereinsarbeit kam Dieter Bordon zum Archiv

Nach dem Tod von Helmut Rischert suchte die Gemeinde einen Nachfolger für diesen Posten. Als Dieter Bordon das mitbekam, meldete er sich zur Mitarbeit an, denn er hatte im Archiv – tief versunken – schon viel Zeit verbracht. Seine Leidenschaft für das Forschen in alten Akten begann durch seine Vereinsarbeit. Der technische Beamte, der bis zu seiner Pensionierung vor 20 Jahren bei der Luftwaffe arbeitete, engagierte sich in der Vorstandschaft der KK-Schützen, Veteranen- und Soldaten-Kameradschaft und der Merchinger Fischergilde. Als er für die Schützen 1972 eine Chronik schrieb und im Verein nur wenige Informationen vorfand, begann er mit seinen Recherchen –, bevor die lebenden Zeitzeugen verstarben.

„Man muss ja Grundlagen haben, wie lange der Verein besteht, wer ihn gegründet hat und so weiter“, erzählt er. Und es war ihm wichtig, dieses Wissen festzuhalten: „Denn wenn jetzt keiner das aufschreibt, ist das alles verloren.“ Je mehr Dokumente er im Archiv einsah, desto neugieriger wurde er und verstand die Zusammenhänge besser. „Man stößt auf ein Thema, ein Bild, eine Person oder ein Zeitungsinserat und dann will man wissen, wann war das, zu welchem Anlass entstand das Bild und wie hießen die Personen etc. Man forscht weiter. Das ist wie eine Kettenreaktion.“

Er ist der neue Hüter des alten Wissens aus Mering

Den neuen Archivar in Mering faszinieren viele Themen

Mittlerweile hat er die verschiedensten Chroniken fertiggestellt, doch ihn faszinieren viele Themen: die Geschichte Merings, die Bewohner, die ihre Spuren hinterlassen haben. Er sei immer wieder überrascht, wenn er etwas finde, was er schon lange gesucht habe, ist gefesselt von Lebensgeschichten. Dann gräbt er weiter und tiefer – wie ein Archäologe für Schriftstücke. Sind die Dokumente in der Sütterlin-schrift, einer alten Schreibschrift, verfasst, wird es allerdings oft schwierig: „Die habe ich zwar noch selbst gelernt, aber wenn einer eine Klaue hat, hat man keine Chance, das zu entziffern.“ Oft stößt er zudem noch auf Wörter, die heute nicht mehr im Sprachgebrauch üblich sind. Da helfen ihm dann Heimatforscher wie Franz Knittel, Hans Weber oder im Pfarrarchiv Renatus Scheglmann weiter.

Dieter Bordons Unterstützung bekommen wiederum alle Menschen, die im Archiv recherchieren möchten. Das kann man jederzeit, muss nur vorher unter der Telefonnummer 08233/92932 oder 0157/52798281 oder per E-Mail diel.bordon@gmail.com einen Termin ausmachen. Dieses Angebot haben in den vergangenen Monaten viele genutzt, weil sie Beiträge für das Heimatbuch, das zur Tausendjahrfeier der Meringer Gemeinde erscheinen wird, recherchiert und geschrieben haben.

Jeder kann sich an den Archivar in Mering wenden

Außerdem kommen Anfragen von der Luftbildstelle. Die machen Kampfmittel-Vorerkundigungen und checken für die Unterlagen bei neuen Baugebieten oder Häuserneubauten, ob dort im 2. Weltkrieg Bomben abgeworfen wurden oder sich dort Munitionsdepots und militärische Anlagen befanden. Auch durchstöbern ab und zu Studenten die Akten für ihre Doktorarbeiten.

Der Archivar hilft allen, Unterlagen zu finden, schaut in Listen und Stichwortverzeichnissen, wo weitere Infos versteckt sind. Im Moment ist das noch etwas umständlich. „Mein Ziel ist, eine digitale Findliste anzulegen mit Querverweisen, damit man schneller Informationen, auch in Sammlungen verschiedener Autoren findet“, erklärt er.

Dieter Bordon ist der neue Archivar der Marktgemeinde Mering.
Bild: Edigna Menhard

Die Arbeit wird ihm nicht so schnell ausgehen. Derzeit sind er und Mitarbeiterin Heidemarie Ziegler dabei, Privatsammlungen, neue Unterlagen von Autoren und der Marktgemeinde Mering, einzuordnen. Auch Festschriften und Chroniken von Vereinen plus Bilder werden gewissenhaft archiviert. Dieter Bordon hofft auch, dass er sämtliche Manuskripte, die für das Heimatbuch geschrieben wurden, einsammeln kann – und zwar in voller Länge. Denn die teilweise über 40 Seiten umfangreichen Berichte mussten teilweise radikal gekürzt werden, damit sie in der Gemeindechronik veröffentlicht werden können.

Er selbst hat dafür auch einen Beitrag über das Kriegerdenkmal am Rathaus beigesteuert – und viele Stunden dafür im Archiv recherchiert. Nun schreibt er bereits wieder an weiteren Chroniken über die Böllerschützen und das Bestattungswesen in Mering. „Oft vergisst man die Zeit dabei“, sagt er. Doch das ist es wert. Vielleicht gefällt ihm deshalb der Spruch, den er sich an die Wand gehängt hat, so gut: „Lerne aus der Vergangenheit, benütze es in der Gegenwart für die Zukunft.“

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