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Ortsgeschichte in Mering

09.01.2019

Er war einer der ersten Sternsinger von Mering

Die ersten Heiligen Drei König in Mering, das waren die Ministranten (von links) Leo Kratzer, Helmut Dilger, Ewald Strobl, Franz Schiele und Franz Heim.
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Die ersten Heiligen Drei König in Mering, das waren die Ministranten (von links) Leo Kratzer, Helmut Dilger, Ewald Strobl, Franz Schiele und Franz Heim.
Bild: Eva Weizenegger

Franz Heim erinnert sich an die Anfänge, als vor über 75 Jahren die Heiligen Drei Könige durch die Marktgemeinde zogen. Der damalige Pfarrer Rupert Dischl setzte ein Zeichen gegen den Nationalsozialismus.

Auf seiner Haustür in der Goethestraße in Mering steht in großen Kreidebuchstaben C+M+B dazu die aktuelle Jahreszahl 2019. „Da schau ich schon drauf, dass das jedes Jahr da steht“, sagt Franz Heim. Der Besuch der Sternsinger ist für ihn etwas ganz Wichtiges, denn er selbst weiß aus Erfahrung, wie es ist, als einer der Heiligen Drei Könige durch Mering zu ziehen. „Ich gehörte mit einigen anderen Meringer Burschen zu den ersten der Pfarrei, die als Sternsinger unterwegs waren“, erinnert sich der 87-Jährige.

1941 war es, als der damalige Ortspfarrer Rupert Dischl „seine“ Ministranten als Sternsinger aussandte. „Das war damals ein mutiger Schritt“, erzählt Heim. Denn den Nationalsozialisten waren die Aktivitäten der katholischen Kirche ein Dorn im Auge. „Da hat sich aber der Pfarrer Dischl nicht darum gschert“, sagt Heim. Kostüme, wie sie die heutigen Sternsinger tragen, gab es damals natürlich noch keine. „Wir zogen unsere Messgewänder an und die Kronen haben die Meringer Klosterfrauen für uns gemacht“, erinnert sich Heim.

Pfarrer Dischl schickt 1941 seine Ministranten los

Die Meringer selbst haben sich gefreut über diese neue Aktion. Denn bis 1941 gab es diesen Brauch in Mering nicht, weiß Franz Heim. „Der Pfarrer musste der Gemeinde erst einmal erklären, was wir da überhaupt machen.“ Dennoch wurden den Burschen die Türen geöffnet.

Seit dem Tod seiner Frau vor einigen Jahren lebt der rüstige Rentner alleine in seinem Haus in der Goethestraße. Alles ist blitzblank geputzt und gerade ist er dabei, die Weihnachtskrippe wieder feinsäuberlich in die Schachteln zurückzupacken. „Früher habe ich gemeinsam mit meiner Frau dekoriert, jetzt mach ich das ganz allein, doch die Krippe muss sein“, sagt er.

Und genauso wie er an dieser Tradition festhält, so ist es für ihn besonders wichtig, dass auch ja die Heiligen Drei Könige bei ihm vorbeischauen. „Ich habe immer eine Spende für sie und natürlich auch Süßigkeiten“, sagt Heim. Denn diese süßen Überraschungen waren auch, auf die die Burschen in der schlechten Zeit des Zweiten Weltkrieges besonders scharf waren. „Natürlich haben wir schon um Geld für die Armen gebeten, doch noch wichtiger waren uns die Plätzchen und Lebkuchen“, erzählt Heim, der viele Jahre auch Oberministrant unter Pfarrer Dischl war. Nach einigen Jahren waren die Sternsinger so gut eingespielt, dass sie sehr genau wussten, wo es das beste Gebäck gab.

Ein altes Foto zeigt Merings erste Sternsinger vor dem Kirchbogen

Damals war er als Zehnjähriger zusammen mit Leo Kratzer, der das kleine Glockengeläut, das Gold darstellen sollte, trug und Helmut Dilger, er war für das Weihrauchfass zuständig, unterwegs. Ewald Strobl fungierte als Sternträger, Franz Schiele hatte ein Kripperl dabei. Heim selbst war für das Weihrauchschifferl verantwortlich. Ein altes Foto zeigt das Quintett vor dem Kirchenbogen. Dieses entstand 1942, der Fotograf war ein Neffe des Pfarrers, der gerade in Mering zu Besuch war. Im Jahr darauf stießen Christian Haag, Alfons Schwarz, Alois Fauser, Jakob Sausenthaler (alle drei sind bereits gestorben) sowie Hans Falkner zu den Sternsingern. Als er 1945 bei der MAN in Augsburg dann zur Lehre ging, war für Franz Heim die Zeit als Sternsinger vorbei. Doch auch nach über 75 Jahren kann er sich noch gut daran erinnern und weiß: „Ich war der letzte König und mein Spruch lautete: ...ich mach den Letzten von uns drei, ich glaub, ich habe aber nicht das Richtige dabei.“ Denn sein König brachte dem Jesuskind Myrrhe und das war nichts, was die Menschen in den beginnenden Notzeiten von 1941 wirklich brauchten.

Heute laufen bis zu sechs Gruppen an fünf Tagen durch die Marktgemeinde und besuchen die Bürger. 1941 war es nur das kleine Häufchen Ministranten, das im damals etwa 4000 Einwohner großen Ort unterwegs war. „Mei, der Pfarrer Dischl hat halt gesagt, dass wir das machen sollen und da haben wir Buben schon gefolgt“, sagt Heim und lacht, als er an seine Zeit als Sternsinger zurückdenkt.

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