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Aichach-Friedberg

13.04.2020

Erdaushub: Was früher wertvoll war, ist heute teurer Abfall

Erdaushub muss auf schädliche Substanzen überprüft werden. Die Kommunen im Landkreis Aichach-Friedberg gehen mit dieser Aufgabe unterschiedlich um.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbol)

Plus Friedberg muss für Lagerung und Beseitigung tief in die Tasche greifen. Auch in den anderen Kommunen im Landkreis ist man über die Kosten nicht begeistert.

In Friedberg ist der Erdaushub für kommunale Bauvorhaben ein Ärgernis. Denn deshalb kommen immense Kosten auf die Stadt zu, die sie nicht einkalkuliert hatte. Das Problem ist die Zwischenlagerung des Erdaushubs. Wie ist die Lage? Hier ein Überblick.

Das Problem: Der Erdaushub könne schädliche Substanzen wie Quecksilber oder Erdöl enthalten, wie das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) mitteilt. Wenn dem so ist, müsse der Aushub in verschließbaren und überdachten Hallen zwischengelagert werden, bis dessen Unbedenklichkeit feststeht.

Friedberg hat das Projekt gestoppt

Der Grund: Es soll ein Auswaschen von Schadstoffen verhindern. Soweit eine Regelung, die bereits seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts besteht. Die Kosten für den auf etwa 20 Millionen Euro taxierten Neubau des Bauhofs stiegen so um 4,6 Millionen. Angesichts der Corona-Krise wurde das Projekt inzwischen gestoppt. Hier laufen, bis die Lage klar ist, nur noch Planungen.

Doch nicht nur in Friedberg ist der Erdaushub ein Thema. Im gesamten Landkreis sind die Kommunen betroffen. In Mering ist Bürgermeister Hans-Dieter Kandler über die geänderten Regelungen zum Erdaushub erbost: „Das hat uns die Regierung eingebrockt. Für uns sind das nur zusätzliche Kosten.“

Merings Bürgermeister äußert Zweifel

Dass mit der gesetzlichen Regelung die Umwelt geschont wird, bezweifelt er: „Wenn der Aushub dann kontaminiert ist, wird er mit dem Lastwagen wegtransportiert, manchmal über 100 Kilometer weit.“ Dies sei dann ebenfalls umweltschädlich. Zudem hätten sich die Zeiten und damit der Blick auf die Erde geändert: „Früher war der Erdaushub wertvolle Erde, nun soll es Abfall sein?“

Es ist gar nicht so leicht, einen Lagerplatz für den Aushub zu finden. Und teuer ist das obendrein.
Bild: Eva Sedelmaier (Symbol)

Ein besonders großer Dorn im Auge ist Merings Bürgermeister die Änderung an sich: „Da haben sich Leute beim LfU zusammengesetzt, die nur ihr Fach sehen und die Sache einseitig beleuchten.“ Die Regierung habe den Vorschlag dann einfach übernommen, ohne an die Konsequenzen zu denken. „Da kann auch das Landratsamt nichts mehr machen“, sagt Kandler. „Es ist frustrierend.“

Mit möglichen Lösungen hat sich Kandler derweil bereits beschäftigt. „Wir haben schon überlegt, ob wir eine Fläche kaufen sollen, die für den Bauaushub vorgesehen wäre.“ Dies sei jedoch in Verbindung mit den zu errichtenden Hallen ein teures Unterfangen. Deshalb lassen die meisten Kommunen den Grund prüfen, auf dem sie bauen wollen.

Wie Dasing mit dem Problem umgeht

So auch in Dasing. Das dortige Bauamt besorgt sich im Vorfeld der Baumaßnahmen Gutachten, um einschätzen zu können, wie der Boden beschaffen ist. „Ist der Boden unbelastet, haben wir Glück“, sagt Bauamtsleiter Karl Gamperl. Das sei bislang immer der Fall gewesen. Sei der Boden jedoch kontaminiert, müsse man abwägen, ob das Projekt nicht woanders realisiert werden könne.

Beim Bau des neuen Rathauses steht eine Beurteilung noch aus. „Wir hoffen, dass es wie bisher keine Problemen gibt“, sagt Gamperl.

Merching setzt auf ein Vorab-Gutachten

Auch die Böden in Merching werden begutachtet. „Beim Bau des Feuerwehrhauses haben wir den Boden untersuchen lassen, da kam nichts Belastendes heraus“, sagt Rainer Fieber. Der Geschäftsleiter des Amtes für Planen und Bauen hat sich über besondere Konzepte unterdessen noch keine Gedanken gemacht. „Wir werden auch in Zukunft Gutachten erstellen lassen und schauen, ob sich ein Bau lohnen würde.“

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