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Asyl in Friedberg

12.12.2016

Erstmals ein Integrationskurs nur für Frauen

Integrationskurs für Frauen: Rino Garofalo unterrichtet (von links) Hasnie Mirzai, Maria, Salamata Wath und Shiraz Kassab.
Bild: Ute Krogull

Bislang gab es in Friedberg keinen professionellen Deutschunterricht für Flüchtlinge. Im kommenden Jahr werden noch andere Neuerungen in der Asylarbeit anstehen

 Heute geht es ums Wohnen. „Dort ist die Küche, hier ist das Kinderzimmer“, lernen die zwölf Frauen, von denen die wenigsten in einer Wohnung leben. Fast alle sind Asylbewerberinnen aus Syrien und Afghanistan. Sie besuchen den ersten professionellen Integrationskurs, der in Friedberg angeboten wird. Und der ist nur für Frauen. Warum? Geplant sei das so nicht gewesen, sagt die Asylbeauftragte Ulrike Proeller, habe aber Vorteile. Bislang fand sich kein Träger, der in Friedberg professionelle Integrationskurse anboten. Die Flüchtlinge fuhren nach Augsburg. Kein Problem – außer für Mütter, die sich um ihre Kinder kümmern müssen.

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Und so war für den Kurs, den die Volkshochschule nun abhält, die Nachfrage groß, zumal parallel Betreuung für Kleinkinder angeboten wird. Als klar wurde, dass ein reiner Frauenkurs entsteht, entschloss man sich, nur dreimal in der Woche vormittags Unterricht abzuhalten. Die Frauen, die sich auch um ihre Familie kümmern müssen, sollten nicht überfordert werden. Wie läuft es nun mit dem Lernen?

„Abends, wenn die Kinder schlafen, mache ich Hausaufgaben“, erzählt eine von ihnen. „Meine Kinder gehen zur Schule. Sie helfen mir“, berichtet eine andere. Deutsch sei nicht so schwer, sagt eine Syrerin, die gut Englisch spricht. Nur die Grammatik sei kompliziert... Der Kursleiter ist Rino Garofalo, ein Italiener, der in allen möglichen Sprachen mit seinen Schülerinnen kommuniziert – und von ihnen nebenbei ein bisschen Arabisch lernt. Die Stimmung ist gut, der Lernerfolg auch. „Schwierig wird es nur, wenn ich Menschen unterrichte, die noch nie eine Schule besucht haben“, sagt Garofalo.

Erstmals ein Integrationskurs nur für Frauen

Die Unterschiede im Bildungsniveau von Asylbewerbern sind groß. Darauf werde man in Zukunft verstärkt eingehen, so Proeller. Professionellen Unterricht bekommen in der Regel nur diejenigen, die einen Aufenthaltsstatus bzw. Chancen haben, länger bleiben zur dürfen. Andere, die aus einem sicheren Herkunftsland kommen, erhalten nur Unterricht von Ehrenamtlichen. Gibt es bislang in Friedberg mehre Deutschkurse von Ehrenamtlichen, werden diese wohl weniger werden, weil die Flüchtlingszahlen sinken. Der Trend geht laut Proeller daher zu Einzelsprachunterricht und Patenschaften, zum Beispiel bei Wohnungssuche und Eingliederung ins Alltagsleben. Um den Menschen die Stadt nahezubringen, findet 2017 außerdem eine Stadtführung auf Arabisch statt.

175 Ehrenamtliche sind in Friedberg in der Flüchtlingsarbeit engagiert, viele davon seit mehreren Jahren. „Es gibt Paten, die werden von den Kindern Oma oder Opa genannt“, weiß Proeller. Zur Koordination dieser Arbeit wurde sie 2015 in Teilzeit bei der Stadt angestellt, diesen Herbst erhielt sie Verstärkung durch eine weitere Teilzeitkraft. Denn die zweite Aufgabe der Politologin – Beratung anerkannter Asylbewerber – wächst. „Die Menschen kommen mit ihrem gesamten Briefkasteninhalt zu mir. Sie können manchmal Werbung nicht von einem amtlichen Schreiben unterscheiden.“ Die wichtigsten Themen in der Beratung seien Sprache, Arbeiten und Wohnen.

Die Job-Situation ist aufgrund der Vollbeschäftigung im Landkreis gut. Etwa ein Viertel der Flüchtlinge, die arbeiten dürfen, haben eine Stelle. Schlecht sieht es in Sachen Wohnen aus. Im Stadtgebiet leben 385 Flüchtlinge. In 22 Unterkünften wohnen 329 Personen, davon dürften 119 ausziehen, finden aber keine Wohnung. 56 sind bereits ausgezogen. Der Wohnungsmarkt sei abgegrast und viele Vermieter wollten keine Asylbewerber, hat Proeller festgestellt.

Die Stadt versucht einzuspringen. Sie hat bereits Wohnungen an Flüchtlinge vermietet. Eine neue Möglichkeit tut sich in Ottmaring auf. Dort wurde eine Unterkunft des Landratsamtes aufgelöst. In einem der Häuser könnten anerkannte Flüchtlinge einziehen, bis es in einigen Jahren abgerissen wird. Allerdings müsse erst geprüft werden, ob zum Beispiel Heizung und Elektrik noch sicher sind, so Bürgermeister Roland Eichmann. Das zweite Haus seit feucht und schimmelig. „Hier können wir niemanden mehr wohnen lassen.“

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