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21.03.2009

"Es sind kleine, aber sehr wichtige Erfolge"

Aichach Ein Lächeln huscht über das Gesicht der Seniorin, als sie auf der Memory-Karte eine Erdbeere erkennt. Ihr Gegenüber tut sich schwer, das Bild auf seiner Karte in Worte zu fassen. Die Mitspieler leiden alle an Demenz und für die Aktivierungstherapeutin Claudia Herguth ist es schon ein Riesenerfolg, dass die Senioren überhaupt bei dem Spiel mitmachen. Neun Stunden in der Woche arbeitet die 52-Jährige mit den Bewohnern im Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Aichach. Finanziert wird sie von der Humanitas Aichach.

Es ist Mittwochnachmittag und im AWO-Heim findet der wöchentliche Spielenachmittag statt. Ein Angebot, das es in dieser Form erst seit September, seit die Aktivierungstherapeutin regelmäßig ins Seniorenheim kommt, gibt. Genau wie die Walzergruppe und der musikalische Abend, die an den beiden anderen Tagen in der Woche stattfinden. Viel Einfühlungsvermögen und Kreativität braucht die Therapeutin für ihre Arbeit mit den altersverwirrten Menschen.

Denn wer glaubt, die 52-jährige könnte einfach auf gängige Spiele, die in jedem Geschäft erhältlich sind, zurückgreifen, der irrt sich. "Was ich brauche, bastel ich mir alles selber", sagt sie. Das Puzzle genauso wie die Memorykarten oder das Dominospiel. Alles ist etwas größer, als man es in Spielwarenläden üblicherweise findet. "Die Senioren müssen es gut erkennen können", erklärt die Therapeutin. Deshalb wählte sie zum Beispiel für die Puzzle auch einfache Motive aus, die sie dann in gut zu greifende Einzelteile zersägt. Bierdeckelgröße haben die Memory-Karten, auf denen vor allem Blumen und Tiere zu sehen sind. Es müssten Motive sein, die die Senioren ansprechen, bei ihnen Erinnerungen wach rufen, sagt Herguth. Deshalb wählt sie am Anfang auch immer gemeinsam mit den Spielern die Karten aus, mit denen gespielt werden soll.

Therapeutin hilft

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Am Anfang geht alles noch etwas langsam. Die 52-Jährige muss die Senioren immer wieder ermuntern, Karten zu ziehen und zu benennen, was sie darauf sehen. "Vogel" sagen die einen, "Rotkehlchen" erkennen die anderen. Beides ist in Ordnung. Manchmal fehlen auch die genauen Worte, dann hilft die Therapeutin. Versucht, mit Stichworten die Erinnerung der Senioren zu wecken.

Dass ihre Arbeit Früchte trägt, kann Herguth deutlich erkennen. Einer der Mitspieler habe am Anfang nur unzusammenhängende Worte von sich gegeben. Inzwischen würde er im Zusammenhang sprechen, freut sie sich. "Die Arbeit der Aktivierungstherapeutin ist auf jeden Fall eine Bereicherung für unser Haus", sagt Sabine Polzer, Leiterin des AWO-Heims. Am Anfang hätten die Bewohner relativ teilnahmslos dabei gesessen. Je öfter das Angebot stattfinde, umso mehr würden sie sich beteiligen. "Es sind kleine, aber sehr wichtige Erfolge."

Finanziert wird die Arbeit von Claudia Herguth von der Humanitas Aichach. Der Verein setzte die Spenden bis zum Jahr 2007 ausschließlich im Ausland für medizinische und soziale Projekte ein. Im vergangenen Jahr beschlossen die Mitglieder dann, Spendengelder künftig auch in Deutschland einzusetzen und ein Projekt für alte Menschen zu starten. Damit sollte der Isolation vorgebeugt, Lebensfreude vermittelt, Gemeinschaftssinn gefördert und Impulse für geistige Aktivitäten gegeben werden.

Für dieses Jahr sei genug Geld da, sagt Lieselotte Pfundmair-Bischoff, eine der Vorsitzenden der Humanitas. Wie es dann weitergehe, müsse man sehen. "Wenn wir mehr Geld hätten, könnten wir mehrere Sachen anpacken." Gerne würde der Verein auch etwas für Kinder und Jugendliche machen. Die Altenhilfe sei der Anfang, sagte sie.

Finanzierung als Problem

Die Finanzierung der Aktivierungstherapeutin versteht der Verein als Übergang, bis das neue Gesetz greift. Denn das Pflege-Weiterentwicklungsgesetz sieht vor, dass altersverwirrten Menschen Betreuer zur Seite gestellt werden, die Farbe in deren Leben bringen sollen. Polzer ist jedoch skeptisch, ob das so bald Realität werden wird. Die Finanzierung werde die große Schwierigkeit sein, glaubt sie. Deshalb würde sie sich freuen, wenn es noch mehr ehrenamtliche Helfer gäbe, die die Therapeutin unterstützen.

Die ist nach einer guten Stunde inzwischen am Ende des Spielenachmittags angelangt. Es geht ans Punkte zählen. Wer gewonnen hat? "Ich", sagt eine Seniorin und lacht.

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