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Vision 2025 in Mering

14.11.2018

„Es wurde eine Chance vertan“

Das Papst-Johannes-Haus wird doch nicht komplett abgerissen. Denn die große Vision 2025 fürs Meringer Zentrum ist gescheitert. Stattdessen will Merings Pfarrer nun die Sanierung voran treiben. Er ist überzeugt, dass die Pfarrei fertig ist, bevor die Gemeinde mit ihrem Rathausneubau auch nur angefangen hat.
Bild: Gönül Frey (Archiv)

Merings Pfarrer bedauert die Absage des Marktgemeinderates an seine Vision 2025. Jetzt will er zügig die Räume der Kirchengemeinde sanieren. Die Zukunft des großen Saals im Papst-Johannes-Haus ist dabei ungewiss.

Ein wenig traurig sei er schon, sagt Merings Pfarrer Thomas Schwartz über das Ende seiner Vision 2025: „Ich finde, es wurde eine Chance vertan.“ Schwartz war es, der vor gut eineinhalb Jahren das Projekt eines gemeinsamen Pfarr- und Bürgerzentrums mit Rathaus angestoßen hatte. Wie berichtet, ist der Marktgemeinderat jetzt zum Ergebnis gekommen, dass er sich das Gesamtvorhaben mit geschätzten Kosten von 25,6 Millionen Euro nicht leisten kann und nur noch den Rathausneubau mit Marktplatzgestaltung und Tiefgarage weiter verfolgt.

Doch auch ohne Vision 2025 muss für die Kirche auf dem Papst-Johannes-Areal etwas passieren. Denn schon vor gut zwei Jahren waren Mängel an Energieverbrauch, Brandschutz und Statik angemahnt worden. „Mit der Entscheidung des Gemeinderates habe ich nun zumindest Handlungssicherheit“, sagt der Pfarrer. Ursprünglich sollten über die Vision 2025 ja erst nach einem Architektenwettbewerb die Bürger abstimmen. „So kann ich viel früher mit unseren Projekten loslegen, sodass wir fertig sein werden, wenn der Markt gerade erst anfängt“, versucht Merings Kirchenoberhaupt das Positive zu sehen. Wenn die evangelische Kirche mit dem Bau ihres Gemeindehauses fertig ist, soll es auch für St. Michael los gehen. Als Baubeginn strebt der Pfarrer das Jahr 2020 an. Eine reine Sanierung der Pfarrräume komme zudem deutlich günstiger als der geplante Neubau im Rahmen der Vision 2025. Der Anteil der Kirche daran hätte rund 4 Millionen Euro betragen.

Die Kirche braucht großen Saal eigentlich nicht

Die große Frage für Mering wird nun sein, was bei der Sanierung aus dem großen Saal im Papst-Johannes-Haus wird. Denn in der Vergangenheit, hatte Schwartz schon angekündigt, dass dieser bei einem Scheitern der gemeinsamen Pläne dem Markt Mering nicht erhalten bleiben wird. Komplett abreißen werde die Kirche das Papst-Johannes-Haus sicher nicht, sagt der Pfarrer nun. Allein schon deswegen, weil bei einem kompletten Neubau die mittlerweile geltende Stellplatzsatzung zum Tragen kommt und damit deutlich mehr Parkplätze geschaffen werden müssten, als bisher vorhanden waren.

Umfangreichere Umbaumaßnahmen, die auch den großen Saal betreffen, sind jedoch denkbar. „Wir brauchen den für uns nur vier mal im Jahr für unseren Bunten Abend“, sagt Schwartz. Und die Zuschauer könnte man auch auf sechs Vorstellungen in einem etwas kleineren Raum verteilen. „Wir werden jetzt überlegen, was wir für uns noch brauchen“, sagt der Pfarrer. Am Ende entscheide ohnehin das Bistum. Und von dieser Seite waren schon deutlich Signale gekommen, dass die Räumlichkeiten der Pfarrei St. Michael überdimensioniert sind. „Das kostet auch im Unterhalt, z.B. bei den Heizkosten“, sagt Schwartz.

Pfarrer ist über Absage zur Vision 2025 nicht verbittert

Mering könnte also seinen größten öffentlichen Veranstaltungssaal verlieren. In der Vision 2025 war hierfür ein Neubau mit modernster Veranstaltungstechnik vorgesehen. „Für Merings Kulturleben und für die Vereine tut es mir leid“, sagt Schwartz. „Und das wird ja nicht besser, wenn die Schlossmühle auch noch wegfällt“, fügt er hinzu.

Und selbst wenn der Saal erhalten bliebe, würde voraussichtlich die Raummiete deutlich steigen. „Dann werden wahrscheinlich marktgerechte Preise gefordert werden müssen“, sagt Schwartz.

Er betont, dass er wegen der Entscheidung des Marktgemeinderates nicht verbittert sei. „Es ist ja nicht so, dass nichts vorwärts geht“ meint er. Es sei gut gewesen, diesen Prozess einzuleiten. „Ohne die Vision 2025 hätte es nicht einmal ein Rathaus und eine Tiefgarage gegeben“, sagt er – eine Überzeugung, die CSU- und SPD-Fraktion teilen. Ein Anliegen hätte der Pfarrer jetzt jedoch noch: Wenn der Markt Mering das Rathaus baut und den Marktplatz neu gestaltet, sollte auch die für diesen Bereich bereits geplante Innerortsgestaltung und Verkehrsberuhigung mit umgesetzt werden. Das haben auch die Grünen bereits angemahnt. Nachdem sich nun planerisch die Wege getrennt haben, gibt der Pfarrer dem Marktgemeinderat seine guten Wünsche mit – garniert mit einem kleinen Seitenhieb: „Glückauf, Gottes Segen, und viel weitere Entscheidungsfreude, damit die Teilvision 2025 nicht zu einer Mogelvision 2035 wird“.

Wie es zur Absage an die Vision 2025 kam, lesen Sie im Artikel „Vision 2025 ade – auf zum neuen Rathaus“

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