1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Fayence aus Friedberg: Schön, aber unwirtschaftlich

Friedberg

22.04.2019

Fayence aus Friedberg: Schön, aber unwirtschaftlich

Diese Dreifingervase wurde zwischen 1754 und 1758 im Friedberger Schloss gefertigt.

Einige Jahre lang bestand eine Manufaktur im Wittelsbacher Schloss. Werke von damals gibt es im Museum zu sehen.

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich in Friedberg neben der Uhrenherstellung für kurze Zeit ein weiterer prominenter Wirtschaftszweig: Kurfürst Maximilian III. Joseph von Bayern ließ 1754 im Friedberger Schloss eine Manufaktur für Fayence, also Tonware mit weiß deckender Glasur, einrichten. Einige Werke aus dieser Zeit zeigt das Museum im Wittelsbacher Schloss, das am 12. Mai mit einem Tag der offenen Tür eröffnet.

Von der Einführung von Manufakturen erhoffte sich Kurfürst Maximilian III. seinerzeit, den großen Schuldenberg abbauen zu können, den er bei Regierungsantritt übernommen hatte. Rohstoffe sollten im Inland verarbeitet und der Export von Fertigerzeugnissen gesteigert werden.

Was für Friedberg als Standort sprach

Für Friedberg als Ort für die Fayence-Manufaktur sprach, dass das bereits teilweise verfallene Schloss nicht mehr von den Wittelsbachern genutzt wurde. Außerdem gab es bis 1752 im nahe gelegenen Göggingen bereits eine fürstbischöfliche Manufaktur und damit in der Nachbarschaft verfügbares Fachwissen. So wurde auch der bereits in Göggingen tätige Keramikfachmann Joseph Hackl als Leiter der Fayencerie eingestellt.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Den Brennofen der Friedberger Schloss-Manufaktur installierte man in der Südwestecke des Erdgeschosses. Daneben wurde ein Materiallager eingerichtet. Auf der von Licht durchfluteten Südseite im ersten Obergeschoss arbeiteten die Dreher und Maler. Im Westteil befanden sich Fayence-Lager. Teilweise wurden wohl Rohware (einmal gebrannte Ware) und Model (Formen) aus der Gögginger Manufaktur verwendet. 1758 schied Hackl allerdings aus der Friedberger Fayencerie aus. Er starb 1760.

Betrieb in Friedberg warf keinen Gewinn ab

Das kurfürstliche Münz- und Bergwerkskollegium als Gründer investierte von 1754 bis 1760 insgesamt 25395 Gulden in die Manufaktur. Da der Betrieb jedoch keinen Gewinn abwarf, wurde er 1768 geschlossen. Mängel in Vermarktung und Qualitätssicherung dürften eine Rolle gespielt haben.

Doch entstehen Fayencen überhaupt? Zu Beginn muss die Tonmasse gereinigt, gewalkt und für einige Zeit gelagert werden. Dann lässt sie sich formen, indem sie auf einer Töpferscheibe gedreht oder in Negativformen, so genannte Modeln, gepresst wird. Henkel und plastische Teile „garniert“ man mittels Tonbrei an. Nachdem der geformte Ton an der Luft getrocknet ist, erfolgt der erste Brand bei etwa 800 Grad Celsius. Anschließend wird der gewonnene harte Scherben mit einer zinnoxydhaltigen Glasur überzogen.

So wurde in der Friedberger Manufaktur gearbeitet

Nach dem Antrocknen kann die Fayence mit Scharffeuerfarben wie Kobaltblau, Kupfergrün oder Antimongelb bemalt werden. Beim zweiten, etwas heißeren, Brand entwickelt sich die Glasur zu einem undurchsichtigen weißen Überzug, die Farben schmelzen in die Glasur ein. Um die Fayencen zu schützen, werden sie in „Muffeln“ genannte Schamottkapseln, gestellt, daher der Name „Muffelfarben“.

Eröffnung Das Museum im Wittelsbacher Schloss können Interessierte erstmals beim Tag der offenen Tür am 12. Mai besichtigen. Danach besteht die Möglichkeit jeweils dienstags bis sonntags zwischen 10 und 17 Uhr.

Lesen Sie dazu auch unseren Bericht Friedbergs neues Museum im Schloss nimmt Formen an

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Museum_Schloss_Friedberg_Er%c3%b6ffnung_04.jpg
Kultur

Museum: Friedbergs Uhrmacher waren in Europa bekannt

ad__pluspaket@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live, aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Plus+ Paket ansehen