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Aichach-Friedberg

16.01.2020

Fehlen den Gymnasien und Realschulen in Aichach-Friedberg Lehrer?

An den Gymnasien in Aichach-Friedberg finden 10,9 Prozent der Stunden nicht planmäßig statt, an den Realschulen sind es 12,8 Prozent. Schulleiter sehen aber keinen Lehrermangel.
Bild: Klaus-Dietmar Gabbert, dpa

Plus Jede zehnte Stunde an den Gymnasien und Realschulen in Aichach-Friedberg findet nicht wie geplant statt. Gibt es einen Lehrermangel wie an Grundschulen?

Die Zahlen sind beunruhigend: An den Gymnasien in Aichach-Friedberg findet jede zehnte Stunde nicht planmäßig statt, an den Realschulen sind es 12,8 Prozent der Stunden. Darauf weist die SPD-Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr jetzt hin und fordert mehr Lehrerstellen. Ist die Lage also ähnlich kritisch wie bei den Grund- und Mittelschulen, an denen Lehrer künftig nach dem Willen der Staatsregierung mehr arbeiten sollen? Schulleiter aus dem Landkreis sehen die Situation weniger dramatisch, als es die Statistik vermuten lässt. Der Trend ist allerdings negativ.

Friedberger Schulleiter Oberfrank: "Fallen kaum Stunden aus"

„Die meisten Vertretungsstunden entstehen bei uns nicht durch Krankheit, sondern wegen anderer Projekte“, sagt Anton Oberfrank, Schulleiter der Konradin-Realschule in Friedberg. Er nennt als Beispiele verschiedene Ausflüge, die Teilnahme am Erasmus-Programm oder Fortbildungen von Lehrern. „Letztlich sehe ich diese Dinge als Basis für ein lebendiges Schulleben. Das ist mit den Eltern auch so abgesprochen“, teilt Oberfrank mit. Er findet die Formulierung, jede zehnte Stunde finde „nicht planmäßig“ statt, ohnehin unglücklich. „Jede Schule hat ein Vertretungskonzept. Erste Optionen darin sind bei uns, dass ein anderer Lehrer gleichen Fachs einspringt oder die Stunde mit einer anderen getauscht wird“, berichtet er. Die Zahl der ersatzlos gestrichenen Unterrichtsstunden sei sehr gering, so Oberfrank.

Er sieht die Realschulen aktuell gut mit Lehrern ausgestattet und sagt: „Nicht jeder bekommt überhaupt eine Stelle.“ Es sei zwar wünschenswert, die Klassengrößen zu reduzieren, um noch besser auf einzelne Schüler eingehen zu können. Dies seien im Vergleich zu den Engpässen an Grundschulen allerdings „Luxusprobleme“. Eine Erhöhung der vorgeschriebenen Lehrerkapazität hält Oberfrank für begrüßenswert, aber nicht zwingend notwendig. „Vor allem muss es die Lehrer ja auch geben“, meint er. Was das angeht, herrsche noch kein Mangel, allerdings drohe sich das zu ändern: „Man muss wieder für den Beruf des Realschullehrers werben, Die Studentenzahlen gehen zurück.“

Fehlen den Gymnasien und Realschulen in Aichach-Friedberg Lehrer?

Am Friedberger Gymnasium heißt Vertretung nicht Filme schauen

Ute Multrus leitet das Friedberger Gymnasium. Ihre Schule bewege sich unter dem Durchschnitt von zehn Prozent an Stunden, die nicht planmäßig stattfinden. „Zudem besetzen wir die Vertretungen entweder mit Fachlehrern oder Lehrern, die in der Klasse ohnehin unterrichten und dann sozusagen eine Zusatzstunde bekommen“, sagt sie. „Dass die Schüler nicht begeistert darüber sind, dass Vertretung nicht mehr Film schauen bedeutet, steht auf einem anderen Blatt Papier.“

Was ihr allerdings doch Sorge bereitet, ist die sinkende Zahl an Referendaren. „Sie hat sich bayernweit halbiert und auch wir merken das bei uns.“ Multrus erklärt sich das mit der zwischenzeitlich schlechten Anstellungssituation für Gymnasiallehrer. „Spätestens der Doppeljahrgang 2025/26 mit Schülern aus G8 und G9 wird eine echte Herausforderung“, befürchtet sie.

Am Meringer Gymnasium gibt es keinen Lehrermangel

Für Josef Maisch, Leiter des Gymnasiums in Mering, gilt es zu differenzieren. „Die zehn Prozent an nicht planmäßigen Stunden mögen hinkommen. Allerdings bekommen unsere Schüler in der Regel dann Material zum Fach.“ Ausfälle kämen äußerst selten vor. Der Lehrerbedarf des Gymnasiums in Mering sei gedeckt, zusätzlich gebe es eine Reserve in etwa im Umfang einer Vollzeitstelle. „Die hatten wir vor einigen Jahren noch nicht, das sollte man auch mal sehen“, sagt Maisch. Eine Aufstockung des Personals „ muss der Steuerzahler aber auch bezahlen und wenn man das nicht will, kann ich das durchaus nachvollziehen.“

Maisch versteht dennoch die Sorgen mancher Eltern. „Das ist sehr subjektiv. Wenn sie mitbekommen, dass ein Lehrer vier Mal in zwei Wochen ausfällt und eine Prüfung ansteht, sind sie natürlich beunruhigt.“ Maisch hält die zehn Prozent Vertretungsstunden jedoch für logisch: „Das sind bei uns 120 Stunden pro Woche, also etwa fünf Lehrkräfte. Wenn man bedenkt, dass Krankheitsfälle, Fortbildungen, Fahrten sowie Exkursionen und Ähnliches die Gründe sein können, ist das nicht besonders viel.“

Landtagsabgeordnete Strohmayr: "Geht auf Kosten der Unterrichtsqualität"

Einen Lehrermangel wie an Grund- und Mittelschulen erlebt Maisch nicht: „Vertretungen, beispielsweise für die Elternzeit eines Kollegen, zu bekommen ist etwas schwieriger geworden. Aber dass zu wenige Gymnasiallehrer da sind, kann ich nicht feststellen. Ich bin da in keiner Krisenstimmung.“

Die SPD-Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr macht diese Krisenstimmung sehr wohl aus. Sie sagt: „Vertretungen bedeuten für die Lehrer und Schulleitungen nicht nur dauernde Mehrarbeit [...]. Da kann es auch passieren, dass eine Deutschlehrerin die Mathestunde halten muss. Das geht auf Kosten der Unterrichtsqualität.“ Die Landes-SPD fordert, neue Stellen zu schaffen – sie will die Kapazität von 100 auf 110 Prozent ausbauen und dazu unter anderem die Praxis, vor den Sommerferien angestellte Lehrer zu entlassen, stoppen. Zudem müsse der Beruf attraktiver werden, um die Studienabbrecherquote von 50 Prozent zu senken.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Tom Trilges: Grundschulen sind ein warnendes Beispiel

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