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Merching

09.09.2019

Feuerwehr: In Hochdorf löschen auch die Frauen

Bei einer Übung bergen die Hochdorfer Feuerwehrfrauen das Unfallopfer Leonie aus einem Auto: (von links) Uschi Böglmüller, Monika Helfer und Maria Sirch. Insgesamt sind sieben von 23 Aktiven bei der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr weiblich.
Bild: Sebastian Mayr

Plus  Bei einem Großbrand im Jahr 1989 rief der damalige Kommandant die weiblichen Dorfbewohner zur Hilfe. Sie eroberten in Hochdorf eine Männerdomäne.

Sieben von 23 Aktiven bei der Freiwilligen Feuerwehr Hochdorf sind weiblich. Überhaupt haben die Brandbekämpfer eine hohe Bedeutung in dem Merchinger Ortsteil. Von 93 Bewohnern gehören 60 der Feuerwehr als aktives oder passives Mitglied an.

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„Ja, wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft“, sagt Maria Sirch, die in diesem Jahr ihr 30. Jubiläum feiert. Bis heute sei die Damengruppe ein nicht wegzudenkender Bestandteil der Wehr.

„1989 bei einem Großbrand rief der damalige Kommandant Werner Sirch alle Frauen zu Hilfe und legte damit den Grundstein für die verhältnismäßig vielen weiblichen Feuerwehrkräfte“, erinnert sich Kommandant Andras Christl. Sirch erinnert sich noch genau an seine Worte von damals: „Ihr helft’s ja sowieso mit, habt ihr nicht Lust, dabeizusein?“ Acht Frauen folgten schließlich seinem Aufruf. Auch seine Frau Maria war dabei und möchte die letzten 30 Jahre nicht missen. „Die Kameradschaft ist einfach phänomenal.“ Von Ablehnung, wie es sie früher gab, habe die Frau, die sehr wohl ihren Mann stehe, noch nichts mitbekommen: „Hier sind alle gleich und helfen zusammen. Außerdem geht es um die Sache.“

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Nicht nur das Helfen fasziniert die Hochdorfer Feuerwehrfrauen

Dass alle weiblichen Kräfte ihre Feuerwehrleistungsabzeichen erfolgreich bestanden haben, versteht sich von selbst. „Die Leistungsabzeichen werden alle zwei Jahre abgelegt“, erklärt der Kommandant. „In einem Jahr sind es die Frauen, im Nächsten die Männer.“

„Als ich meine Prüfung zur MTA absolvierte, waren es lauter junge Mädchen und Burschen und ich als 52-Jährige“, erzählt Renate Christl, die Frau des Kommandanten. MTA bedeutet bei den Feuerwehrlern Modulare Truppmann-Ausbildung. Schon von Jugendbeinen an war es Christls Ziel, den aktiven Dienst am Nächsten zu leisten. Das tat die gelernte Kinderkrankenschwester und Rettungsassistentin dann auch, bis sie zur Feuerwehr kam. „Hier ist es nicht nur das Helfen allein, das mich so fasziniert“, sagt die Ausbilderin für Erste Hilfe im Landkreis. Auch die Technik gefalle ihr sehr. „Außerdem hat mich der Zusammenhalt innerhalb der Hochdorfer Feuerwehr überzeugt“, so Christl. Fragt man die Hochdorfer, was die Feuerwehr für sie bedeutet, dann fällt das Wort Zusammenhalt am häufigsten.

Die Frauen seien auf dem Vormarsch, so der optimistische Blick des Feuerwehrkommandanten Andreas Christl. Der ehemalige Kommandant Werner Sirch ergänzt: „Eine hohe Frauenquote tut dem Klima einer Feuerwehr gut.“ Der Ton unter den Kameraden habe sich geändert, so Sirch. Seine Frau fügt lachend hinzu: „Zum Besseren“. Und: „Mit den Frauen wird die Feuerwehr zu einer Art Familie.“

Die Feuerwehrmänner setzen voll auf ihre Damen

Die freiwillige Feuerwehr ist der einzige aktive Verein in Hochdorf. Es werde viel gelacht, viel erzählt und viel gewitzelt. „Ohne die Damen könnt´ma uns die Feuerwehr gar nimmer vorstellen“, sagen die Feuerwehrmänner einstimmig.

Es sei sogar möglich, eine Löschgruppe nur mit Frauen zu stellen. „Irgendwie haben unsere Frauen einen weiteren Rundum-Blick, um so zu erfassen, was zu tun ist“, so Christl. Die weiblichen Mitglieder seien eine Bereicherung und Verbesserung, auch im Hinblick auf die Verfügbarkeit. „Es kam schon mal vor, dass nur wir Frauen ausrückten, weil die Männer nicht da waren“, erinnert sich Maria Sirch.

Das Einzige, was den Frauen vielleicht schwerer fällt als den männlichen Kollegen, ist, die Wasserpumpe aus dem Wagen zu heben. Die wiegt 190 Kilogramm. „Aber da muss ich mich ja nicht vordrängen“, zwinkert Maria Sirch. Sie fügt aber hinzu: „Ich möchte nicht anders behandelt werden als die Männer auch. Und so funktioniert das Zusammenleben bei uns im Team super.“

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