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Kissing

18.06.2020

Finanzen: Ärger um eine neue Amtskette für Kissing

Die Emaillearbeit auf der Kissinger Amtskette des Bürgermeisters weist Kratzer auf. Soll ein neues Schmuckstück gekauft werden?
Bild: Gemeinde Kissing

Plus Die Kissinger SPD spricht aufgrund der Corona-Krise gegen die Anschaffung einer neuen Amtskette für den Bürgermeister aus. Das alte Stück weist deutliche Schäden auf.

Amtsketten tragen die Bürgermeister in vielen Gemeinden bei feierlichen Anlässen wie Ehrungen oder Besuchen von offiziellen Gästen. In Kissing ist nun im Hauptausschuss über die Anfertigung einer neuen Insigne für den Rathauschef diskutiert worden.

Außer Frage steht, dass die vorhandene Kette deutliche Schäden aufweist. Beispielsweise hat das mit einer Emaillearbeit eingefasste Gemeindewappen Kratzer und teilweise ist die Oberfläche abgesplittert. Zudem ist das Schild der Kette nicht neutral. Auf ihm wird Bürgermeister Otto Wohlmuth aufgeführt. Der hatte das Amt in Kissing von 1945 bis 1970 inne.

Reinhard Gürtner (rechts), der amtierende Bürgermeister von Kissing, trug die Amtskette unter anderem im vergangenen Jahr bei der Ehrung von Manfred Wolf zum Altbürgermeister.
Bild: Christian Gall (Archiv)

In der Sitzungsvorlage hieß es, dass eine Reparatur der Kette zu aufwendig sei. Emaillenarbeiten würden heutzutage nur noch selten angefertigt. Da die Kette nicht aus Silber bestehe, seien die Kosten im Vergleich zum Wert nicht angemessen. Der Entwurf und die Anfertigung einer neuen Amtskette in Silber würden ca. 2500 bis 3000 Euro kosten. Die Verwaltung hatte dazu mit der Firma Michael Egger Gravuren in Gundelsdorf Kontakt aufgenommen. Sie verwende keine Standardkettenglieder, sondern fertige individuelle Entwürfe an.

Die Amtskette repräsentiert die Gemeinde Kissing

In der Sitzung erklärte Rathauschef Reinhard Gürtner: „Es geht hier nicht darum, dass der Bürgermeister eitel ist. Die Amtskette repräsentiert die Gemeinde.“ Die Vorhandene sei vermutlich 60 bis 70 Jahre alt und in keinem guten Zustand mehr. Silvia Rinderhagen, Fraktionsvorsitzende der SPD, sagte: „Für uns ist das skurril.“ Auf der einen Seite müsse die Gemeinde wegen der Corona-Krise auf ihre Ausgaben achten, auf der anderen Seite berate sie über die Anfertigung einer neuen Amtskette. „Das die Amtskette in einem schlechten Zustand ist, steht außer Zweifel. Was aber auch außer Frage steht, ist, dass der Zeitpunkt denkbar ungünstig ist“, sagte Rinderhagen. Sie verstehe nicht, warum die Verwaltung sich überhaupt die Zeit nehme, die Anschaffung zu planen. „Das ist absolut unpassend.“

Gürtner erklärte, dass die Überlegungen bereits im vergangenen Jahr angestoßen worden seien. Man habe das Thema aber erst mit dem neuen Gemeinderat besprechen wollen. Zudem habe die Verwaltung sich aufgrund der Corona-Pandemie längere Zeit nicht mit dem Graveur treffen können. Michael Eder, Sprecher der CSU, sagte: „Wir können wegen der Corona-Krise nicht alles einstellen.“ Der Plan habe schon vor dem Ausbruch der Pandemie vorgelegen. „Die Amtskette ist wichtig für die Gemeinde Kissing.“

Grüne Kissing: Beschlossene Ausgaben nicht wegen Corona verschieben

Die Grünen plädieren allgemein dafür, bereits beschlossene Projekte und Anschaffungen nicht wegen der Krise zu verschieben. Schließlich greife die Bundesregierung den Kommunen mit dem Konjunkturprogramm unter die Arme. Es sei wichtig, die lokalen Gewerbe weiter zu unterstützen. „Der Künstler ist aus der Region. Hier können wir etwas für ihn tun“, sagte Sprecherin Katrin Müllegger-Steiger.

Kissing: Kauf einer neuen Amtskette ist günstiger als die Reparatur

Peter Wirtz von den Freien Wählern fragte, ob es nicht doch eine Möglichkeit gebe, einzelne Schilder der Amtskette zu erneuern. Der geschäftsleitende Beamte Hubert Geiger erklärte, dass aus Sicht der Verwaltung eine Neuanschaffung preiswerter sei.

Zudem sagte er: „Die Amtskette ist als Symbol für die Gemeinde bei offiziellen Akten notwendig.“ Oliver Kosel von der CSU berichtete von seiner Erfahrung als Messner. Auch in den Kirchen sei es meist zu kostenaufwendig, Objekte, die aus der Zeit der Amtskette stammen, zu restaurieren.

Letztendlich entschied die Mehrheit des Gremiums, eine neue Amtskette bei der Gundelsdorfer Firma in Auftrag zu geben. Sobald ein Entwurf fertig ist, soll dieser zur Entscheidung im Gemeinderat vorgelegt werden. Die drei SPD-Mitglieder im Ausschuss stimmten dagegen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Kissing: Falscher Zeitpunkt für die neue Amtskette

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