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Asyl

28.02.2018

Flüchtlinge: Der große Ansturm ist vorbei

Im Spätsommer 2015 mussten Sporthallen im Landkreis zu Notaufnahmen für die Flüchtlinge umfunktioniert werden. Heute gibt es andere Probleme zu lösen.
Bild: Andreas Schmidt (Archiv)

Doch noch immer leben über 1400 Flüchtlinge im Landkreis Aichach-Friedberg. Die Ziele bei ihrer Integration haben sich allerdings geändert. Manche engagieren sich schon selbst.

In den vergangenen Jahren haben sie für viele erhitzte Gemüter gesorgt, nun hört man immer weniger von ihnen – wie ist es eigentlich um die Flüchtlinge im Landkreis bestellt? „Im Sommer 2015 gab es die bisher meisten Ankünfte Asylsuchender“, sagt Kathrin Stachon, die bei der Caritas für den Asylhelferkreis arbeitet. „Ab dem Frühjahr 2016 gingen die Zahlen zurück, weil die Personen besser auf ganz Deutschland verteilt wurden. Seitdem gibt es hier nur noch vereinzelt Neuankömmlinge.“

Stachon lobt, dass neben der stark gesunkenen Anzahl der neuen Asylbewerber sich auch die Personalsituation deutlich verbessert habe. Behörden und Organisationen haben seit 2015 viele zusätzliche Stellen geschaffen. Wolfgang Müller, Pressesprecher des Landratsamtes Aichach-Friedberg, weist auf die Gründung des Sachgebietes „Ehrenamt, Bildung, Integration“ im Mai 2016 hin, das nachhaltige und wechselseitige Integration möglich machen soll. „Aufgabe dieses Sachgebietes ist es, die verschiedenen Akteure innerhalb und außerhalb der Verwaltung zu vernetzen“, erläutert Müller. Denn Integration sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nur mit ehrenamtlichen Helfern, Bildungsangeboten und Arbeitsplätzen gelingen könne. Der Ausnahmezustand vom Februar 2016, als 1700 Asylbewerber untergebracht werden mussten, ist überwunden. „In dieser Zeit konnte lediglich auf die Situation, die sich zum Teil täglich änderte, reagiert werden“, blickt Müller zurück. „Dabei war es vorrangiges Ziel, die Menschen unterzubringen und mit den lebensnotwendigen Dingen zu versorgen.“

Wie groß die Herausforderung für die Behörden war, lässt sich an den Zahlen ablesen: Ende 2014, also vor der sogenannten Flüchtlingskrise, gab es im Landkreis etwa 250 Plätze für Asylsuchende. Diese mussten bis 2016 beinahe versiebenfacht werden, um genug Platz für die Ankömmlinge zu schaffen.

Oft wird darüber diskutiert, dass abgelehnte Asylbewerber sich weigern, das Land zu verlassen. „Es gibt natürlich Abschiebungen“, räumt Stachon ein. Viele seien es jedoch nicht. Deutlich mehr Personen würden selbst wieder ausreisen - sei es, weil ihr Asylantrag abgelehnt wurde oder weil sie wieder in ihre Heimat zurückkehren wollten. „Abschiebungen sind nicht das Thema, das uns Sorgen bereitet“, erklärt Stachon. Eine weit größere Herausforderung sei es, die Anzahl der Fehlbeleger zu reduzieren.

Fehlbeleger sind Personen mit Bleiberecht, die auf dem Wohnungsmarkt bisher nicht fündig geworden sind und deshalb noch immer in Asylbewerberunterkünften wohnen. Dass sie bisher keine eigenen Wohnungen finden konnten, hat verschiedene Gründe. Das Hauptproblem ist, dass der Wohnraum in Friedberg ebenso wie in den meisten deutschen Städten sehr knapp ist. Von den anerkannten Flüchtlingen hätten alleinstehende Männer noch die besten Chancen, eine Wohnung zu finden, resümiert Stachon: „Sie schließen sich oft in Wohngemeinschaften zusammen. Sehr schwierig ist es hingegen für Familien mit mehreren Kindern, einen Vermieter zu finden.“

Im Gegensatz zur Wohnsituation ist die Lage bei der Integration deutlich besser. „Der größte Teil der Asylsuchenden und Bleibeberechtigten bemüht sich sehr, sich zu integrieren“, erklärt Stachon. Natürlich gebe es auch schwarze Schafe, aber „viele sprechen inzwischen gut Deutsch.“ Die Nachfrage nach Angeboten aller Art sei groß: Das Elterntraining für afghanische Eltern beispielsweise sei sehr gut angenommen worden. Dort werden Themen wie das Eheleben und die Unterstützung der eigenen Kinder angesprochen. Ein Kurs für andere Nationalitäten sei geplant, verrät Stachon.

Auch die Theresia-Gerhardinger-Grundschule Friedberg hat sich auf die neue Situation eingestellt: „Drittkräfte unterstützen bei uns Kinder aus Flüchtlingsfamilien und geben zum Beispiel Sprachunterricht“, erklärt Schulleiterin Elisabeth Kern. „Außerdem haben wir einige Sprachpaten, die einmal pro Woche mit dem jeweiligen Patenkind Deutsch üben. Das geht nicht nur durch Unterhaltung, sondern auch beim Spielen oder indem man gemeinsam ein Buch anschaut.“ Damit die Anbieter der Integrationsmaßnahmen Erfahrungen austauschen können, findet das Netzwerktreffen der Sprachkursträger und Behörden statt. Dort wird auch das weitere Vorgeben koordiniert. Ein Ziel ist beispielsweise, auch die Neuzugewanderten selbst für Ehrenämter im Bereich Asyl und Integration zu begeistern, sagt Müller.

Die Entwicklungen beim Asyl bis zum Januar 2017 können auf der Internetseite des Landratsamtes Aichach-Friedberg eingesehen werden. Wer dort über die Suchfunktion „Faktencheck“ eingibt, wird schnell fündig. 

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