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Kissing

14.03.2017

Flüchtlinge finden keine Wohnungen

Gerade für anerkannte Flüchtlinge ist es schwer, eine Wohnung zu finden. (Archivfoto)
Foto: Heike John

 Eigentlich dürfte fast die Hälfte der Asylbewerber in Kissing aus den Unterkünften ausziehen. Andere tauchen unter, wenn sie eine Ablehnung erhalten.

Vor zwei Jahren sorgte der Plan, eine Großunterkunft für Flüchtlinge an der Auenstraße einzurichten, für lebhafte Diskussionen in Kissing. Bürgermeister Manfred Wolf setzte extra eine Bürgerversammlung an, bei der zahlreiche Besucher ihre Bedenken äußerten. Inzwischen haben sich die Kissinger an die Container in der Auenstraße gewöhnt. Zumal der Helferkreis mit viel Engagement in einem Holzhaus vor den Unterkünften einen gut sortierten Kleiderladen eingerichtet hat. Petra Hamberger und Marlene Weiss sind neben anderen Tätigkeiten für die Asylbewerber in Kissing zuständig. Im Gemeinderat informierten sie nun über die aktuelle Lage.

Insgesamt leben zurzeit 93 Flüchtlinge in der Gemeinde. Die meisten sind in der großen Unterkunft an der Auenstraße untergebracht, die anderen leben in drei Häusern im Ort verteilt. Laut Hamberger bestehen noch Kapazitäten für 200 weitere Flüchtlinge. Nicht belegt ist ein großes Gebäude an der Industriestraße 1. Auch das ehemalige Fitnessstudio Gym80 an der Peterhofstraße könnte als Unterkunft dienen. Zurzeit sei es aber nicht einzugsfertig.

Sorgen bereitet Hamberger, dass die meisten Asylanträge der afghanischen Flüchtlinge in der Gemeinde – zurzeit sind es acht – abgelehnt worden sind. „Sie waren teilweise wirklich sehr gut integriert“, sagte die Beauftragte. Sobald die Ablehnung kommt, verlieren die Asylbewerber meist sofort ihren Job beziehungsweise ihre Ausbildungsstelle. Die Behörden üben laut Hamberger massiven Druck auf die Menschen aus.

Zunächst geht es um den Pass. Viele Asylbewerber besitzen keine Papiere. „Es gibt welche, die wollen sich keine besorgen, damit sie nicht abgeschoben werden.“ Andere hätten aber auch keinen Kontakt mehr in die Heimat. Zudem sei es, schwer aus Gebieten wie dem Senegal Dokumente zu bekommen. Also erhalten die Asylbewerber einen Strafbefehl wegen dem fehlendem Pass. Das können sie meist nicht bezahlen. Wenn der Druck der Ausländerbehörde steigt, tauchen viele ab. „Da muss man ehrlich sein“, sagt Hamberger.

Die Asylkoordinatorin wird aber auch durch die Flüchtlinge in Atem gehalten, die eine Anerkennung haben. Die meisten leben noch in den Unterkünften, obwohl sie eigentlich ausziehen dürften. „Wir benötigen für 40 Personen Wohnungen, davon zwei Familien, eine mit neun Personen“, sagte Hamberger. Eine Wohnung zwischen 40 und 80 Quadratmetern kostet in Kissing durchschnittlich rund 7,70 pro Quadratmeter. Da die meisten Flüchtlinge keine Arbeit haben, kommt das Jobcenter für ihre Miete auf. Das bezahlt in der Regel aber nur 6,10 Euro pro Quadratmeter.

Zurzeit hält das Landratsamt, das die Unterkünfte betreibt, noch still. Sollte es entscheiden, die anerkannten Flüchtlinge nicht mehr unterzubringen, sei die Gemeinde dazu verpflichtet, Obdachlosenunterkünfte zur Verfügung stellen, warnte Hamberger. Verschärft werde die Lage durch die Wohnsitzauflage. Die sieht vor, dass Asylbewerber nur im Landkreis wohnen dürfen.

Katrin Müllegger-Steiger von den Grünen fragte, wie viele Flüchtlinge zu Hochzeiten in Kissing untergebracht werden mussten. Hamberger antworte, dass die Zahl 100 Menschen nie überschritten habe. „Man muss aber davon ausgehen, dass sie steigt.“ Als Grund nannte sie Umverteilungen im Landkreis.

Bürgermeister Wolf erklärte, dass die Gemeinde ein Problem mit dem sozialen Wohnungsbau habe. Alle Versuche Grundstücke von Privatleuten zu bekommen, seien bisher gescheitert. Zudem appellierte er an die Besitzer leer stehender Wohnungen, sich an die Gemeinde zu wenden. „Das ist eine wichtige soziale Sache“, sagte er.

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