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Integration

08.10.2015

Flüchtlinge helfen Flüchtlingen

Semir und Mustafa aus Syrien arbeiten zusammen mit Kemal aus Afghanistan und renovieren das Haus an der Sportheimstraße in Ried für weitere Flüchtlinge. Bürgermeister Erwin Gerstlacher freut sich über das Engagement.
Bild: Eva Weizenegger

Asylbewerber sind vor 14 Tagen erst in Baindlkirch angekommen. Schon renovieren sie mit an einer neuen Unterkunft

Im ehemaligen Bad schlägt Semir gerade mit einem großen Hammer die Fliesen von der Wand. Im Wohnzimmer ist Mustafa damit beschäftigt, die vergilbten Tapeten mit einem Sprühgerät zu befeuchten, damit sie von Kemal mit der Spachtel abgeschabt werden können. Die drei Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan sind erst vor 14 Tagen in Baindlkirch angekommen und schon arbeiten sie für die Gemeinde Ried. Sie helfen mit, eine weitere Unterkunft für Asylbewerber umzubauen.

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Bürgermeister Erwin Gerstlacher hatte es geschafft, mitten im Ort in der Sportheimstraße ein Haus zu kaufen, das nun so hergerichtet wird, dass auf 160 Quadratmetern in zwei Wohnungen dort wieder Flüchtlingsfamilien ein Dach über dem Kopf haben.

Erst vor 14 Tagen kamen 15 Menschen aus Somalia, Syrien und Afghanistan in der Gemeinde an und wohnen nun in drei Wohnungen in einer Doppelhaushälfte in Baindlkirch. „Dort gibt es um die Gemeinderätin Kariene Eikelmann einen Asylhelferkreis mit 40 Personen, die hervorragende Arbeit leisten“, freut sich Gerstlacher. Kurzfristig wurden in der Schule noch zwei Klassen gebildet, damit die Kinder dort unterrichtet werden können. Auch im Kindergarten fanden die Flüchtlingskinder einen Platz.

Flüchtlinge helfen Flüchtlingen

„Ich gehe ganz offen auf die Mitbürger zu, schildere die Probleme, rede mit meinen Leuten und dann finden wir auch eine Lösung“, erzählt Gerstlacher. Nicht allen Riedern gefalle es, dass Flüchtlinge nun auch hier herkommen, doch meist reiche ein Gespräch aus, um Vorurteile zu überwinden. Gerstlacher ist es auch wichtig, dass die Asylbewerber nicht in den Außenbereich der Gemeinde abgeschoben werden. „Sie sollen mitten unter uns leben, dann funktioniert auch die Integration“, sagt er. Die Asylbewerber in Baindlkirch nutzen das Angebot der Meringer Tafel und der Kleiderkammer, fahren aber auch mit Genehmigung nach Mammendorf oder Fürstenfeldbruck.

Natürlich sei er in einer glücklichen Lage, dass er Familien ein Dach über dem Kopf bieten könne. „Würden hier 30 junge Männer in einem Gebäude wohnen, sähe es wohl anders aus mit der Akzeptanz in der Bevölkerung“, weiß auch er.

Die Mitarbeit der Flüchtlinge bei Bauhoftätigkeiten der Gemeinde schätzt Gerstlacher sehr. „Es ist doch ein wunderbares Signal, wenn Asylbewerber mithelfen, für weitere Flüchtlinge ein Haus umzubauen.“

In Baindlkirch leben derzeit eine Frau und ihre vier Kinder aus Somalia, zwei syrische Familien und eine Familie aus Afghanistan. „Alle verstehen sich dort sehr gut miteinander und bislang gibt es keine Probleme“, weiß der Rieder Bürgermeister. Auch in dem 700 Einwohner großen Dorf wurden die Neuankömmlinge gut aufgenommen. „Es ist schon mit viel Arbeit und einem hohen Engagement verbunden, aber der Asylhelferkreis unterstützt die Flüchtlinge, wo es geht“, lobt Gerstlacher.

In Ried ist derzeit eine syrische Familie im ehemaligen Pfarrhof untergebracht. „Bis zum Jahresende sollten wir nach Angaben des Landratsamtes in unserem Gemeindegebiet insgesamt 46 Flüchtlinge aufnehmen“, berichtet Gerstlacher. Durch den Kauf des Hauses an der Sportheimstraße dürfte das nahezu möglich sein. In Ried selbst sind derzeit etwa zehn Personen im Asylhelferkreis. „Da werden wir noch mehr Ehrenamtliche benötigen, die sich gerne an die Gemeinde wenden können, wenn sie mithelfen wollen“, hofft Gerstlacher.

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