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Bildung in Friedberg

19.10.2015

Flüchtlingskinder bekommen eine eigene Mittagsbetreuung

Für viele Flüchtlingskinder ist der regelmäßige Schulbesuch etwas Neues. Das stellt auch die Kommunalpolitik vor Herausforderungen.
Bild: Foto: dpa

Aus Sicht der Stadt ist dies ein wichtiger Schritt zur Integration. Pädagogisch wünschenswert wäre aber ein anderes Modell

Friedberg Schulpflicht – für manche Flüchtlingsfamilie, die in den vergangenen Wochen nach Friedberg kam, ist das nicht nur im übertragenen Sinne ein Fremdwort. Doch auch wenn in den Herkunftsländern der regelmäßige Unterrichtsbesuch nicht unbedingt zum Alltag der Familien gehört, gibt es für die Kinder der Asylbewerber keine Ausnahme. Der Stadtrat richtet jetzt sogar eine eigene Mittagsbetreuung ein und macht dafür Geld locker. Lediglich für das Essen zahlt der Landkreis einen Zuschuss.

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Die Stadt misst der Ganztagsbetreuung von Asylbewerberkindern großen Nutzen bei der Integration bei: Die Buben und Mädchen lernen im Umgang mit Gleichaltrigen die Sprache schneller und können, die am Vormittag im Unterricht gelernten Inhalte nachmittags vertiefen. Die Kinder finden Freunde und Spielkameraden.

Allerdings sind die räumlichen und personellen Angebote zur Mittagsbetreuung in Friedberg nahezu ausgelastet, weitere Kinder können nicht mehr oder allenfalls an schwächer frequentierten Tagen aufgenommen werden. Darum gibt es künftig eine kostenlose und zentrale Betreuung nur für Asylbewerberkinder in Friedberg. Das Hauptaugenmerk soll dabei auf der Hausaufgabenhilfe und der Deutschförderung liegen. Der Stadtrat beauftragte die Verwaltung, das nötige Personal einzustellen und geeignete Räume bereitzustellen. Ein Konstrukt, das freilich durch die Trennung von deutschen und ausländischen Kindern mit Nachteilen behaftet ist. „Der pädagogische Weg gefällt uns nicht“, sagte Claudia Eser-Schu-berth (Grüne), die der Einrichtung der Mittagsbetreuung prinzipiell aber zustimmte. Ihre Fraktion sieht darin nur eine Übergangslösung, über die nach einem Jahr noch einmal diskutiert werden müsse. Thomas Kleist (CSU) erinnerte daran, dass die Kinder den gesamten Vormittag zusammen im Unterricht seien. Er kündigte ebenso wie sein Kollege Roland Fuchs von der SPD die Zustimmung seiner Fraktion an. „Nur wenn man sich verständlich machen kann, kann man sich integrieren“, sagte Kleist.

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Bürgermeister Roland Eichmann (SPD) merkte an, dass die Stadt hier für den Staat in die Bresche springe. Möglicherweise könnte sich vom Schuljahr 2016/17 an die Situation aber wieder entspannen. Bereits im Juli hatte der Ausschuss für Soziales, Bildung und Integration beschlossen, nach Möglichkeit an allen Grundschulen offene Ganztagsklassen zu beantragen und einzurichten. Dann würde die Verantwortung für die Betreuung der Asylbewerberkinder auf die Schulen übergehen. Die Stadt müsste nur noch das Personal für die Mittagsbetreuung selbst bezahlen.

Der Stadtrat beauftragte die Verwaltung, eine Gebührenermäßigung für Kinder aus sozialschwachen Familien zu erarbeiten, die zwar keinen staatlichen Zuschuss für die Mittagsbetreuung erhalten, aber dennoch Probleme haben, die Beiträge zu bezahlen.

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