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Podiumsdebatte in Kissing

20.11.2015

Flüchtlingskrise bewegt die Kissinger

Immer neue Flüchtlinge kommen in Deutschland an. Für die Kommunen wird die Unterbringung zu einer riesen Herausforderung. Das bewegt auch in Kissing die Gemüter.
Bild: Soeren Stache/dpa

Die Frauen Union stellt sich den Fragen der Bürger zur Asylproblematik. Dabei offenbaren sich die Ängste und Sorgen der Bevölkerung

 In der Gemeinde ist das Flüchtlingsthema brandaktuell. In naher Zukunft soll hier eine neue Unterkunft für 160 Asylbewerber entstehen. Um die Bürger über die Asylpolitik zu informieren und Raum für Gespräche zu bieten, veranstaltete die Frauen Union Aichach-Friedberg eine Diskussionsveranstaltung. Dabei referierten zwei wahre Expertinnen zu diesem Thema: die Vorsitzende der Frauen-Union im Landkreis, Iris Eberl, die sowohl Abgeordnete im Bundestag als auch im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union ist, sowie Simone Losinger, die als Leiterin der Ausländerbehörde im Landkreis täglich die praktischen Seiten des Themas erfährt.

Eine größere Herausforderung als die Wiedervereinigung

Im Anschluss an die Vorträge kam es zu einer längeren Diskussion, bei der Bürger auch ihre Bedenken zum Thema Sicherheit oder zur Situation auf dem Arbeitsmarkt zur Sprache brachten. „Kommt auf die Polizei nicht eine große Mehrarbeit zu?“, wurde beispielsweise gefragt. „Wie soll es im kommenden Jahr mit der Unterkunft weitergehen?“, wollte ein anderer Zuhörer wissen. „Es suchen ja schon viele Deutsche einen Arbeitsplatz zum Mindestlohn“, wandte eine Frau ein. Auf diese überwiegend in sachlichem Ton vorgebrachten Bedenken antworteten nicht nur die Referentinnen, auch im Publikum meldeten sich einige Zuhörer, die viele der vermeintlichen Probleme aufklärten (siehe Artikel unten).

Flüchtlingskrise bewegt die Kissinger

Iris Eberl bezog sich in ihrem Vortrag dann auf die Bundespolitik: „Kanzlerin Angela Merkel sieht in der Flüchtlingskrise eine größere Herausforderung als damals bei der deutschen Wiedervereinigung. Dabei kann ich ihr nur zustimmen“, sagte Iris Eberl. Seit den sechs Monaten, in denen sie im Europaausschuss sitzt, habe sie vor allem Diskussionen über das Flüchtlingsproblem gehört. „Fakt ist, dass Deutschland das Problem unmöglich alleine bewältigen kann. Wir erwarten die Solidarität der anderen EU-Staaten.“ Doch genau diese Solidarität vermisse sie. „Für Deutschland war die Solidarität mit der Europäischen Gemeinschaft selbstverständlich. Den letzten Beweis lieferten wir mit der Unterstützung Griechenlands.“ Auch in Zukunft werde diese Solidarität selbstverständlich sein, doch nun könne auch Deutschland Solidarität erwarten.

Simone Losinger hat in ihrer Arbeit täglich mit den Asylbewerbern zu tun und kennt die Situation im Landkreis wie kaum eine andere. „Im Augenblick haben wir etwa 1400 Asylbewerber im Landkreis. Momentan kommen jede Woche 62 neue dazu“, sagte sie. Daher sei die Suche nach Unterkünften von höchster Priorität. „Eine Unterkunft für 160 Menschen in Kissing klingt zunächst nach einer sehr großen Zahl. Vergleicht man das aber mit dem aktuellen Zustrom, dann könnte diese Einrichtung nicht einmal den Zustrom von drei Wochen aufnehmen.“ Ein Bürger aus dem Publikum wollte darauf wissen, wie dann die Unterbringung in Zukunft geregelt werden soll, wenn der Zustrom wie erwartet noch zunimmt. Simone Losinger erklärte, dass sich der gesamte Landkreis hierfür engagiere: „Fast jede Gemeinde stellt inzwischen Unterkünfte. Bei den wenigen Ausnahmen laufen gerade Projekte zur Schaffung solcher Einrichtungen.“ Dennoch suche die Ausländerbehörde Wohnraum, den Privatleute stellen können.

Interessenten können sich hierzu unter der Telefonnummer 08251/92292 bei der Behörde melden.

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