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Vortrag in Dasing

26.03.2013

Forderungen für einen fairen Milchpreis

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Sieta van Keimpema sprach im Dasinger Bauernmarkt.
Bild: Sascha Geldermann

Die Vizepräsidentin des European Milk Board sprach in Dasing über Probleme der Landwirte mit der Europapolitik

Dasing Der Kreisvorsitzende des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter fand deutliche Worte. „Seit dem 18. Jahrhundert sind wir Bauern frei, doch nun verlieren wir unser Land wieder an die Banken“, sagte Josef Baur. Viele Milchviehalter seien verschuldet, da sie einfach nicht genug Geld für ihre Produkte bekämen.

Baur hatte die Vizepräsidentin des European Milk Board, Sieta van Keimpema, in den Dasinger Bauernmarkt eingeladen. Dort sprach die Niederländerin vor 80 Zuhörern über die Situation in Europa. Sie verurteilte die aktuelle Europapolitik scharf, da diese nur Großbetrieben nütze.

Viele Landwirte hätten höhere Kosten, als sie einnehmen könnten. „In den Niederlanden haben sich die Schulden der Milcherzeuger in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt“, sagte die Rednerin. Sie forderte mindestens 40 Cent pro Liter Milch, besser noch 50 Cent. Die aktuelle Situation sei eine Last für Landwirte und mache den Beruf für junge Menschen unattraktiv. „Daher sind in Europa nur sechs Prozent der Bauern jünger als 35 Jahre“, sagte sie. Der Grund für die niedrigen Milchpreise sei die Überproduktion. „Sobald ein Prozent mehr Milch als nötig produziert wird, geht der Preis um 30 Prozent nach unten“, sagte sie. Als Lösung forderte Keimpema eine flexible Steuerung der Milchmenge.

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Dafür müsse eine zentrale Stelle regelmäßig den aktuellen Bedarf ermitteln und dementsprechend die Produktion anpassen. „Bei einer Überproduktion könnten Erzeuger beispielsweise Geld erhalten, wenn sie weniger melken“, schlug Keimpema vor. Wichtig sei aber, dass sich die Kontrollstelle nicht nur aus Molkereien und Politikern zusammensetze, sondern auch aus Erzeugern und Verbrauchern.

Nach dem Wunsch von Keimpema soll die flexible Mengensteuerung die Milchquoten ablösen. Die regulieren momentan noch die Produktion in Europa, sollen aber im Jahr 2015 wegfallen. Der stellvertretende Kreisvorsitzende des Bundesverbands Deutscher Milchviehalter, Johann Breitsameter, hofft darauf: „Sollten die Quoten einfach so auslaufen, könnten Kleinbauern nicht mehr überleben.“

Keimpema ist optimistisch. Das European Milk Board konnte in Brüssel bereits mit Politikern verhandeln. „Früher waren wir für die Leute dort nur die wütenden Bauern, heute sind wir Gesprächspartner“, sagte die Rednerin. Doch die Realität sei von den Forderungen immer noch weit entfernt.

Nach dem Vortrag entwickelte sich eine Diskussion mit den Zuhörern. Dabei griffen auch Politiker wie die fünf Landtagskandidaten des Kreises von CSU, FDP, Freien Wählern, Grünen und SPD zum Mikrofon, um ihre Unterstützung beim Kampf für faire Milchpreise zuzusagen.

Es kam die Frage auf, mit welcher Begründung sich die Politik gegen die Vorschläge wehre. „Meistens heißt es, dass die politische Machbarkeit fehle“, antwortete Keimpema. In Brüssel spreche zwar jeder von der Landwirtschaft, aber niemand habe dort Ahnung davon.

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