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Friedberg

07.03.2020

Frauen aus Friedberg: Selbstbewusst, stark und mutig

Margit Möding bringt auch persönliche Geschichten ihrer Mutter und Großmutter in die Themenführung zum Weltfrauentag im Wittelsbacher Schloss ein.
Bild: Anja Dondl

Die einen haben Friedberg vor der Zerstörung gerettet, die anderen feierten rauschende Feste: Zum Weltfrauentag werden interessante Frauen vorgestellt.

Wenn man die Geschichtsbücher durchblättert, finden sich viele mutige Frauen, die unsere Historie prägten. Marie Curie, Sophie Scholl und Greta Thunberg sind da nur Einzelbeispiele. Auch in der Geschichte Friedbergs gab es viele bemerkenswerte Frauen. Sie haben aktiv im Handwerksbetrieb mitgearbeitet, sich für ihre Meinung und Wünsche eingesetzt und die Stadt sogar vor einer gewaltvollen Eskalation am Ende des Zweiten Weltkriegs bewahrt.

Als die Alliierten im April 1945 in Augsburg eintrafen, bauten SS-Leute am Friedberger Berg Straßensperren auf, um den Einmarsch der US-Truppen zu verhindern, erzählt Margit Möding, Stadtführerin in Friedberg. Sie leitet die Themenführung anlässlich des Weltfrauentags im Museum im Wittelsbacher Schloss, die zum ersten Mal stattfindet.

Weltfrauentag: Frauen haben Friedberg vor großen Schaden bewahrt

Anni Altmann war eine von 50 mutigen Frauen, die am 27. April 1945 die Initiative ergriffen, um die Panzersperren zu beseitigen. Sie wollten damit eine kampflose Übergabe der Stadt an die amerikanischen Truppen erreichen.

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Wie Möding erklärt, gab es an diesem Tag noch eine weitere sehr mutige Frau. Die damals 24-jährige Anna Wolferseder (1920 bis 2020) befand sich während der Räumung unterhalb des Friedberger Bergs. Sie blickte wortwörtlich in den Lauf der Gewehre der ersten eintreffenden amerikanischen Soldaten.

Es waren die Frauen, die Friedberg zum Ende des Zweiten Weltkrieges vor Schlimmerem bewahrten. Sie beseitigten die Panzersperre am Friedberger Berg und verhinderten dadurch die Zerstörung der Stadt.
Bild: Stadtarchiv Friedberg

Bis der Bürgermeister die weiße Flagge zur friedlichen Kapitulation hisste, verhandelte Wolferseder mit den US-Militärs. Ihr war es zu einem großen Teil zu verdanken, dass es in Friedberg nicht zu Zerstörungen und Toten kam. „Diese mutigen Friedberger Frauen haben mir persönlich sehr imponiert“, erklärt Möding. Sie riskierten ihr Leben trotz der Bedrohung durch die Waffen-SS.

Eine andere Bürgerin, die nur unter dem Namen Kummerow bekannt ist, hat laut Möding sogar eine Brückensprengung verhindert. Als SS-Soldaten 1945 die Bahnbrücke an der Münchner Straße in Friedberg sprengen wollten, redete Kummerow so lange auf sie ein, bis sie von ihrem Vorhaben abließen.

Schon vor Jahrhunderten gab es in Friedberg bemerkenswerte Frauen

Geht man in der Geschichte Friedbergs noch ein paar Jahrhunderte zurück, trifft man auf weitere bemerkenswerte Frauen. Sie waren zwar weniger politisch aktiv, aber in gewissen Handlungen und Entscheidungen ihrer Zeit doch sehr weit voraus. Dazu zählt die Bürgerstochter Anna Maria Peter (1670 bis 1718), die auch als Friedberger Mozartin bekannt ist. Laut Möding arbeitete sie sich von einer Dienstmagd bis zur Frau Buchbindermeister hoch.

Auch zu nennen sei die Uhrmachersgattin Barbara Baumann (1727 bis 1798). Auf einem Porträt aus dem Jahre 1768 hält sie eine Klobensäge in der Hand. „Mit diesen Sägen wurden die kleinen Kloben, quasi Schmuckplättchen, zum Schutz der Unruh hergestellt“, erklärt Museumsleiterin Alice Arnold-Becker. Laut Arnold-Becker lässt sich daraus schließen, dass die Frauen in das Friedberger Uhrmacherhandwerk involviert waren.

Christina von Dänemark (1521-1590), Herzoginwitwe von Lothringen veranstaltete viele Feste im Schloss Friedberg.
Bild: Museum Friedberg

Nicht nur in der bürgerlichen, sondern auch in der fürstlichen Gesellschaft der Wittelsbacher gab es Frauen, die sich dem für sie typischen Rollenbild widersetzten. Da war beispielsweise Christina von Dänemark, Herzoginwitwe von Lothringen (1521 bis 1590). Die einerseits sehr herrschsüchtige, aber auch sehr lebenslustige Frau liebte Feste. Sie wohnte von 1568 bis 1575 im Schloss Friedberg und organisierte Veranstaltungen wie Turniere und Jagden, erzählt Möding. Sogar den sehr bekannten Musiker Orlando di Lasso holte sie nach Friedberg.

„Früher waren Frauen extrem von ihren Ehemännern eingeschränkt“, sagt Möding. Dass Frauen aus diesem Zwang ausbrachen, war etwas Besonderes. Die Verselbstständigung, eigene Entscheidungen treffen zu können, sei eine der wichtigsten Errungenschaften von Frauen heutzutage. Einen gesetzlichen Feiertag zum Weltfrauentag, wie er in Berlin schon existiert, würde sich Möding wünschen, um das auch zu feiern.

Kurfürstin Therese Kunigunde (1676-1730) hatte eine besondere Affinität zum Wittelsbacher Schloss Friedberg.
Bild: Museum Friedberg

Die Idee, Stadtführungen mit dem Fokus auf bemerkenswerte Frauen in Friedberg zu veranstalten, hatte erstmals Ines Bobinger. Margit Möding war schon ein paar Mal mit Interessierten auf den Spuren der Friedberger Frauen unterwegs. Im Zug der Neueröffnung des Museums und anlässlich des Weltfrauentags am 8. März entstand schließlich die Idee zur Themenführung im Schloss. Und wer könnte das besser als die selbst in Friedberg geborene und aufgewachsene Margit Möding?

Termine zum Weltfrauentag 2020 in Friedberg

  • Führung Wer mehr über mutige Friedbergerinnen erfahren möchte, kann am Sonntag, 8. März, von 14 bis 14.45 Uhr die Themenführung „Selbstbewusst! Bemerkenswerte Frauen der Friedberger Geschichte“ im Museum Friedberg besuchen. Eingeladen sind alle Geschlechter – nicht nur Frauen. Der Eintritt kostet 3 Euro und es wird um telefonische Anmeldung gebeten (0821 6002-681). Ein Wiederholungstermin ist am 15. November.
  • Empfang In Kooperation mit der Stadt Friedberg lädt das Frauenforum Aichach-Friedberg am Sonntag, 8. März, zum Frauenempfang ein. Der Empfang beginnt um 10.30 Uhr im historischen Sitzungssaal des Rathauses mit einem Frauendialog mit Fridays for Future (FFF). Zu Gast sind Sarah Bauer und Sophia Schulz-Hanke von Fridays for Future Augsburg. Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung von der Sängerin Stacia, die 2016 als „Band des Jahres“ in Augsburg ausgezeichnet wurde. Bei Sekt und Fingerfood kann anschließend noch weiter diskutiert werden.

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