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11.02.2015

Freie Fahrt ins Unbehagen

Das waren noch Zeiten: Im Jahr 1938, als diese Aufnahme entstand, gab es keine Probleme mit dem Durchgangsverkehr in der Friedberger Ludwigstraße.

Zufrieden waren die Friedberger mit der neu gestalteten Ludwigstraße nie. Doch wie soll die Politik darauf reagieren?

Den Durchgangsverkehr vermeiden und dennoch die Erreichbarkeit der Innenstadt erhalten – diese beiden Ziele lassen sich nur schwer miteinander vereinbaren. Zu diesem Ergebnis kommt die Stadtverwaltung bei der Analyse der temporären Fußgängerzone vom vergangenen Sommer. Wie also soll es weitergehen? Darüber diskutiert der Friedberger Stadtrat in seiner Sitzung am morgigen Donnerstag (19 Uhr, Rathaussaal). Mehrere Vorschläge liegen dazu inzwischen auf dem Tisch.

Seit die neu gestaltete Ludwigstraße im Jahr im Herbst 2008 eingeweiht wurde, gibt es Klagen: Viele Pkw-Fahrer missachten die Halteverbote und parken teilweise auf den Gehwegen, die nicht mehr durch Bordsteine von der Straße getrennt sind. Über 6000 Fahrzeuge sind täglich hier unterwegs – oft nur um die kürzeste Achse durch die Innenstadt zu nutzen. Zwar lehnten zwei Drittel der Friedberger 2009 bei einem von den Grünen initiierten Bürgerentscheid die Fußgängerzone ab, doch das Unbehagen blieb. Eine repräsentative Umfrage unserer Zeitung fiel im Jahr 2012 eindeutig aus: Von 1294 befragten Personen beurteilt mehr als die Hälfte die Situation in der Ludwigstraße als schlecht.

Auch der Stadtrat war sich darum im vergangenen Jahr einig, dass das Konzept eines verkehrsberuhigten Geschäftsbereichs, in dem vom Fußgänger bis zum Lieferwagen alle gleichberechtigt sind, gescheitert ist. Einmütig sprachen sich die Kommunalpolitiker darum im Juni für den Probebetrieb einer Fußgängerzone zwischen Bahnhofstraße und Haagstraße aus. Jeweils am Freitag und Samstag war dieser Abschnitt für den Autoverkehr gesperrt – mit teilweise gravierenden Folgen. In den schmalen Seitenstraßen verdoppelte sich die Zahl der Fahrzeuge nahezu, deren Lenker sich ihren Weg von einem Ende der Innenstadt zum anderen bahnten. Verschiedene Einzelhändler beklagten einen dramatischen Umsatzeinbruch. Hinweisschilder und Sperrbaken an der Zufahrt zur Innenstadt hatten offenbar viele Kunden abgeschreckt.

Allerdings ergab eine Umfrage der SPD, dass die Sperrung auch viele Befürworter hat. 48 von 109 Personen, die den ausgefüllten Fragebogen zurückgaben, finden die Sperrung erfolgreich, weitere 32 halten Anpassungen für nötig, etwa eine Ausweitung des zeitlichen und räumlichen Geltungsbereichs und eine Durchfahrtsmöglichkeit für den Linienbus. 19 Personen glauben, dass der Versuch keinen Erkenntnisgewinn gebracht hat, und 18 finden, dass der alte Zustand passt. Wie kontrovers die Debatte ist, spiegelt auch das Stimmungsbild in den Zuschriften an unsere Zeitung wieder. Die Reaktionen reichen von begeisterter Zustimmung bis zu blanker Ablehnung für die Haltung von Bürgermeister Roland Eichmann, neue Versuche zur Verkehrsberuhigung vorzunehmen.

Der Friedberger Einzelhandel verfolgt die Debatte mit großem Interesse. „Wir werden da sein“, kündigt Petra Gerber, die Geschäftsführerin der Werbegemeinschaft Aktiv-Ring, für die Stadtratsitzung am Donnerstag an. Zwar wollen sich die Mitglieder erst bei ihrem nächsten Treffen Ende Februar wieder mit dem Thema Ludwigstraße beschäftigen. Doch für Gerber steht fest: Bevor wieder alles dicht gemacht wird, versucht man es lieber mit einer Einbahnregelung.

Und das sind die Vorschläge für die morgige Sitzung:

1. Einbahnstraße 3. Bürgermeisterin Martha Reißner (SPD) schlägt vor, die Ludwigstraße ab der Bahnhofstraße als Einbahnstraße in Richtung Osten auszuweisen. Dadurch wären alle Geschäfte erreichbar, die Zufahrt in die Garage möglich und auch die Durchfahrt für den Linienbus frei. An der Äußeren Ludwigstraße soll es eine Zone mit Semmeltaste für Kurzparker geben, schlägt Reißner vor. 2. Aichacher Modell In der Kreisstadt können die Fahrzeuge zwar von Süden und Norden herins Zentrum hineinfahren, die Ausfahrt wird jedoch nach Westen über den Tandlmarkt geleitet. Der bloße Durchgangsverkehr wird dadurch ausgebremst. In Friedberg käme dafür als einzig leistungsfähig Straße die Bahnhofstraße infrage.

3. Sperrung (1)   Wolfgang Grzabka aus Friedberg schlägt vor, am Marienplatz nördlich und südlich des Rathauses die Durchfahrt mit Ketten oder Pollern zu unterbinden. Nur Busse und Einsatzfahrzeuge sollen zugelassen sein.

4. Sperrung (2)  Die Grünen im Friedberger Stadtrat schlagen eine Ausweitung der Fußgängerzone von der Bahnhofstraße bis zur Schlossstraße vor. Auch der Bus soll nicht mehr passieren können und durch einen Shuttle zwischen Straßenbahn und Marienplatz ersetzt werden. In der Äußeren Ludwigstraße soll eine Wendemöglichkeit geschaffen, Schlosstraße und Stadtgraben als Einbahnstraßen ausgewiesen werden. Anlieger sollen die Ludwigstraße über die Haagstraße queren können. (gth)

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