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Integration

30.06.2017

Friedberg feiert Freundschaftsfest in Zeiten der Gewalt

Stadtpfarrer Markus Hau und Ibrahim Mestanlaroglu schenkten beim Freundschaftsfest 2016 auf traditionelle Weise Tee aus.

Christen und Muslime in Friedberg feiern seit fünf Jahren gemeinsam. In dieser Zeit hat sich die Welt verändert. Ist eine solche Veranstaltung also nur Augenwischerei?

 Attentate in Berlin, London und Paris. Spitzelvorwürfe gegen türkische Imame. Wachsendes Misstrauen zwischen Deutschland und der Türkei: Die Konflikte auf der Welt, aber auch in Deutschland selber nehmen zu. Inmitten dieser Situation feiert Friedberg am Samstag zum fünften Mal sein Internationales Freundschaftsfest mit deutscher Flötenmusik, türkischen Ölringern und Spezialitäten aus beiden Ländern. Ist das angebracht oder nur Heile-Welt-Augenwischerei? Die Initiatoren von katholischer und evangelischer Gemeinde sowie der Ditib-Moschee wollen die Probleme nicht verharmlosen.

„Wir können Friedberg verändern“

Doch sagt Gemeindemitglied Ibrahim Mestanlaroglu: „Das Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei können wir nicht verändern, aber wir können Friedberg ändern.“ Stadtpfarrer Markus Hau meint sogar: „Es gibt Stimmen, die sagen: Wie könnt ihr den jetzt zu Ditib gehen?“ Die Organisation ist umstritten, da sie vom türkischen Staat gelenkt wird. Hau aber meint: „Gerade jetzt müssen wir diesen Schritt tun.“ In Friedberg sei das Vertrauen gewachsen; es dürfe nicht in Abgrenzung um umschlagen. Auch Monika Göppel vom Vorstand der evangelischen Gemeinde sagt: „Das Fest ist wichtig, um Misstrauen abzubauen.“ Fast sinnbildlich steht dafür die der Veranstaltungsort: die Stefanstraße in Friedberg Süd. Hier steht seit hunderten von Jahren die Kirche St. Stephan. Und hier befindet sich in einer ehemaligen Videothek seit 1995 die Moschee der Türkisch-islamischen Union (Ditib). Tahsin Coskun, Vorsitzender von Ditib in Friedberg, sagt: „Kirche und Moschee sind 50 Meter auseinander. Das zeigt doch, dass es geht.“

„Radikale sind unerwünscht“

In der Tat betonen alle Beteiligten, dass Muslime und Christen in der Stadt seit Jahren regelmäßig zusammen Unternehmungen auf die Beine stellen. Angefangen habe es mit einem Internationalen Frauen-Kochkreis, Imame sind inzwischen dabei, wenn ein Neubau eingeweiht wird, die Gemeinden engagieren sich gemeinsam in der Asylarbeit. Durch Flüchtlinge stieg die Zahl der Muslime in Friedberg und Umgebung auf fast 1000; rund 600 davon sind türkischer Abstammung. Eines stellt Coskun dabei klar: „Radikale Gruppen haben hier nichts zu suchen.“

Ölringer als Attraktion

Die Gastgeber präsentieren den türkischen Nationalsport – Ölringen. Fünf Ringer vom TSV Aichach treten an – eingeölt mit Olivenöl. In der Türkei dauern solche Kämpfe mehrere Tage und ziehen die Massen an, erklären Trainer Oguz Özdemir und Ringer Tunahan Cedimoglu. Deutsche aber willkommen. So könnte das entstehen, was Stadtpfarrer Hau als Motto ausgibt: türkisch-bayerisches Crossover. Die zweite muslimische Gemeinde Friedbergs, die ihren Sitz in der Englschalkstraße hat und zum Verband islamischer Kulturzentren (VIKZ) gehört, macht nicht mit beim Freundschaftsfest. Der Vorstand habe aus zeitlichen Gründen abgesagt, heißt es. 

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