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Friedberg

23.01.2019

Friedberg hilft Bürgern, Bäume zu retten

„Bäume sind genial“ heißt die Initiative, die sich in Friedberg vor einigen Jahren gegründet hat. Anlass waren damals Baumfällungen am See. Nun hat das Bündnis durchgesetzt, dass die Stadt Friedberg ein Baumförderprogramm aufstellt.
Bild: Nantje Bischoff

Als erste Kommune im Landkreis zahlt Friedberg Grundstückseigentümern bis zu 1000 Euro pro Baum für Pflegemaßnahmen. Das ist einer Bürgerinitiative zu verdanken.

Immer wieder brachten Baumfällungen in Friedberg die Bürger auf die Palme: die Linden am Marienbrunnen, die große Weide am See, die alten Bäume am Wasserturm. Nach dem Streit um die Fällungen am See, beschloss eine Gruppe zu handeln. Sie gründeten die Initiative „Bäume sind genial“, sammelten 850 Unterschriften (davon 650 von Friedbergern), forderten die Stadt auf sich stärker für den Erhalt von Bäumen einzusetzen. Mit Erfolg.

Am Dienstag stimmte der Planungs- und Umweltausschuss des Stadtrates einem Baumförderprogramm zu. Dieses ist an das Vorbild der Stadt Schwabmünchen angelehnt und bislang einmalig im Landkreis Aichach-Friedberg. Mit dem Programm unterstützt die Stadt Grundstückseigentümer dabei, Bäume fachmännisch zu pflegen und zu erhalten. Sie können dafür bis zu 1000 Euro Unterstützung pro Baum bekommen. Damit können zum Beispiel Baumschnitt, Entfernung von Totholz, Lockerung des Bodens und ähnliche Maßnahmen bezahlt werden, die Fachleute durchführen. In dem Programm geht es insbesondere darum, ortsbildprägende Bäume zu erhalten.

Die Initiative freut sich über den Schutz der Bäume

Mehrere Mitglieder der Initiative „Bäume sind genial“, die der mittlerweile ins Unterallgäu verzogene Friedberger Naturschützer Otfried Horn initiiert hatte, waren in der Sitzung anwesend. Sie zeigten sich danach zufrieden mit dem Ergebnis, zumal der Ausschuss auch dem Antrag der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Claudia Eser-Schuberth gefolgt war, auch jüngere Bäume zu schützen. Der für die Förderung nötige Mindeststammumfang wurde von 1,50 Meter auf einen Meter (in einem Meter Höhe) verringert. Denn, wie Wolfgang Rockelmann (Parteifreie Bürger), sagte: „Man muss einen Baum jung pflegen, um ihn lange zu erhalten.“

Otfried Horn gründete die Initiative "Bäume sind genial" in Friedberg.


Dr. Ellen Polczynski, Sprecherin der Initiative, sagte nach der Sitzung: „Das ist ein erster Schritt und als Signal zu sehen. Die Stadt unterstützt die Bürger nun in ihrem Interesse für Bäume.“ Viele Grundstücksbesitzer entfernen ihrer Erfahrung nach alte Bäume, weil sie von der Pflege fachlich und finanziell überfordert sind. Dabei sei jeder Baum ein Beitrag für das Gemeinwohl. Die Initiative sieht ihre Arbeit damit aber nicht beendet. Man werde den Umgang mit Bäumen in Friedberg weiter verfolgen, kündigte Polczynski an. Sie und ihre Mitstreiter sehen sich durch das große Interesse und die Unterstützung bei ihrer Unterschriftensammlung bestätigt. Sie sammelten beim Wochenmarkt, doch auch Geschäfte, Cafés, Praxen, vereine und Kindertagesstätten verteilten Listen für den Baumschutz.

Das neue Förderprogramm in Friedberg

  • Welche Bäume? Gefördert werden ortsbildprägende, große und vitale Bäume langlebiger Arten. Das sind Arten, die in der Regel mindestens 100 Jahre alt werden. Kriterium ist auch die Sichtbarkeit von öffentlichen Flächen aus. Als vital gilt ein Baum mit ausreichend langer Erhaltungsperspektive.
  • Mindestgröße Stammumfang von einem Meter ein einem Meter Höhe.
  • Maßnahmen Gefördert werden fachliche Beratung und Begutachtung, Erhaltung bzw. Wiederherstellung der Verkehrssicherheit (z.B. Beseitigung von Totholz), Pflegemaßnahmen zur Erhaltung oder Verbesserung der Gesundheit des Baumes, Erhaltung und Verbesserung des Standortes, etwa durch Bodenbelüftung, Verpflanzung großer Bäume in Sonderfällen.
  • Förderhöhe Gefördert werden bis zu 50 Prozent der anerkannten Maßnahme. Die Obergrenze liegt bei 1000 Euro pro Baum. Über die Höhe entscheidet die Stadtverwaltung in Einvernehmen mit dem Umweltpfleger des Stadtrates. Einen Rechtsanspruch gibt es nicht.
  • Empfänger Grundstückseigentümer, natürliche und juristische Personen.
  • Auflagen Die Förderung erfolgt in der Erwartung, dass der Baum mindestens 10 Jahre erhalten bleibt. Der Besitzer darf in dieser Zeit nichts vornehmen, was dem Baum schadet.
  • Verfahren Die Anträge müssen Bürger schriftlich an die Stadtverwaltung stellen. Zu den Unterlagen gehören Lageplan, Beschreibung und Größe des Baumes (Art, Größe, Standort), Beschreibung der Maßnahmen, Angebot des Unternehmens.

Lesen Sie die Geschichte des Mannes, der die Initiative gegründet hat: Otfried Horn: Der Freund der Bäume



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