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Friedberg/Völs

09.11.2019

Friedberg und Völs feiern ihre 60-jährige Freundschaft

Beim Schlern-Kirta sind die Friedberger – hier mit Weibischof Anton Losinger – alle Jahre dabei.

1959 spielte die Blaskapelle aus Völs auf dem Friedberger Volksfest. Daraus hat sich eine Freundschaft entwickelt, die seit Generationen hält. Nun wird gefeiert.

„Lass laufen die Zeit, komm zu uns nach Völs“. So haben die Südtiroler Freunde der Stadt Friedberg schon oft Urlauber für einen Aufenthalt in ihrem schmucken Bergort am Fuße des Schlern beworben. Auch die Friedbergerinnen und Friedberger hat dieses Lebensmotto angesteckt, als im Jahre 1959 die Völser Musikkapelle beim Friedberger Volksfest mit ihrer zurückhaltenden fast scheuen Art, ihren freundlichen Marketenderinnen und ihren schönen Trachten die Herzen im Sturm nahmen. Jetzt, 60 Jahre später, ist es wieder die „Völser Musi“, die sich beim Jubiläum unter ihrem Kapellmeister Michael Vikoler mit Pauken und Trompeten in Erinnerung bringt. Und die sich auf das Zusammentreffen mit der Stadtkapelle Friedberg freut, die in all den Jahren bei Begegnungen zwischen Südtirolern und Friedbergern als Pendant stets an ihrer Seite war.

Die Südtiroler Gemeinde Völs am Schlern und die Stadt Friedberg feiern am Wochenende ihre 60 Jahre währende Freundschaft. Wir haben für Euch die schönsten Bilder aus den vergangenen Jahrzehnten.
20 Bilder
60 Jahre Freundschaft zwischen Friedberg und Völs in Bildern
Foto: Otmar Selder

Friedberg und Völs kamen aus Zufall zusammen

Eigentlich war es ja ein Zufall, dass die Völser und Friedberger zusammenkamen. Fritz Krug, der Geschäftsführer des Verkehrsvereins Friedberg, hatte über den Südtiroler Musikantenverband eine Kapelle beantragt und eine Zusage vom Klangkörper Dorf Tirol erhalten. Doch wegen aufgetretener interner Probleme wurde als Ersatz die Kapelle aus Völs am Schlern geschickt, die zum ersten Male auf „Auslandsfahrt“ war. Mit dabei damals auch die beiden späteren Bürgermeister Walter Kompatscher und der 21-jährige Sepp Kompatscher am Tenorhorn und Tuba.

Bei diesem Augusttermin im Jahre 1959 konnte der damalige Alpenvereinsvorsitzende Beppo Pöller nicht anwesend sein, stellte aber seine Junggesellenwohnung als Quartier zur Verfügung. Wenige Wochen später fuhr „der Beppo“ mit dem Motorrad über den Brenner, um in Völs denjenigen zu treffen, der „in seinem Bett geschlafen hatte“. Und Beppo Pöller war von da an zusammen mit Fritz Krug vom Verkehrsverein der Motor der Freundschaft, die sich schnell zur festen Partnerschaft entwickelte. Alois Ploner (Völs) und Joseph Hohenbleicher (Friedberg) waren die damaligen Bürgermeister, die ihre Gemeindeflaggen austauschten, eine offizielle Beurkundung fand allerdings erst später statt.

Zweifel an Freundschaft zwischen Friedberg und Völs ausgeräumt

Dass die Freundschaft so lange anhält, haben manche Protagonisten der ersten Jahre bezweifelt. Denn trotz aller schnell aufgeflammten Begeisterung zeigte sich doch, wie verschieden die Lebenseinstellungen sind. Dort die liebenswert-lockere und oft unverbindliche Grundsteinstellung der Südtiroler und auf bayerischer Seite die deutsche Genauigkeit und Pünktlichkeit. Vielleicht haben beide Seiten voneinander profitiert. Und Beppo Pöller, Alpenvereinsvorsitzender und als Stadtrat „Außenminister“ von 1960 bis 1978, würde dies als anerkanntem Vater der Partnerschaft besonders freuen.

Reinhard Pachner, der hiesige Komiteevorsitzende, ist ebenso wie Richard Scharold jetzt die Hauptbezugsperson am Fuße des Schlern. Dass die Völser Freunde (fast) alle Kompatscher heißen, war für die Beziehung nie ein Problem. Man kennt sich mit den Vor- oder Hausnamen: der Walter und der Sepp (die ehemaligen Bürgermeister), der Moar, der Schnurrer-Michi, der Helmut, oder der Weinbauer Gumpp. Und natürlich „der Arno“, der vor sechs Jahren aus dem Bürgermeister-Sessel im Rathaus als Landeshauptmann für Südtirol nach Bozen gewählt wurde.

Friedberger schätzen auch Rotwein und Speck aus Völs

Den Spöttern, die der Partnerschaft augenzwinkernd oder gar unverhohlen deshalb ihr langes Überleben andichten, weil es dort guten Rotwein, abgehangenen Speck und eine einzigartige Landschaft gibt, mag man nicht vollends widersprechen. Aber es können ohne Mühe unzählige kulturelle Begegnungen, ideenreiche Veranstaltungen und eindrucksvolle Festivitäten entgegengehalten werden. Sei es auf Schloss Prösels, auf dem Festplatz in Völs, im Wittelsbacher Schloss oder einfach irgendwo auf den Almen und Hütten beim alljährlichen „Schlern-Kirta“.

Was war das beispielsweise für ein Hallo, als die Friedberger im Jahre 2005 mit vier Omnibussen und reichhaltigem personellen und technischem „Inventar“ von Blumau aus den Berg hinaufrollten und auf dem Festplatz mit dem selbstverfassten Musical des Gymnasiums Friedberg „Liebe auf U(h)rwegen“ Begeisterungsstürme ernteten. Oder die Kunstausstellungen mit Werken von Hubert Mumelter und Otmar Winkler hier in der altbairischen Herzogstadt am Lechrain. Keine Konzerte, Jubiläumsfeiern, Dichterlesungen, Höhepunkte wie der Oskar-von-Wolkenstein-Ritt oder Begegnungen bei den Altstadtfesten gingen ohne die Verbindung der Partner über die Bühne. Und wenn in Friedberg zum Halbmarathon ausgerufen wird, sind wie vor wenigen Wochen, die Völser nicht nur mit ihrem Urgestein Hans Nössing als Teilnehmer vertreten.

Freundschaft zwischen Friedberg und Völs hat Spuren hinterlassen

Zu einer Partnerschaft gehört auch, dass man sich hilft. Über Bayerns Grenzen hinaus wurde der Schüleraustausch gewürdigt, der vom Jahre 1965 an acht Jahre lang stattfand. Friedbergs Kinder konnten das karge Leben in den Bergen kennenlernen – Völs war damals noch nicht die Fremdenverkehrsgemeinde – und die Völser Kinder gleichzeitig das „großstädtische Leben“ in Friedberg genießen. Und als bei einer Missernte im Jahre 1984 die Völser Bauern in Futternöte für ihre Tiere gerieten und an ein „Heubad“ gar nicht zu denken war, organisierte die Stadt Friedberg unter Amtsleiter Georg Kerle monatelang Heutransporte zu Sonderpreisen“ über die Alpen.

Bürgermeister Othmar Stampfer hat sich nach dem Stein vom Schlern (1984) und dem Südtiroler Brunnen (2009) für das 60-jährige Jubiläum wieder ein bleibendes Geschenk einfallen lassen, das er in der Bahnhofstraße an seinen Kollegen Roland Eichmann übergibt und enthüllen wird. Solche sichtbaren Erinnerungsstücke haben Eindruck hinterlassen. Wie auch der imposante Bildstock mit Ruhherrle, den die Stadt Friedberg vor zehn Jahren vor dem Friedhof in Völs aufstellte.

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