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Friedberg

27.11.2019

Friedberger Geschäftsfrau Schadl: Auf dem Plastikmüll sitzengeblieben

Kurz nach deren Einführung kamen viele Menschen in Aichach-Friedberg mit ihren Gelben Tonnen nicht aus. Nun gab es erneut einen strittigenFall.
Foto: Sebastian Richly (Archiv)

Plus Die Inhaberin von Feinkost Schadl in Friedberg wartete wochenlang auf einen Container. Sie klagt über den Service der zuständigen Firma.

Gabriele Schadl ist wütend. Wochenlang hat sich die Geschäftsführerin von Feinkost Schadl am Friedberger Marienplatz mit der Firma Kühl gezankt, die für den Landkreis die Gelben Tonnen verwaltet und leert. Der Grund: Mit den beiden vorhandenen Behältern für den Laden kommt sie bei Weitem nicht aus. Sie bemühte sich dann um eine schnelle Lösung – passiert ist ihr zufolge lange rein gar nichts. Die Firma Kühl sieht das aber anders: Ihr lag offenbar zunächst gar kein kein Auftrag vor. Am Mittwoch traf der Container schließlich ein.

Schadl: "Wollte schon am 10. Oktober Container für Plastik"

„Ich habe bereits am 10. Oktober eine Mail geschrieben, weil wir einen Container benötigen“, sagt Schadl. Bis zur ersten Reaktion der Firma Kühl dauerte es angeblich drei Wochen. „Das ist unverschämt“, meint Schadl. Immerhin sei ihr aber zugesichert worden, dass ein Vertreter vorbeikomme, um die Schwierigkeiten aus der Welt zu schaffen. Schadl beklagt: „Das ist aber nicht passiert.“ Bei einem erneuten Anruf sei ihr dann schroff mitgeteilt worden, dass sie sich mindestens vier bis sechs Wochen gedulden müsse.

Schadl sagt: „Wir haben jetzt in der Weihnachtszeit 500 leere Punsch-Plastikflaschen, die müssen irgendwo hin.“ Beim Landratsamt erhielt sie nach eigener Aussage die Information, sie solle den Müll in Plastiksäcke packen und an die Straße stellen. „Das sind aber etliche Säcke, das ist doch keine Lösung.“ Besonders ärgerlich sei die Situation, weil man bereits Anfang des Jahres angekündigt habe, mit den beiden Tonnen nicht dauerhaft zurande zu kommen. „Damals hieß es, das sei kein Problem. Wir müssten uns nur melden und dann werde uns geholfen“, berichtet Schadl.

Gabriele Schadl führt einen Feinkostladen in Friedberg.
Foto: Regina Winkler

Plastikmüll: Nicht nur Schadl ärgert sich mit Abfällen herum

Es handelt sich anscheinend nicht um einen Einzelfall, auch andere Ladeninhaber sind lästigen Umständen ausgesetzt. „Ich stelle bei jeder Leerung etwa drei Gelbe Säcke zusätzlich zu unserer Tonne raus“, sagt Ursula Eschbach vom gleichnamigen Friseursalon in der Ludwigstraße. „Ich würde ja auch zum Wertstoffhof fahren, aber da darf ich die Sachen nicht abliefern.“ Sie hat keinen zweiten Behälter beantragt, weil ihr dafür schlicht der Platz fehle. Eschbach findet: „So wie es ist, ist es unpraktisch.“

Nun müsse sie die Säcke extra besorgen, zudem sehe der Müll an der Straße nicht sonderlich schön aus. „Der Hausbesitzer stellt die Säcke netterweise montags für mich raus, sonst müsste ich eigens dafür her fahren“, sagt Eschbach. Sowohl die Friseurin als auch Gabriele Schadl vom Feinkostladen und ihr Mann Hubert sprechen davon, ihnen seien weitere Fälle von Geschäften und Privatpersonen bekannt, in denen nach wie vor auf die unpraktische Alternative zurückgegriffen werde.

Müllcontainer: Firma Kühl sieht "Fall Schadl" anders

Rainer Pinno, Niederlassungsleiter bei der zuständigen Firma Kühl, erzählt die Geschichte im Fall Schadl anders. „Sofort Abhilfe zu schaffen, das ist uns nicht möglich“, räumt er gleich ein. Er stellt den Verlauf im konkreten Fall aber so dar: „Der offizielle Auftrag, einen Container zur Verfügung zu stellen, kam erst am 6. November. Das liegt daran, dass Frau Schadl wütend aufgelegt hat, als wir ihr mitteilten, dass eine sofortige Bearbeitung nicht möglich ist.“ Schadl widerspricht dieser Darstellung. Sie habe schon lange die Anfrage gestellt. Die Dauer bis zur Lieferung entspreche mit drei Wochen in etwa dem Durchschnitt, so Pinno. „In der Zwischenzeit fordern wir die Leute zur Lösung mit Müllsäcken auf, das stimmt“. Der Verantwortliche verweist darauf, es gebe aktuell eine gewisse Schieflage, weil viel mehr Container genutzt würden als zunächst vom Landkreis vermutet: „Dadurch kann die Auslieferung auch mal länger dauern, wir bestellen aber regelmäßig 100er-Chargen nach.“

Wolfgang Müller, Pressesprecher des Landratsamts, stellt zudem klar, der Einzelhandel sei bei der Gelben Tonne in der Regel außen vor – ausgenommen Gewerbe, das vergleichbar wie ein Endverbraucher agiert, also Gaststätten, Kinos oder ähnliches. Das Geschäft Schadl kann die Gelbe Tonne und die Container demnach nutzen.

Noch immer Probleme bei der Leerung von Plastikcontainern

Das System ist im Wittelsbacher Land seit rund einem Jahr im Einsatz. Die Tonnen werden alle vier Wochen geleert, die deutlich größeren Container alle 14 Tage. Für Ärger hatte im Sommer bereits ein personalengpass bei der Firma Kühl gesorgt, in dessen Folge der Dienstleister die Abholungen des Mülls zeitweise nicht planmäßig durchführen konnte. Mittlerweile bewege sich die Anzahl der Reklamationen im „normalen“ Bereich, teilt Wolfgang Müller vom Landratsamt mit. Rainer Pinno von der Firma Kühl sagt: „Teilweise haben wir in Kissing noch größere Schwierigkeiten. Ansonsten stellen wir gerade wegen der höheren Zahl an Containern um. Bisher bekommen wir die Behälter manchmal einfach nicht mehr ins Auto und die Abholungen verzögern sich dadurch.“ Man werde für die Zeit ab Januar nachsteuern, die Betroffenen sollten auf den Abfallkalender achten.

Lesen Sie dazu auch den Bericht: Das hat die Gelbe Tonne im Wittelsbacher Land verändert

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