Newsticker

Söder warnt vor einer Lockerung der Corona-Regeln über Silvester
  1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Friedberger Innenstadt ohne Durchgangsverkehr

Friedberg

14.11.2018

Friedberger Innenstadt ohne Durchgangsverkehr

Fußgänger, Autofahrer, Radler und Lieferverkehr – sie alle sorgen zu den Geschäftszeiten für viel Betrieb in der Friedberger Ludwigstraße. Heute Abend diskutiert der Stadtrat darüber, ob und wie der Verkehr beruhigt werden kann.
Bild: Andreas Schmidt (Archiv)

Für Parteifreie Bürger, ÖDP und FDP ist eine Einbahnregelung die schlechteste Lösung. Vor der heutigen Sitzung werben sie noch einmal für ihre eigene Idee.

Wie geht es weiter mit dem Verkehr in der Friedberger Innenstadt? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstag (19 Uhr, Rathaussaal). Dem Vorschlag von Grünen und Teilen der SPD, die Ludwigstraße mit einer Einbahnregelung zu beruhigen, setzt die gemeinsame Fraktion von Parteifreien Bürgern, FDP und ÖDP noch einmal ihr eigenes Konzept entgegen: das „Modell der fünf Stöpsel“.

Die Idee basiert auf der Tatsache, dass die gesamte Innenstadt bereits jetzt als verkehrsberuhigter Geschäftsbereich mit Parkgebühren ausgewiesen und nur über fünf Straßen erreichbar ist. Dies sind der Friedberger Berg, die Bahnhofstraße, die Haagstraße, die Äußere Ludwigstraße und die Burgwallstraße. Man könnte also die Zufahrt nur mit fünf versenkbaren Pollern oder Schranken absperren. Anwohner und Geschäftsleute, die bisher schon Parkausweise bekommen, sollen mit einer Chip- oder Induktionskarte weiterhin freie Fahrt haben. Alle anderen ziehen wie in einem Parkhaus zum Hineinfahren ein Kärtchen und suchen sich einen Parkplatz. Ohne sich von vorneherein auf die Dauer des Aufenthalts festlegen zu müssen, wie es derzeit notwendig ist, bezahlt man erst vor der Ausfahrt die Parkgebühr.

Die Vorteile des Konzepts

Das System könnte Schritt für Schritt weiter ausgebaut werden. „Dauerkarten in Verbindung mit Jahreskarten für den ÖPNV für Friedberger Familien oder ein Bonussystem der Geschäfte sind nur Beispiele“, erläutert Fraktionschef Wolfgang Rockelmann, der die Idee entwickelt hat. Solche Systeme seien flexibel und würden allen Forderungen nach Rabatten, zeitlich unterschiedlicher Preisgestaltung, Semmeltaste etc. gerecht. Weitere Standorte und Systeme versenkbarer Poller könnten Wohnquartiere schützen oder temporär einzelne Bereiche für Veranstaltungen absperren Rockelmann zählt die Vorteile dieses Konzepts auf:

- Der Durchgangsverkehr wird unattraktiv, während weiter alle Geschäfte, Büros und Wohnungen erreichbar sind.

- Die Parkplätze bleiben erhalten und damit auch die Einnahmen der Stadt aus den Parkgebühren

- Die Kunden und Besucher können Parkgebühren vor der Ausfahrt bezahlen, was bisher nicht möglich ist.

Die von den Grünen und 3. Bürgermeisterin Martha Reißner vorgeschlagene Einbahnregelung in der Ludwigstraße greift nach Rockelmanns Vorstellung zu kurz. Im Gegenteil werde dadurch mehr Verkehr erzeugt, wenn die Autos um die Innenstadt herumfahren müssen. Rockelmann zitiert Altbürgermeister Albert Kling: „Er hatte den Spruch: ,Was die schlechteste Lösung ist, das machen wir nicht‘.“ Allerdings höre man gerade von dieser Lösung – nämlich der Einbahnregelung – immer wieder bei Lobbyvertretern und im politischen und vorpolitischen Raum. Seine Fraktion wolle hingegen nochmals eine ganzheitliche Betrachtung anregen.

Missglückter Versuch mit der Fußgängerzone

Neu ist der Vorstoß von Parteifreien, FDP und ÖDP allerdings nicht. Bereits nach dem missglückten Versuch mit der temporären Fußgängerzone im August 2014 hatte sich der Stadtrat nach längerer Bedenkzeit mit den Möglichkeiten einer Verkehrsberuhigung auseinandergesetzt. Dank einer Pattsituation – mehrere Ratsmitglieder waren krank – gab es jedoch für keinen der Vorschläge eine Mehrheit.

13 Stimmen von SPD, Parteifreien, Grünen, ÖDP und FDP entfielen auf den Vorschlag, die Konzepte zur Verkehrsberuhigung mit einem Fachmann zu untersuchen und dann gemeinsam mit den Bürgern zu entscheiden, wohin der Weg führen soll. Und ebenfalls 13 Stimmen gab es für den Antrag von CSU und Freien Wähler, die bestehende Verkehrsregelung grundsätzlich beizubehalten und nur an Details zu feilen. Damit erhielt keiner von beiden eine Mehrheit. Zweiter Bürgermeister Richard Scharold (CSU), der die Sitzung in Vertretung des ebenfalls erkrankten Bürgermeisters Roland Eichmann (SPD) leitete, nahm das als Auftrag an die Verwaltung, sich über das weitere Vorgehen Gedanken zu machen.

Friedberger Einzelhandel fürchtet Einbußen

Geschehen ist seither jedoch nichts. Ängste des Einzelhandels vor Umsatzeinbußen und die Sorge der Anwohner in den Nebenstraßen vor zusätzlichem Verkehr brachten die Debatte zum Erliegen. Mit Blick auf die bayerische Landesausstellung im Jahr 2020 lebt das Thema wieder auf – auch wenn im Stadtrat es keine eindeutige Präferenz für die eine oder andere Lösung gibt. Bürgermeister Eichmann schlägt darum eine Bürgerbefragung vor, bei der verschiedene Varianten zur Abstimmung stehen. Bei einem – nicht repräsentativen – Online-Voting unserer Zeitung hatten sich zwei Drittel der Teilnehmer für die Beibehaltung der bestehenden Verkehrsregelung ausgesprochen.

Auch die Geschäftswelt hat sich inzwischen klar positioniert: Laut einer Befragung des Aktivrings sieht der überwiegende Teil des Einzelhandels eine ungehinderte Zufahrt in die Innenstadt als wichtig an (siehe Infokasten). Die Umfrage halte zwar den wissenschaftlichen Standard „repräsentativ“ nicht stand, könne aber angesichts der großen Zahl der befragten Gewerbetreibenden in der Innenstadt und der beachtlichen Zahl an Rückantworten als gutes Stimmungsbarometer für den Innenstadthandel angesehen werden, erklärt Manuel Weindl, der sich bei der Friedberger Werbegemeinschaft um die Belange der Innenstadt kümmert: „Gefühlt war das auch immer der Tenor in informellen Einzelgesprächen in der Vergangenheit.“

Lesen Sie auch die Ergebnisse der Aktivring-Umfrage: „Das sagt der Friedberger Einzelhandel

Unser Kommentar zur Verkehrsberuhigung: „Patentlösung für Ludwigstraße nicht in Sicht

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren