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Friedberg

07.08.2020

Friedberger Kinder fechten - zum Ärger von Anwohnern

Die Friedberger Jugendlichen beim Fechten mit ihren selbst gemachten "Prompfen".
Bild: Lucas Schmidt

Plus In Friedberg beschweren sich Anwohner über gegeneinander kämpfende Kinder, die sich nicht immer richtig verhalten haben sollen. Dabei betreiben sie eine Sportart.

Es ist ein wenig wie Fechten, nur dass keine spitzen Degen zum Einsatz kommen. Die „Waffen“ erinnern eher an überdimensionale Ohrstäbchen und heißen Pompfen. An beiden Enden haben sie Polster aus Schaumstoff, in der Mitte einen Griff aus Plastik. Verletzen kann man sich damit kaum. So sagt es zumindest Jakob. Er ist eines von etwa 20 Kindern, die sich nachmittags an der Friedberger Max-Rimmele-Straße treffen und miteinander fechten.

Wobei fechten der falsche Begriff ist, richtig heißt es Jugger und ist eine Sportart. Zugegeben eine kaum bekannte, dennoch erfreut sie sich dank des Spielfilms Die Jugger – Kampf der Besten aus dem Jahr 1989, mit Rutger Hauer in der Hauptrolle, einer wachsenden Beliebtheit. Der Regisseur und Drehbuchautor David Webb Peoples hatte das Spiel für die Handlung des Films erfunden. Dabei fechten zwei Mannschaften gegeneinander. Ziel ist es, ein Tor zu erzielen. Dies gelingt, indem man den Spielball, den Jugg, in das gegnerische Tor befördert. Mit den Pompfen müssen die Spieler ein Tor verhindern. Mittlerweile wird die Sportart sogar in einem Ligensystem organisiert, besonders viele Spieler gibt es in Australien. Das Land hat auch eigene, modifizierte Regeln.

Fechten wird zum Sport für Friedbergs Kinder

Auch Peter Kürschner betreibt diese Sportart mit Leidenschaft. Der Familienvater wohnt ebenfalls in Friedberg und hatte mitbekommen, dass die Kinder in ihrer Gruppe einen Jungen ausschlossen, oft auch hänselten. Dann kam der Lockdown, die Corona-Pandemie breitete sich wie ein Lauffeuer aus. Viele Kinder blieben gezwungenermaßen zu Hause, viele Möglichkeiten zum Spielen hatten sie nicht. Da kam Kürschner auf die Idee, gemeinsam mit den Kindern die Pompfen herzustellen, anstatt sie vor dem Computer sitzen zu lassen. „Es war ein Gemeinschaftsprojekt“, sagt Kürschner, der auch an der Volkshochschule Fechtkurse anbietet.

Friedberger Kinder fechten - zum Ärger von Anwohnern

Und das kam so gut bei den Kindern an, dass immer mehr von ihnen sich einen Pompfen basteln und miteinander fechten wollten. Sogar ein zweiter Kurs kam so zustande, weil die Nachfrage irgendwann zu groß wurde. Jetzt sind die Kinder eine Gemeinschaft, unternehmen auch neben dem Sport gemeinsam etwas. „Es wird keiner mehr ausgeschlossen“, sagt Jakob, der Sport habe die Jungs und Mädchen zusammengeschweißt. Mobbing sei kein Thema mehr unter den Kindern.

Gefährlich ist der Sport indes nicht. Zum einen sind die Pompfen gut gepolstert, so werden die Schläge abgefedert. Zudem sind Schläge ins Gesicht, von hinten und unterhalb der Gürtellinie verboten.

Anwohner beschweren sich in Friedberg über "kämpfende" Kinder

Was sie dennoch etwas irritiert habe, ist die Beschwerde von Anwohnern. Sie seien schon von bestimmten Plätzen weggeschickt worden, sagen die Kinder. Danach seien sie dort aber nicht mehr hingegangen. Auch gibt es Anwohner, die sagen, die Kinder hätten des Öfteren in Vorgärten gepinkelt, was sie strikt von sich weisen. „Auch Sachbeschädigung ist für uns indiskutabel“, sagt Jakob.

Es ist für die meisten einfach ein Weg, etwas zusammen zu unternehmen und als Gruppe zusammenzuwachsen. Insofern habe Corona auch etwas Gutes gehabt, denn die Langeweile ist nun Vergangenheit, auch wenn die Kontaktbeschränkungen immer mehr gelockert werden. „Wir wollen unsere Zeit nicht vor dem Computer, der Konsole oder dem Fernseher verbringen“, sagt Jakob. Mit Jugger ist das auch nicht mehr nötig. Nun haben die Schüler Sommerferien. Dann bleibt noch mehr Zeit, um von früh bis spät mit Pompfen zu fechten.

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