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Kunst in Friedberg

17.11.2019

Friedberger Künstler ist in Kissing erfolgreich

In der Kunst ist Michael Merkl zu Hause: Stolz zeigt er sein Selbstporträt und den Philosophen Friedrich Nietzsche sowie seine lebensgroße Griechin aus Holz aus seiner umfangreichen Sammlung her.
Foto: : Sabine Roth

Plus Mit seiner Nofretete, die er aus dem Ast eines Olivenbaumes gefertigt hat, gewann Michael Merkle aus Friedberg den Förderpreis der Nachbargemeinde. Wie er zur Bildhauerei kam.

Erfolg und Können stehen in der Kunst nicht immer in engem Verhältnis, findet Michael Merkle. Er hat sich darum sehr gefreut über den mit 1000 Euro dotierten Kunstförderpreis der Gemeinde Kissing, mit dem seine aus Olivenholz gearbeitete, geölte und mit Blattgold verzierte Skulptur der Nofretete ausgezeichnet wurde. Eine Arbeit übrigens, mit der Merkle selbst auch zufrieden war. „Und man ist nicht immer von seiner Kunst überzeugt“, sagt der 63-jährige Autodidakt.

Beigebracht hat sich der Bildhauer in Sachen Kunst so ziemlich alles selbst. Kunst sieht er im Sinne Schopenhauers und Nietzsches, deren Köpfe er aus Holz geschnitzt hat. Nun stehen sie bei ihm im Wohnzimmer im Regal nebeneinander.

„Diese Philosophen stellten lange vor Freud den tatsächlichen Menschen mit seinen Trieben und Leidenschaften in den Mittelpunkt und nicht den Menschen, wie ihn die Aufklärung sah. Vernunft und Moral haben die Welt nicht besser gemacht“, sagt Merkle. „Der Vorgang des Sehens und die Frage, inwieweit es mir gelingt, das innere Bild mit den Händen zu reproduzieren, das ist für mich bildende Kunst.“

Merkle überzeugt die Jury in Kissing

Eine Skulptur ist für ihn gelungen, wenn sie im Betrachter ähnliche Empfindungen weckt, wie sie der Künstler beim Schaffensprozess hat. Bei der Nofretete ist es Merkle gelungen, auch die Jury zu überzeugen. Und zwar mit seiner gezielten Auswahl der Materialien und die künstlerisch wertvolle und aufwendige Bearbeitung des Holzes.

Die meisten Figuren, die bei ihm im Regal stehen, zeigen einen nackten Mensch. Warum eigentlich? „Mich interessiert der Mensch, der in dieser absurden Welt nicht zu Hause ist, jedoch dieser Welt die Stirn bietet. Und der nackte Mensch ist reduziert auf sich selbst, hat keinen Anzug an, um zu täuschen. Deshalb sind meine Skulpturen meistens Akte“, erklärt der Künstler.

Und als Mann interessiere ihn der weibliche Körper, schmunzelt er. Deshalb seien seine Skulpturen überwiegend Frauen. „Weil sich Lebenskraft in der Erotik manifestiert, sollte Kunst erotisch sein.“ Ihn interessiert, wie die tatsächliche Form und die erotische Ausstrahlung einer Figur korrelieren, unabhängig von Mode und Gewohnheit. Meistens verwende er dazu Holz als Werkstoff, weil auch das ein erotisches Material sei.

Zaunlatte wird zur Frauenfigur

Zur Bildhauerei kam der Maschinenbauingenieur vor rund 30 Jahren, als er an einem Bandscheibenvorfall litt und ihm über Weihnachten langweilig war. Sein Vater brachte ihm ein Schnitzmesser vorbei und er probierte es aus. „Die erste nackte Frauenfigur fertigte ich aus einer Zaunlatte. Als Vorlage hatte ich eine Zeichnung aus einem Kunstbuch“, erzählt Merkle. Kunst sei eine Methode, sich unserer Welt mittels der Sinne zu nähern, genauso wie Bergsteigen. Denn als junger Mann war Merkle als Extrembergsteiger aktiv. Im Ausdauersport konnte er sich so richtig auspowern vom Büroalltag.

„1980 habe ich die Eigernordwand bestiegen. Jedes Wochenende war ich in den Bergen. Das war mein way of life.“ Bewegung war für ihn das A und O, bis er es nicht mehr so extrem betreiben konnte und er Probleme mit den Händen und der Halswirbelsäule bekam. So hatte er aus der Not eine Tugend gemacht und sich der Kunst gewidmet.

Seine Arbeiten finden Käufer

Ihm gefällt, dass er in der Kunst etwas Eigenes und Kreatives schaffen könne und dem Kodex anderer Menschen nicht ganz so unterlegen sei. Aber auch weil hier die Provokation mitspiele. Seine Frau Isabella steht ihm bei den Figuren als Malerin zur Seite. Sie überredete ihn vor 20 Jahren, mit seinen Figuren bei Kunstausstellungen und dem Skulpturenpfad in Friedberg mitzumachen. „Als einer der wenigen Künstler habe ich meine Figur zu einem guten Preis verkaufen können. Das hat mich motiviert, weiterzumachen“, lacht Merkle.

Inzwischen ist er in Altersteilzeit, steht aber trotzdem jeden Tag um 7 Uhr auf. Im Winter übt er sich als erstes im Qigong, im Sommer setzt er sich aufs Rennrad. Nach dem Frühstück geht er dann in seine Werkstatt und widmet sich seinen Kunstobjekten. Seiner Frau hilft er gerne beim Kochen und viel Zeit wendet der Friedberger fürs Lesen auf, vor allem philosophische Bücher haben es ihm angetan. Dazu schaut er sich gerne wissenschaftliche Vorlesungen auf Youtube an.

Auch das Schreiben hat Michael Merkle für sich entdeckt

Parallel zur Kunst hat er sich noch das szenische Schreiben angeeignet. Gerne schreibt er über seine Zeit als Bergsteiger in den Jahren 1971 bis 1981. So vergehe die Zeit wenigstens schneller.

Lesen Sie dazu auch unseren Bericht Die mysteriöse Schöne überzeugt die Jury in Kissing

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