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Klauende Asylbewerber?

29.09.2015

Friedberger Supermarkt-Inhaber wehrt sich gegen Gerüchte

Michael Wollny vom Edeka-Supermarkt in Friedberg hat auf Facebook klargestellt, dass bei ihm Asylbewerber nicht stehlen.
Bild: Andreas Schmidt

In ganz Deutschland wird wahrgenommen, dass Supermarkt-Inhaber Wollny sich schützend vor Asylbewerber stellt. Seine leise Stimme wird gehört.

Bundesweit macht es gerade die Runde, dass sich ein Friedberger Supermarkt-Inhaber mit Worten schützend vor Asylbewerber gestellt hat. Mit seinem entsprechenden Facebook-Beitrag war es Michael Wollny zunächst nur darum gegangen, ein falsches Gerücht aus der Welt zu räumen.

Eine Kundin hatte bei ihm nachgefragt, was denn daran sei, was gerade in Friedberg die Runde macht: „Bei Edeka Wollny klauen die Asylanten den Laden leer. Aber die Medien dürfen es nicht berichten, damit keine Unruhe aufkommt.“ Michael Wollny versicherte zunächst gegenüber der Kundin, dass nichts Wahres dran ist.

Selber hat er beste Erfahrungen gemacht

Mit den hier lebenden Asylbewerbern habe er vielmehr beste Erfahrungen gemacht: „Die Asylbewerber, die bei uns einkaufen, erlebe ich als kultivierte und größtenteils gebildete Menschen, die dankbar sind, wenn sie ein paar Tipps oder Hilfe bei der Aktivierung ihrer SIM-Karten bekommen.“ Das Thema beschäftigte ihn aber weiter. Am Abend entschied sich der 44-Jährige, die Angelegenheit auch auf Facebook noch einmal öffentlich klarzustellen. Dass er schockiert darüber war, dass Unwahres einfach weiter verbreitet wird, merkt man einem Satz besonders an: „Wer dieses Märchen unreflektiert aufnimmt und weiter erzählt, der erzählt absoluten Bullshit!“ Bis heute rätselt Wollny, wie das Gerücht in die Welt gekommen ist: „Ich habe keine Antwort darauf.“

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Eigentlich dachte der Supermarkt-Inhaber, dass dies hauptsächlich in Friedberg interessieren würde. Doch seine Klarstellung verbreitete sich im Internet schnell weiter. In den vergangenen Tagen haben beispielsweise Focus.de und Huffingtonpost die Angelegenheit aufgegriffen. Auf Facebook hinterließen über 1000 Nutzer Kommentare.

Michael Wollny sieht sich nicht als Sozialromantiker

Was Wollny da losgetreten hat, hatte er nicht annähernd geahnt. In jeder freien Minute schaut er derzeit, was sich da abspielt. Der Supermarkt-Inhaber beantwortet Fragen, stellt sich Kritik und ruft gegebenenfalls zur Mäßigung auf. Nur in einem Fall sah er sich gezwungen, etwas gegen die Verbreitung rechtsradikaler Parolen zu unternehmen. Andere Meinungen will Wollny aber ausdrücklich gelten lassen. Sich selbst sieht er nicht als Sozialromantiker. Und weiß um Herausforderungen, die die Flüchtlinge mit sich bringen.

Sollte er doch zum ersten Mal einen Asylbewerber bei einem Diebstahl ertappen, werde sein Weltbild nicht aus den Fugen geraten. In den elf Jahren, in denen er den Edeka betreibt, wurden auch schon eine Oma und Grundschul-Kids beim Stehlen erwischt. Entscheidend ist für Wollny, dass Menschen nicht mit Pauschalurteilen über einen Kamm geschert werden dürfen. Und der 44-Jährige vertritt die Ansicht: „Wer sich willkommen fühlt, hat keinen Grund, sich schlecht zu benehmen.“

Michael Wollny hofft, dass seine Beiträge zum Nachdenken anregen. Ihn hat es gefreut, dass seine eher leise Stimme in Zeiten einer überhitzten Asyldiskussion Gehör gefunden hat. Er ist überzeugt, „dass ein Chor von leisen Stimmen das Laute in unserer Welt übertönen kann.“ Mit einem Aufruf auf Facebook zur „Aktion leise Stimme“ ermuntert er unter anderem dazu, von persönlichen Erfahrungen mit anderen Menschen zu sprechen, andere Meinungen zuzulassen, ohne sie wegzudiskutieren, besonnen und höflich zu bleiben, sich Ängsten zu stellen und ein Lächeln zu schenken.

Gefreut hat sich Wollny auch schon über ein Online-Lob von Friedbergs Bürgermeister Roland Eichmann: „Gut, dass Menschen wie Michael Wollny mit seinem Edeka-Markt üblen Gerüchten entgegentreten.“

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