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Aichach-Friedberg

04.07.2019

Friedbergerin: „Tiere sterben, wenn ich Fleece-Jacke trage“

Leonie Prillwitz engagiert sich bei „Fridays for Future“.
Bild: Jugend forscht

Die Bewegung „Fridays for Future“ zeigt das große Interesse von Jugendlichen für den Umweltschutz. Leonie Prillwitz aus Friedberg engagiert sich seit Jahren.

Die 15-Jährige Leonie Prillwitz aus Friedberg setzt sich seit Jahren für die Umwelt ein. Gerade hat sie sowohl den Regional- als auch den Landeswettbewerb von „Jugend forscht“ gewonnen und es dadurch bis auf die Bundesebene geschafft. Außerdem erhielt sie den Umweltpreis des Landkreises Aichach-Friedberg und einen Hauptpreis beim Bundesumweltwettbewerb. Sie ist zudem nominiert für den Deutschen Engagementpreis. Opa Busso ist Ingenieur und bei technischen Fragen Leonies erster Ansprechpartner. Im Gespräch mit K!ar.Text erklärt sie ihren Einsatz für die Umwelt.

Für "Jugend forscht" erfand Prillwitz Mikrofaserfilter

Leonie, beschreib doch für uns in einfachen Worten, was Du für „Jugend forscht“ entwickelt hast.

Leonie Prillwitz: Einen Filter für die Waschmaschine, der die Mikrofasern, die sich beim Waschen aus der Kleidung lösen, herausfischt.

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Wozu ist das wichtig?

Prillwitz: Es gibt natürliche und synthetische Mikrofasern. Die Synthetischen bauen sich sehr, sehr langsam ab. Sie gelangen über das Abwasser letztlich in die Umwelt. Ich habe Stichproben genommen und festgestellt, dass tatsächlich große Rückstände selbst nach der Verarbeitung in den Kläranlagen zurückbleiben.

Friedbergerin Prillwitz: "Tote Fische wegen Mikroplastik"

Der Umweltschutz ist bei jungen Leuten gerade ein riesiges Thema. Warum hast Du Dir diesen Aspekt rausgesucht und daran gearbeitet?

Prillwitz: Man kennt ja die Bilder von tausenden toten Fischen im Meer. Die sterben zu einem großen Teil an Mikroplastik und darunter fallen auch die synthetischen Mikrofasern.

Wie kamst Du auf die konkrete Idee, die Du dann umgesetzt hast?

Prillwitz: Ich mache schon seit Jahren bei „Jugend forscht“ mit. Ich hatte dann ein Vorprojekt, was schon in die Richtung ging. Mit einer Freundin habe ich daraufhin geschaut, wie ich meine Wäsche mit möglichst wenig Mikrofasern waschen kann. Es gab ein ähnliches „Jugend forscht“-Projekt aus einem der Vorjahre, an dem ich mich auch stark orientiert habe. Die Gruppe hatte schon festgestellt, dass Mikroplastik an ganz verschiedenen Stellen auftaucht und schadet. Selbst an Stränden ist es zu finden.

Mikrofaserfilter von Friedbergerin bald in Waschmaschinen?

Konntest Du das ganze Projekt alleine durchziehen oder hast Du Dir Hilfe gesucht?

Prillwitz: Die Betreuungslehrerin an der Schule hat meine Arbeit dazu immer wieder durchgelesen und mir Hinweise gegeben. Ansonsten lief das alles zu Hause in der Waschküche ab. Mein Opa hat mich netterweise immer zum Baumarkt gefahren, um Material zu besorgen.

Gibt es Pläne für weitere Projekte?

Prillwitz: Toll wäre es, meine Erfindung jetzt auch tatsächlich in Waschmaschinen zu integrieren, sowohl bei neuen Modellen als auch als Nachrüstsatz.

Prillwitz: "Mache meine Freunde auf Kleinigkeiten aufmerksam"

Wie setzt Du Dich im Alltag für die Umwelt ein?

Prillwitz: Ich nutze zum einen den Mikrofaserfilter im Alltag zu Hause. Außerdem versuche ich, nicht mehr Kleidung als nötig zu kaufen. Man muss nicht jeden Monat neue Sachen shoppen und vor allem achte ich darauf, welche Stoffe dort verarbeitet wurden. Eine tolle Möglichkeit, die gerade wieder im Kommen ist, sind auch Second-Hand-Läden.

Wie sieht es in Deinem Umfeld aus, haben Deine Freunde auch ein Bewusstsein für nachhaltiges Verhalten?

Prillwitz: Ja, auf jeden Fall. Gerade „Fridays for Future“ hat ja auch gezeigt, dass da ein großes Interesse besteht. Ich bemühe mich, meine Freunde ab und zu mal auf Kleinigkeiten aufmerksam zu machen. Durch mein Projekt ist mir noch einmal stärker bewusst geworden, wie weitreichend die Folgen von unserer Lebensweise sein können. Im Extremfall sterben Tiere, weil ich im Winter mit einer Fleece-Jacke auf dem Sofa sitze.

15-Jährige Prillwitz aus Friedberg unterstützt "Fridays for Future"

Wie stehst Du grundsätzlich zu den Protesten im Rahmen der Bewegung „Fridays for Future“?

Prillwitz: Ich nehme an Veranstaltungen teil und habe auch schon Reden dort gehalten. Leider sieht man dort auch verschiedene Extreme. Die einen wollen alle zu Vegetariern machen, andere den sofortigen Braunkohleausstieg. Es ist nicht leicht, da den richtigen Mittelweg zu finden und das zu bündeln. Die Bewegung stellt zwar offizielle Forderungen, aber die Unterschiede in den Positionen sind schon sehr groß.

Findest Du es okay, die Schule für das Demonstrieren zu schwänzen?

Prillwitz: Es erregt halt einfach Aufmerksamkeit. Hätte man das nach Schulschluss gemacht, wäre der Aufschrei nicht so ausgefallen wie auf diese Art und Weise.

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