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Abkürzung zur B 300

29.08.2017

Frustrierte Anwohner in Friedberg: Zu viele Autos nutzen Schleichweg

Die enge Schillerstraße ist seit Jahren ein Problemkind der Stadt. Die Anwohner klagen über das hohe Verkehrsaufkommen vor ihrer Haustüre.
Bild: Elisa Glöckner

Viele Autofahrer nutzen das Wohngebiet in Friedberg-Nord als Abkürzung zur B 300. Nun will die Stadt mit eingezeichneten Parzellen das Parken regulieren. Die Anwohner protestieren.

Die Anwohner der Schillerstraße sind frustriert. Seit Jahren wird ihr Wohngebiet als Umgehung der Bundesstraße 300 benutzt. Nun plant die Stadt Parkflächen einzuzeichnen, um dem Schleichverkehr die Durchfahrt zu erleichtern – so scheint es zumindest in den Augen der Anlieger. „Warum sollen wir die Leidtragenden sein?“, machen sie in einem Brief an Bürgermeister Roland Eichmann ihrem Ärger Luft.

Für Jutta-Elena Ranzinger und ihre Nachbarn ist die Verkehrssituation vor ihrer Haustür nicht tragbar. Es sei bekannt, dass das Quartier als Abkürzung gilt, sagen die Anwohner. „Auch wenn der Friedberger Berg oder die Innenstadt wegen Veranstaltungen für den Verkehr gesperrt sind, ist das Fahrzeugaufkommen bei uns erhöht“, heißt es in ihrem Schreiben.

1996 wurde die Schillerstraße versuchsweise gesperrt

Das Problem in der Schillerstraße ist kein neues. So ließ der damalige Bürgermeister Albert Kling im Jahr 1996 die Straße versuchsweise sperren, um den Schleichverkehr zum See und den umliegenden Gasthäusern zu unterbinden. Der Versuch scheiterte, der Stadtrat stimmte dagegen. „Friedberg stand Kopf, weil man hier nicht mehr durchfahren konnte“, erinnert sich Jutta-Elena Ranzinger.

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Und auch heute noch ist das Problem präsent. „Unsere Straße wird übermäßig von Polizei und Verkehrsüberwachung kontrolliert“, erklärt Ranzinger. Dabei verstießen die abgestellten Bewohnerfahrzeuge – darunter ein Wohnmobil und ein Wohnwagen – nicht gegen die Straßenverkehrsordnung, denn sie seien ordnungsgemäß gemeldet. Dennoch gebe es immer wieder Beschwerden – mit der Begründung, dass geparkte Autos Rettungsfahrzeuge behinderten. „Es heißt immer, die Feuerwehr komme nicht durch“, sagt Ranzinger. Ein Vorwurf, den die Anwohnerin so nicht bestätigen kann.

„Es ist für uns nicht nachvollziehbar, dass große landwirtschaftliche Fahrzeuge, teilweise mit Anhänger, die diversen Müllfahrzeuge sowie Fahrzeuge mit großen Pferdeanhängern gut durch die Straße kommen, es hingegen unserer örtlichen Feuerwehr sowie dem Rettungsdienst angeblich nicht möglich ist, bei uns durchzukommen“, heißt es in dem Brief.

Anwohner sehen Gefahr beim Überqueren der Schillerstraße

Doch der Schleichverkehr birgt weitere Probleme. Die Schillerstraße befindet sich in einer verkehrsberuhigten Zone, in der eine Geschwindigkeitsbegrenzung von Tempo 30 und Rechts-vor-Links gelten. „Es hält sich aber kaum einer daran“, klagt Jutta-Elena Ranzinger. Vor allem für Kinder sei das gefährlich. Nicole Schwank ist fünffache Mutter und ebenfalls Anwohnerin der Schillerstraße. Sie betont: „Wo gewohnt wird, da wird gelebt.“ Die Straße mit ihrem Nachwuchs zu überqueren, sei zu gewissen Stoßzeiten schier unmöglich. „Wenn die Menschen vom Baggersee nach Hause fahren, stehe ich hier teilweise fünf Minuten“, erklärt sie. Mit dem Auto kurz vor dem Haus zu halten, um die Kinder auszuladen, sei keine Option. In solchen Fällen werde gedrängelt, gehupt und Fahrer weichen über den Gehweg aus, so Schwank. „Was muten die uns Anwohnern zu?“, fragt die Mutter.

Nun will die Stadt Parkflächen einzeichnen. Die Anwohner sehen darin eine Verlagerung der Parkproblematik auf Seitenstraßen und ein Einknicken vor Beschwerden von Durchfahrenden. Sie fühlen sich nicht gehört. „Es ist enttäuschend“, findet Nicole Schwank. „Die ständigen Beschwerden der Autofahrer, die keine Toleranz uns gegenüber haben. Jetzt müssen wir auch noch bei den Parkplätzen den Kürzeren ziehen. Unsere Probleme werden ignoriert.“

Parkflächen sollen Situation verbessern

Eichmann kann den Unmut der Anwohner über die Verkehrssituation nachvollziehen. „Eine Lösung wird es hier nicht geben. Allerdings können Verbesserungen herbeigeführt werden“, sagt er. Einige davon hat die Stadt in der Vergangenheit versuchsweise getestet, darunter ein einseitiges Halteverbot. Auf Drängen der Anlieger wurde das aber wieder abgeschafft.

Um eine Entschleunigung des Verkehrs in der Schillerstraße zu erreichen, sollten Anwohner ihre Fahrzeuge als „mobile Hindernisse“ versetzt parken. Die Folge: „Es kamen Beschwerden von der Landwirtschaft und der Feuerwehr“, so Eichmann. Auf Wunsch der Anwohner sollten die Parkflächen nun eingezeichnet werden. Dazu habe der Bürgermeister zunächst keine Rückmeldung erhalten. Auf erneutes Anfragen hin seien die Reaktionen der Anlieger auseinander gegangen. „Sie scheinen sich nicht einig zu sein“, meint er. Aber die Stadt arbeite daran.

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