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10.07.2015

Für ein paar Stunden das Leid vergessen

Gudrun Kölz zeigt den Bewohnern der Asylunterkunft in Unterbergen den Umgang mit der Nähmaschine.
Bild: Eva Weizenegger

Gudrun Kölz rückt in Unterbergen mit ihren Nähmaschinen an und arbeitet zusammen mit den Flüchtlingen

Wie das Schnurren eines Katers hört sich die Nähmaschine an, wenn Ammar den Stoff unter die Nadel schiebt. Er hat sich einen hellen Stoff mit Autos ausgesucht und will ein Utensilo für seinen Krimskrams nähen.

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Der zehnjährige Bub kommt aus Syrien und ist mit seiner Familie nach wochenlanger Flucht in Unterbergen gelandet. Dort lebt er mit 30 weiteren Flüchtlingen im ehemaligen Bauernhof der Familie Resele. Gudrun Kölz hat sich mit ihren zehn Nähmaschinen von Schmiechen nach Unterbergen aufgemacht, mehrere Stoffreste zusammengesucht und zeigt zusammen mit ihrer Freundin Stefanie Kroth aus Kissing dem kleinen Ammar und sechs weiteren jungen Männern und Frauen, wie sie mit nur wenigen Handgriffen kleine Täschchen und Schlüsselanhänger nähen können.

Sonst ist Gudrun Kölz viel beschäftigt mit ihrem Verein „vina Lust auf Nähen“, als sie davon erfuhr, dass der Helferkreis Unterstützer sucht, bot sie sich spontan an. „Ich bin beruflich zwar so sehr eingespannt, dass ich mich nicht täglich um die Neuankömmlinge kümmern kann, aber ich hoffe, dass ich ihnen mit meinem Handwerk ein bisschen etwas vermitteln kann“, sagt sie.

Für ein paar Stunden das Leid vergessen

Schon hat sich Maha an eine Nähmaschine gesetzt und zieht energisch den Stoff durch. „Oh, alles schief“, sagt die 43-Jährige aus Syrien und blickt verzweifelt zu Gudrun Kölz. Mit sicheren Handgriffen trennt die Schmiechenerin die Naht auf und erklärt in aller Ruhe, mit welchen Tricks das Utensilo doch noch ein richtiges kleines Schmuckstück wird.

Für drei Stunden vergessen Maha und Ammar aus Syrien, Adan, Khaar und Ali aus Somalia ihre Erlebnisse. Sie sind konzentriert bei der Sache und nähen. „Ich finde das eine ganz tolle Leistung, denn in ihren Herkunftsländern ist Handarbeit meist gleichzusetzen mit Frauenarbeit“, sagt Gudrun Kölz.

Wenig später kommen noch weitere Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft zum Nähkurs. Spontan entscheidet sich ein junger Mann, dass er sein T-Shirt umnähen will. Auch dabei unterstützt ihn Gudrun Kölz. „Es hat uns allen richtig viel Spaß gemacht und ich werde sicher wieder meine Nähmaschinen ins Auto laden und mich nach Unterbergen aufmachen“, verspricht Gudrun Kölz. Sie ist schon gespannt darauf, welche neue Ideen diesmal zusammen mit der Nähgruppe verwirklicht werden.

Ein Problem gibt es aber: Das Spendenkonto des Helferkreises leert sich zusehends und müsste dringend mal wieder gefüllt werden, um Bastelmaterial für die Kinder und manches andere finanzieren zu können.

Spenden für die Arbeit mit den Flüchtlingen in Unterbergen, Stichwort/Verwendungszweck: „Flüchtlingshilfe Unterbergen“; Konto der Gemeinde Schmiechen, Raiffeisenbank Kissing-Mering eG, IBAN DE43 7206 9155 0000 9141 00. Bei Angabe einer vollständigen Anschrift erhalten Geldgeber eine Spendenquittung.

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