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Mering

15.06.2019

Für fünf Minuten von Mering nach New York

Michael Ostermann unterstützt Veränderungsprozesse bei Unternehmen und Privatpersonen.
Bild: Peter Stöbich

Michael Ostermann arbeitete als Paketzusteller, scheiterte als Selbstständiger – und ist heute ein erfolgreicher Vortragsredner.

Das für sein Leben entscheidende Telefonat ist zwar schon 15 Jahre her, „aber einen so wichtigen Moment vergisst man wahrscheinlich nie“, sagt Michael Ostermann. Vom ehemaligen Beamten bis zum digitalen Nomaden, wie er sich selbst bezeichnet, war es ein beschwerlicher Weg für den 52-jährigen aus Mering. „Heute weiß ich, dass sich mutige Entscheidungen letztlich lohnen“, stellt er fest.

Der gebürtige Augsburger arbeitete als Paketzusteller bei der Post, bis er sich mit 24 Jahren bei der Bundeswehr verpflichtete und sein Fachabitur sowie ein BWL-Fernstudium machte. „Nach meiner Zeit als Soldat stellte sich die Frage, was ich wirklich mit meinem Leben anfangen wollte; denn Tag für Tag Pakete auszuliefern, hatte mich nie befriedigt.“

Eine Zeit mit folgenreichen Fehlern

Ostermann baute einen Finanzvertrieb auf und fand es spannend, als Selbstständiger für den eigenen Erfolg verantwortlich zu sein. „Eine lehrreiche Zeit, in der ich aber auch folgenreiche Fehler machte.“ Die führten schließlich dazu, dass er auf einem Schuldenberg saß und kaum noch Geld für Miete und Strom hatte. „Damals war ich total verzweifelt und hatte keine Ahnung, wie mein Leben weitergehen sollte.“

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Aus der Not heraus ergriff er den letzten Strohhalm und nahm 2004 bei einem Versicherungsunternehmen in Köln an einem Assessment Center teil. Bei diesem mehrtägigen Eignungstest werden Bewerber für eine Stelle auf Herz und Nieren geprüft. „Damals habe ich alles gegeben, aber eine Entscheidung sollte ich erst Tage nach dem Test telefonisch erfahren.“

Nach bangem Warten kam endlich der entscheidende Anruf: „Ich hatte die begehrte Stelle und war stolz, dass ich es unter enormem Druck geschafft hatte!“ So konnte er seine Schulden bezahlen und betreute deutschlandweit große Finanzvertriebe in der Produkt- und Vertriebsschulung. „Ich war viel unterwegs, schlief oft in Hotels und wurde sogar Bezirksdirektor.“

Wenn das Feuer der Begeisterung fehlt

Vor dem nächsten Karrieresprung zum Vertriebsdirektor spürte Ostermann jedoch erste Ermüdungserscheinungen. „Das Feuer der Begeisterung fehlte, ich war im Job nicht mehr glücklich und kündigte Mitte 2012.“ Erneut brauchte es eine Portion Mut, um die nächste Entscheidung zu treffen.

Mit Mitte 40 machte er sich noch einmal selbstständig und berät heute als Coach Unternehmen bei Veränderungsprozessen; dazu betreibt er eine Internetseite und einen Youtube-Kanal mit Vorträgen. „So kann ich als digitaler Nomade fast von jedem Punkt der Welt aus arbeiten.“

Erfolgreich beim Speaker-Slam in München

Als Vortragsredner nahm Ostermann am internationalen Speaker-Slam in München teil. Bei diesem Rednerwettstreit vor einer achtköpfigen Jury hatte jeder Teilnehmer nur fünf Minuten Zeit, um das Publikum mit einem eigens konzipierten Vortrag für sich zu gewinnen. „Ich war extrem aufgeregt, obwohl ich in meiner Vertriebszeit schon hunderte von Vorträgen gehalten habe“, erzählt er. „Meine weichen Knie hat man mir auf der Bühne aber nicht angemerkt.“

Weil der mutige Meringer es unter die Finalisten schaffte, darf er im August zum Speaker-Slam nach New York fliegen. „Auch dort entscheiden nur fünf Minuten über eine Auszeichnung, aber allein in dieser tollen Stadt mit dabei zu sein, ist die Reise wert!“ Zeitlebens habe er sich immer wieder neu erfunden, sagt Ostermann. „Im Rückblick haben sich alle mutigen Entscheidungen positiv ausgewirkt.“ Ganz gleich, wie aussichtslos eine Situation auch erscheine, „man darf nicht in der Opferrolle verharren, sondern muss auf seine eigene Kraft vertrauen“. Er sei heute stolz auf das Erreichte, „während mein ehemaliger Kumpel immer noch bei der Post arbeitet und auf seine Rente wartet“.

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