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Hobby-Turnier

30.06.2015

Fußball in sechs Sprachen

Lamin Dibba aus dem Senegal und Trainer Jürgen Pfennig bei der Taktikbesprechung.
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Lamin Dibba aus dem Senegal und Trainer Jürgen Pfennig bei der Taktikbesprechung.
Bild: Anna Schubert

Auf dem Platz des SC Eurasburg wurde es diesmal international. Über den kräftezehrenden Ramadan und von einem Torwart, der auch einmal ein Tor schießen möchte

In sechs verschiedenen Sprachen hallt es über den Fußball platz des SC Eurasburg. Deutsch, englisch, arabisch, kurdisch, wolof und ungarisch. Zum Glück braucht es beim Fußball nicht viele Worte. „Außerdem haben wir zum Verständigen ja noch Hände und Füße“, lacht der Fußball-Abteilungsleiter des SC Eurasburg, Stefan Wolf, auf dessen Vereinsgelände das Turnier ausgetragen wurde.

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Dieses Jahr traten sechs Hobbymannschaften zum Kleinfeldturnier an. Unter anderem zwei vom Friedberger Autefa-Haus, dem ehemaligen Gebäude der Firma Autefa. 15 der 36 Bewohner der Friedberger Asylbewerberunterkunft schnürten ihre Fußballschuhe. Das Turnier in Eurasburg ist mittlerweile Tradition. „Dass wir ein Hobbyturnier veranstalten, das machen wir schon seit ungefähr 25 Jahren“, so Stefan Wolf. „Es ist eine Spaßveranstaltung von unserem Verein.“

Fußball ist bei den Friedberger Asylbewerbern zweifellos der Lieblingssport. „Als sie angekommen sind, haben wir nach Hobbys gefragt“, sagt Klaus Lohmann, der zusammen mit Jürgen Pfennig Fußballtrainer und einer der ehrenamtlichen Betreuer im Autefa-Haus ist. Der Großteil der Bewohner gab an, in der Freizeit zu kicken. Daraus entstand die Idee, einmal wöchentlich zu trainieren. „Über Spendenaufrufe konnten wir alle mit Schuhen ausstatten“, so Jürgen Pfennig. „Beim TSV Friedberg dürfen wir trainieren und die Jungs haben auch feste Zeiten, in denen sie den Fitnessraum benutzen können.“ In der kommenden Saison 2015/2016 möchte man mit einer eigenen Mannschaft als TSV Friedberg III in der Reserven-Runde der A-Klasse Aichach starten. Die Aufschrift „Autefa World Team“ wird die Rückseite der Trainingsanzüge zieren. Ein Team, dessen Mitglieder aus unterschiedlichen Orten der Welt stammen. Für viele der Männer aus muslimischen Ländern hat diesen Monat der Ramadan begonnen. Und die Fastenzeit machte manchen Fußballern zu schaffen. Von halb drei in der Nacht bis um halb zehn abends wird weder getrunken, noch gegessen. Für jeweils fünf Spiele, mit zwölf Minuten Dauer, die jede Mannschaft spielen musste, reichten nicht bei allen die Kraftreserven aus. Deshalb blieben die Ergebnisse anfangs so trüb wie das Wetter. Doch pünktlich als sich am Nachmittag die Sonnenstrahlen durch die Wolken gekämpft hatten, konnten die Teams die ersten Siege verbuchen. „Die Sonne hat uns aktiv gemacht“, schmunzelt der 21-jährige Lamin Dibba, der aus dem Senegal kommt. Die Siegesserie, die folgte, nutzte auch Torwart Abdou Sarr aus, um den Sechzehner zu verlassen und nach vorne zu stürmen. Letztendlich reichte es für die beiden Teams dann doch nur für Platz vier und fünf. Für Trainer Jürgen Pfennig kein Problem: „Es ging ja darum, Spaß zu haben.“ Da der Genuss von Alkohol im Islam verboten ist, durften sich die Trainer über die Flasche Sekt freuen. Den Pokal für den ersten Platz erhielt der „1. FC Hackstock“, der bis auf ein Unentschieden jedes Spiel gewann. Zweiter wurden der SC Eurasburg „Generation X“. Auf den dritten Platz landete das ungarische Team, die „Puskàs-Kickers“. Schlusslicht bildete der „FC Defizit“.

Für Stefan Wolf und Beisitzer Jürgen Hoffmann war es ein gelungener Nachmittag: „Es war ein tolles, internationales Turnier. Sehr fair und schön anzuschauen.“

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