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Bücherei

17.11.2017

Gedichte und Geschichten vergolden den Abend

Für einen Abend voller Poesie bedankte sich die Kissinger Büchereileiterin Petra Scola (rechts) bei den Teilnehmern Jürgen Schwilski, Dagmar Rohde und Sina Platzbecker.
Bild: Heike Scherer

Literaturfans präsentieren bei der Veranstaltung „Lesen ist Silber, Hören wird Gold“ fremde und eigene Texte

Jürgen Schwilski beginnt mit kurzen, witzigen oder absurden Gedichten von Günter Grass. Später wird er noch Passagen aus dem Roman „Die Rättin“ vorlesen. Ob die Zuhörer sich das Buch antun wollen oder nicht, könnten sie nach dem Abend selbst entscheiden, schlägt er vor. Gemeinsam mit Dagmar Rohde aus Friedberg und der Meringer Nachwuchsdichterin Sina Platzbecker war der Initiator des Speaker’s Corner gleich bereit, einen Abend der Poesie in der Kissinger Bücherei zu gestalten, als Büchereileiterin Petra Scola bei ihm anfragte.

Das Interesse war groß und die Zuhörer genossen zwei Stunden mit Lyrik bekannter deutscher Autoren, aber auch sensible, selbst verfasste Gedichte. Im März und April 2018 wird es mit Lyrik im Kulturcafé Kissing weitergehen.

Barbara Häberle und Marlene Raab aus Mering sind immer wieder begeistert von den Gedichten, die Dagmar Rohde zum Besten gibt. Sie sind aber auch gespannt, was die 17-jährige Sina Platzbecker ihnen präsentieren wird. Auch Manfred und Uschi Bolz aus Kissing kommen seit drei Jahren zu allen Veranstaltungen, die Dagmar Rohde in der Region anbietet. Bereits im Alter von 14 Jahren begann sie mit eigenen Gedichten, um sich ihre Gedanken bei Krisen oder schwierigen Situationen von der Seele zu schreiben. „Gedichte helfen, Komplexität in eine einfache Form zu bringen“, sagt sie. Seit 15 Jahren nimmt sie Stimm- und Gesangsunterricht und beteiligt sich an Workshops bei einem Hörbuchverlag. Vor allem im Urlaub oder an verregneten Wochenenden ist sie kreativ. Unheimlich war die Ballade „Der Knabe im Moor“ von Annette von Droste-Hülshoff. Mit der Geschichte vom kleinen Prinzen und dem Fuchs von Antoine de Saint-Exupéry beruhigte sie die Zuhörer und verriet die Weisheiten über einen Freund. Nach Gedichten von Rainer Maria Rilke, Peter Härtling und Jan Wagner bot sie mit „Zuckerrohrplantagen“, „Roter Schal mit Frau“, „Scherbengericht“ und „Geflüster in der Walnusskammer“ einen Einblick in ihre eigenen fantasievollen Dichtungen.

Fast alle Werke des vor zwei Jahren verstorbenen Literaturnobelpreisträgers Günter Grass hat Jürgen Schwilski gelesen und ihn bei einer Lesung sogar persönlich kennengelernt. Der Autor wurde wie seine Oma in Danzig geboren, einer seiner Lehrer war begeistert von dem Schriftsteller. „Ich lese täglich eine halbe Stunde. Drei Seiten gute Literatur und meine Stimmung wird besser, weil ich dabei in eine andere Person schlüpfen kann“, erzählt er. Für Gedichte interessiert er sich seit seinem zwölften Lebensjahr, acht Jahre später begann er nach einem kreativen Schreibkurs, immer wieder neue Geschichten zu verfassen. Um seine humorvollen Anekdoten erzählen zu können, führt er täglich Tagebuch.

Sehr angetan war das Publikum von Sina Platzbecker, die nicht nur ihr selbst geschriebenes Lied „Just Let Me Be“ vorstellte, sondern auch Gedichte aus eigener und fremder Feder. Vor genau einem Jahr hatte das junge Nachwuchstalent beim Literaturwettbewerb des Friedberger Gymnasiums mit ihrem Gedicht zum Thema „Reise in die Zukunft“ in der Gattung Lyrik den ersten Platz errungen. Außer Bert Brechts „Terzinen über die Liebe“ – ihrem Lieblingsgedicht – las sie Heinz Erhards „Das Blümchen“ oder Erich Kästners „Repetition des Gefühls“ vor. Seit sieben Jahren verfasst sie Gedichte, Ideen kämen ihr oft im Bus oder nachts, wenn sie aufwacht, so die Gymnasiastin, die auch Mitglied in der Theatergruppe ihrer Schule ist. „Geronnene Stunden“, „Das Ding“, „Ein Sternlein“ lauteten Titel ihrer eigenen Werke, die ein großes Talent bewiesen und auf Fortsetzung hoffen lassen.

Büchereileiterin Petra Scola sucht für das Kulturcafé 2018 Menschen, die sich mit Lyrik befassen und Gedichte oder ihre Lieblingsgedichte vortragen möchten. In den Monaten März und April werden die Veranstaltungen ab 16 Uhr stattfinden. Interessierte werden gebeten, sich mit Vorschlägen, gerne auch in anderen Sprachen, unter Telefon 08233/7907-400 oder der E-Mail buecherei@kissing.de bis Mitte Januar zu melden.

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