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Kissing

28.08.2020

Gemeinde Kissing pflanzt im Neubaugebiet spezielle "Testbäume"

Im Oberland hat die Gemeinde Kissing spezielle Baumarten angepflanzt: (von links) Alfred Schatz, Franz-Xaver Sedlmeyr und Gertraud Szugat.
Bild: Edigna Menhard

Plus Im Oberland hat Kissing spezielle Baumarten angepflanzt. Bei diesen soll beobachtet werden, ob sie besser mit den veränderten Klimabedingungen zurechtkommen.

Wenn Bäume an der Straße mit ihren Wurzeln die Asphaltdecke der Wege aufwölben oder Pflastersteine anheben, gefährden sie die Verkehrssicherheit. Zudem kann die Ausbesserung für die Gemeinden teuer werden. Kissings Bauamtsleiter Alfred Schatz rechnet vor: „Muss ein Gehweg repariert werden, schlägt das mit 100 Euro pro Quadratmeter zu Buche. Das summiert sich schnell auf Tausende Euro.“

Selbst wenn die Haushaltskassen schon leer seien, müsse die Kommune den Weg wieder instand setzen. Oft würden dann die Wurzeln entfernt, was allerdings dem Baum Stabilität nehme und die Sturmsicherheit infrage stelle. Noch schlimmer sei es, wenn die Bäume gefällt werden müssten. Das würden viele Bürger kritisch sehen. In Kissing soll das künftig weitgehend verhindert werden. Deshalb hat die Gemeinde im Baugebiet Oberland „Testbäume“ anpflanzen lassen, bei denen beobachtet werden soll, wie sich deren Wurzelwerk verhält. Aber nicht nur das: Kissings stellvertretender Bürgermeister Franz-Xaver Sedlmeyr erklärt bei einer Ortsbegehung: „In diesem Bereich hier sind die Böden nicht so gut. Außerdem werden die Sommer immer heißer, Bäume müssen mit Wassermangel umgehen. Dazu gibt es verschiedene Arten, die anfälliger für Krankheiten oder Schädlinge sind. Wir wollen deshalb Erfahrungen sammeln, wie sich die Bäume unter diesen Bedingungen verhalten.“

Neue Bäume in Kissing müssen viele Kriterien erfüllen

Das sei auch wichtig, weil in den älteren Baugebieten teilweise Bäume schon so groß geworden seien, dass sie erneuert werden müssten. Im Grünordnungsplan des Baugebietes legte deshalb die Kommune fest, dass dort 13 Bäume gepflanzt werden müssen. „Mir war klar, dass diese Bäume stadtklimaverträglich, anpassungsfähig, robust, hitzeverträglich und windfest sein sollen. Sie mussten auch Bodentrockenheit vertragen und außerdem nicht zu groß werden, also eine Höhe zwischen zehn und 15 Metern erreichen“, sagt Landschaftsarchitektin Gertraud Szugat, die sich um die Auswahl und Begrünung kümmerte. Die Friedbergerin suchte drei Sorten aus. In der Kochelseestraße pflanzte sie Stadtlinden, die Tilia cordata „Greenspire“, ein. „Das ist eine Sorte der heimischen Linde, die so gezüchtet wurde, dass sie mit den Klimaveränderungen und der Umweltverschmutzung zurechtkommt“, erläutert die Expertin. Als Herzwurzler gehen ihre Wurzeln nach unten, sodass keine Gefahr bestehe, dass sie den Belag anhebe.

Die Wahl fiel aber vor allem auf diese Baumart, weil die Linde sehr emotionsgeladen sei. So war sie früher Treffpunkt, es gab Tanz- und Gerichtsbarkeitslinden, sie wird in vielen Liedern, Gedichten und Sagen erwähnt, Straßen wurden nach ihr benannt. „Aus ökologischer Sicht ist die Linde zudem ein wichtiges Bienennährgehölz. Wenn man im Sommer zur Blütezeit an ihr vorbeigeht, hört man es immer summen“, freut sich Szugat. Es handele sich also um einen Baum, der den Bienen gefalle. In der angrenzenden Tegernseestraße fanden Mehlbeeren ihre neue Heimat. Die Sorbus aria „Magnifica“ ist eine Verwandte der Eberesche und ebenfalls ein robuster und anpassungsfähiger Straßenbaum. Die Landschaftsarchitektin räumt jedoch ein: „Womit manche Leute Schwierigkeiten haben, ist, dass der Laubaustritt im Frühjahr ein bisschen gräulich ist, weil die Unterseite der Blätter leicht behaart ist. Und schließlich sehnt man sich im Frühling nach frischem Grün. Aber wenn sie blüht, ist sie wunderschön mit ihren großen weißen Dolden.“ Im Herbst trägt sie dann kugelige orange-rote Beeren, die 60 Vogelarten gerne fressen.

Chinesische Wildbirnen im Neubaugebiet Oberland angepflanzt

Ein paar Meter weiter in der Walchenseestraße sind chinesische Wildbirnen zu finden. „Weil diese in der Kurve stehen, wollte ich für die bessere Sicht einen Baum, der schlank in der Krone bleibt“, begründet Szugat, warum sie den aus Asien stammenden Pyrus calleryana „Chanticleer“ ausgewählt und sich gegen eine heimische Baumart entschieden hat. Die Birnen, die der Baum trage, seien sehr klein und auch nicht essbar. Allerdings habe dieser eine herrliche Herbstfärbung von Gelb, Orange bis ins Rot. „Das ist dann eine Freude für den Menschen“, sagt sie.

Im Februar waren die Arbeiten beim Baugebiet Oberland in Kissing schon weit vorangeschritten.
Bild: Philipp Schröders (Archivbild)

Damit habe sie drei Bäume ausgewählt, die für Bienen, für Vögel und für Menschen etwas zu bieten hätten. Ihr war es zudem wichtig, jeweils eine Sorte pro Straße anzupflanzen und nicht zu mischen: „Man kann die Bäume dann als Orientierung und als Identifikation sehen.“ Die Anwohner könnten sagen, dass sie beispielsweise in der Straße mit den Linden wohnen.

Besonders freut sich die Gartenexpertin aber über die Blumenwiesen, die anstelle der üblicherweise angepflanzten Bodendecker ausgesät wurden. Sie seien nicht nur bienenfreundlich, sondern auch salzverträglich und erreichen eine Höhe von 30 bis 60 Zentimeter. Zig verschiedene Blumen findet sie, als sie das Beet umrundet: Färberkamillen, Kornblumen, Futteresparsetten, Taubenkropf-Leimkraut, Schafgarben, Wiesensalbei, Habichtskraut, Wiesen-Margerite, Johanniskraut, Flockenblumen, auch ein wenig „Unkraut“ wie eine Distel – aber das gehöre nun mal auch dazu.

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