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Merching

03.04.2021

Geocaching: Worin der Reiz von Verstecken und Suchen liegt

Marco Harth aus Merching geht gerne auf Geocaching-Touren und legt auch selbst Verstecke an.
Foto: Christina Riedmann-Pooch (Archivbild)

Plus Marco Harth aus Merching hat Spaß daran, Dinge zu suchen und zu verstecken. Dabei geht es nicht um Ostereier. Im Interview erklärt er sein Hobby Geocaching.

Herr Harth, verstecken Sie Ostereier?

Marco Harth: Selbstverständlich, ich habe zwei Kinder, da gehört das einfach dazu.

Aber Sie haben auch ein Hobby, in das Sie viel Leidenschaft investieren, das mit Verstecken und Suchen zu tun hat?

Harth: Das ist richtig. Sie spielen auf das Geocaching an.

Was versteht man darunter?

Harth: Man kann es am ehesten so beschreiben: Geocaching ist ein internationales Spiel, das weltweit ausgeübt wird. Die Ursprünge hat es wohl daher, dass jemand auf die Idee gekommen ist, etwas zu verstecken und diesen Ort mit Koordinaten zu beschreiben. So kann ein Dritter, unter Zuhilfenahme eines GPS-Gerätes oder mit einer geeigneten Landkarte dieses Versteck ausfindig machen.

Was braucht man zum Geocaching?

Harth: Heutzutage kann man es mit jedem gängigen Smartphone machen, weil die inzwischen alle mit entsprechenden GPS-Systemen oder Google Maps ausgestattet sind. Wenn man es etwas fortgeschrittener mag und nicht auf eine Internetverbindung angewiesen sein möchte, dann nutzt man ein Navigationsgerät oder nutzt die Offline-Funktion des Smartphones.

Auch für Kinder gibt es beim Geocaching interessante Verstecke.
Foto: Silvia Marks, dpa (Symbolbild)

Sie legen auch selber Verstecke an?

Harth: Das ist richtig, die Personen, die nicht nur suchen, sondern auch Geocaches legen, nennen sich Owner, angelegt an das englische Wort "Besitzer". Das mache ich sehr gerne und lege dabei sehr viel Wert darauf, dass es interessante und ansprechende Verstecke sind.

Können Sie ein Beispiel nennen? Was haben Sie zuletzt versteckt?

Harth: Ich habe selber bisher acht verschiedene Caches versteckt. Darunter sogenannte Traditionals, Multis und Mysteries. Das ist vergleichsweise wenig. Es gibt viele aktive und erfahrene Geocacher in unserem Umkreis, die deutlich fleißiger sind und zum Teil mehrere 100 tolle Caches gelegt haben. Beim Geocaching versteckt man beispielsweise gerne Vogelhäuser im Wald, ausgehöhlte Steine oder sonstige raffinierte, gut getarnte Objekte, in denen sich eine Dose mit einem sogenannten Logbuch befinden kann. Da sind der gestalterischen Freiheit keine Grenzen gesetzt, wie solche Verstecke aussehen können. Ich sage mal, "zielgruppenorientiert" sollten sie sein. Wenn man etwas für Kinder macht, sollten es Verstecke sein, welche leicht zu finden sind. Zudem sollten sie Spaß daran haben zu suchen und natürlich auch einen Aha-Effekt mitnehmen, wenn die Dose gefunden wurde. Wenn man etwas für den fortgeschrittenen Geocacher versteckt, dann kann man das gar nicht gut genug tarnen. Geocacher lieben Herausforderungen.

Ein gebasteltes Reh aus der "Wild im Wald"-Runde, die der Geocacher Marco Harth gestaltet hat.
Foto: Marco Harth

Was ist der ausgefallenste Fundort, von dem Sie gehört haben?

Harth: Unterwassergeocaches. Die habe ich selber noch nicht gehoben, weil ich im Winter bei einem solchen Cache am See war. Da hatte ich verständlicherweise keine Lust zu tauchen. Zudem finde ich Caches hoch oben auf Bergen sehr interessant. Ein tolles außergewöhnliches und nennenswertes Versteck wurde mir von einem Freund genannt. Auf der Gorch Fock, dem Segelschulschiff der Deutschen Marine, gibt es einen Cache. Da kommt natürlich nicht jeder zu jeder Zeit drauf, aber das ist schon eine sehr verrückte Ausnahme.

Was ist das ausgefallenste Versteck, das Sie entdeckt haben?

Harth: Eines der ersten Verstecke, welches ich gefunden habe, hat mir sehr imponiert. Das war ein ausgehöhlter Zaunpfahl. Das klingt für erfahrene Geocacher nun nicht sehr aufregend, aber man muss erst einmal darauf kommen, dass es so was gibt. Auch überraschend fand ich einen ausgehöhlten Schraubenkopf, der neben anderen richtigen Schrauben magnetisch befestigt war. Darin war das Logbuch versteckt. Mit der Zeit bekommt man natürlich ein Auge dafür, aber die Anfangserfahrungen muss man erst einmal machen.

War das hier in der Region?

Harth: Ja, ich bin hauptsächlich hier in der Region unterwegs, weil ich das mit Freizeitaktivitäten wie Radfahren oder Spazierengehen verbinde. Ich lege großen Wert darauf, dass ich nicht mit dem Auto irgendwohin fahren muss, sondern versuche das Hobby Geocaching mit dem Fahrrad oder der Bahn zu machen. Ich achte gerne auf meinen ökologischen Fußabdruck, so wie viele andere Geocacher auch.

Wie sind Sie überhaupt zum Geocaching gekommen?

Harth: Ich bin sehr viel aktiv draußen, ob Mountainbiken, Bergwandern oder Bergsteigen. Dazu nutze ich oftmals Navigationsgeräte. Diese haben eine Funktion, die "Geocaching" heißt. Ich konnte damit nie etwas anfangen. Bis ich dann zufällig auf einem Berg mal jemanden auffällig unauffällig herumsuchen gesehen habe. Den habe ich angesprochen und er sagte mir, er ist beim Geocaching. Dieser freundliche Bergkamerad hat mir auch gleich gezeigt, wie man das mit dem Navigationsgerät macht. Dann habe ich Blut geleckt, es probiert und bin dabei hängen geblieben.

Geocacher haben ein in einer Röhre verpacktes Mini-Logbuch in einem Kanaldeckel gefunden.
Foto: Ingo Wagner, dpa (Symbolbild)

Was machen Sie lieber: verstecken oder suchen?

Harth: Das kann man nicht sagen. Beides macht sehr viel Spaß. Das Basteln und Kreativsein ist ein toller Aspekt. Ich arbeite dann im Keller an ausgefeilten Geocachen, und manchmal hilft meine Tochter fleißig mit. So habe ich noch einige Traditionals und Multis in Arbeit. Aber auch das Suchen ist toll - auch gerne bei schlechtem Wetter und an ausgefallenen Orten, einfach, um in der Natur zu sein. Es hat beides seinen Reiz.

Spielt beim Geocaching kindliche Faszination mit? Wollen Erwachsene dabei etwas von früher ausleben?

Harth: Nein, das glaube ich nicht. Natürlich gibt es diese Schnitzeljagden, die man früher gemacht hat. Ich denke aber nicht, dass das ein Aspekt ist, sondern eher das Draußensein. Man gibt dem Spaziergang einen neuen Sinn oder man macht eine Radtour zu einem ausgefallenen, weiter entfernten Ort, weil man so ein Ziel hat. Aber ich weiß sehr wohl, dass Geocaching ein großer Spaß für Kinder ist, sofern die Caches nicht zu schwierig sind. Sonst verlieren manche Kinder gerne mal die Lust. Erfolgserlebnisse sind wichtig.

Fasziniert Geocaching mehr Männer oder mehr Frauen?

Harth: Ich glaube, das ist ausgeglichen. Es gibt sogenannte Events, wo sich Geochacher treffen und austauschen, und ich möchte behaupten, dass sich das die Waage hält.

Manche Naturschützer und Waldbesitzer sind besorgt, dass Geocaching der Umwelt schaden und Tiere stören könnte. Was sagen Sie dazu?

Harth: Ich denke, dass das Hobby sehr gut mit der Natur vereinbar ist. Wie überall muss man die Interessen der jeweils anderen achten und respektieren. Daher dürfen Geocaches auch nur dort liegen, wo es mit diesen Interessen zu vereinbaren ist. Hier gibt es gute und strenge Regeln zum Verstecken und Verhaltensregeln zum Suchen. So ist es zum Beispiel selbstverständlich, nicht mit dem Auto in gesperrte Gebiete zu fahren oder während der Dämmerung im Wald zu suchen. Grundsätzlich sind die meisten Geocacher jedoch sehr naturverbunden und naturbewusst. Oftmals werden sogenannte CITO "Cache in - Trash out" organisiert, bei welchen die Teilnehmer bewusst ganze Landstriche von umherliegendem Müll befreien. Das ist sehr verbreitet, gerade in Augsburg und Umgebung.

Zur Person: Marco Harth ist 47 Jahre alt und lebt mit seiner Familie in Merching.

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